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Mecklenburg-Vorpommern

23. Oktober 2017 | 02:42 Uhr

Insel Poel : Lichtblicke am Meer

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Auf der Insel Poel hat ein Ingenieur Hunderte historische Schiffslaternen zusammengetragen

Harald Krabbe lebt am Meer, im Dörfchen Kaltenhof auf Poel. An trüben Wintertagen, wenn sich kaum mehr Besucher auf das kleine Eiland verirren, hat der 62-jährige Bauingenieur Zeit für sein museales Hobby. Selbst ist er nie zur See gefahren oder als Fischer aufs Meer hinaus, sagt Krabbe. Dennoch hat er sein Herz an ausgediente Schiffslaternen verloren.

Bisher 610 historische Leuchten aus aller Welt hat der Insulaner in den letzten zehn Jahren zusammengetragen. Die Lichtquellen von Booten, Yachten, Kuttern, Schleppern oder Frachtern hütet, pflegt und erforscht Krabbe akribisch wie einen Schatz. Auf einem Flohmarkt in Dänemark war ihm einst der Geistesblitz gekommen, alte Schiffsbeleuchtungen zu retten. Damals wollte er ein solches Stück zum Kerzenhalter umbauen, die Gravuren im Glas der Laterne – Zahlen und Buchstabenkombinationen – weckten jedoch seine Neugier, wie Krabbe erzählt. Vermerkt etwa war das Datum der technischen Prüfung, es deutet auf den Ersteinsatz hin. Die Lampe von 1934 wurde letztlich kein Tischschmuck, sondern zum Grundstein seiner „leuchtenden“ Sammlung auf Poel.

„Verbastelte Lampen“ sind Krabbe ein Graus, er liebt das Originale, Authentische. Die historischen Lichter werden niemals geschliffen, poliert oder gar neu angemalt. Rost, Löcher, Beulen und Schrammen, abgeplatzte Farbe, eben alle Spuren einer langen Dienstzeit auf den Weltmeeren, versucht er zu erhalten, berichtet der Sammler. Allenfalls ersetzt er Funktionsteile wie Brenner, Gläser oder Linsen, um die Laternen wieder anzünden zu können. Einziges Zugeständnis an die Moderne: Alle seine Stücke sind digital erfasst und seine Sammlung so auch online einzusehen.

Krabbe betreibt sein Hobby längst nicht mehr nur nebenher, sondern regelrecht exzessiv,. „Das ist irgendwann ausgeufert und inzwischen ein Fulltimejob.“ Mehr als 600 maritime Leuchtmittel aus 17 Ländern und der Zeit eines ganzen Jahrhunderts hat er in seinem Gartenhaus zusammengetragen. Darunter seien auch Lichter von rund zwei Dutzend deutschen Herstellern etwa aus dem Schiffslaternenwerk Ueckermünde. Den weitesten Weg nach Mecklenburg legten Lampen aus den USA und Japan zurück. Die älteste ist von 1906.

Die Lichter der Schiffe seien unentbehrlich für einen reibungslosen Verkehr auf dem Wasser, erklärt Krabbe. Je nach Position und Funktion strahlen die Laternen an Bug, Heck, Back- und Steuerbord oder am Anker rot, grün oder grellweiß. Zudem lassen sie die Fahrtrichtung, Schiffsart, Fahrzeugkolonnen, das Schleppen von Fischnetzen oder auch Notfälle erkennen.

Brennstoff früher sei meist Petroleum gewesen oder auch Gas. Hightech-LED-Laternen indes hätten in seiner Kollektion nichts zu suchen, betont Krabbe. „Die haben keinen Charakter, sind nicht alt, so was sammele ich nicht.“

Die exklusive Schau, die nur im Sommer für Besucher geöffnet hat, lockt in der Saison gerade mal hundert Gäste an, schätzt der Sammler. Ausgewählte Exponate zeige er aber auch auf Messen und in norddeutschen Ausstellungshäusern.

Das Inselmuseum von Poel im Hauptort Kirchdorf etwa unterstützt den historischen Ansatz der ungewöhnlichen Schiffslaternen-Sammlung. „Da gibt es keine Hochglanzlampen, alle sehen alt und unverbaut aus“, sagt Museumsmitarbeiterin Anke Uhlemann. Von Mai an wolle sie einige Originale aus Krabbes Lichter-Schau als Dauerleihgaben ins Museum holen. Sie sollen „Highlights“ in der Ausstellung zur Fischereigeschichte der Ostseeinsel werden, wie sie sagt.

 

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