Was man bei Sonnenbrillen beachten muss : Lichtblick oder Verdunklungsgefahr?

Die Designer wollen nun mit Sonnenbrillen Farbe ins Gesicht der Frau bringen. Foto: orsay
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Die Designer wollen nun mit Sonnenbrillen Farbe ins Gesicht der Frau bringen. Foto: orsay

Im Sommer braucht nicht nur die Haut besonderen Schutz, sondern auch das Auge. Denn ist man den unsichtbaren ultravioletten Strahlen oft ungeschützt ausgesetzt, können sich auch die Netz- und Hornhaut entzünden.

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13. Juli 2012, 07:21 Uhr

Im Sommer braucht nicht nur die Haut besonderen Schutz, sondern auch das Auge. Es kann sich zwar von Natur aus unterschiedlichen Helligkeiten anpassen, indem sich die Pupille bei hoher Lichtintensität zusammenzieht und so die einfallende Lichtmenge reduziert. "Das geht jedoch nur bis zu einem gewissen Grad. Ist die Umgebung zu hell, wird das Auge geblendet und das Sehen fällt schwer", sagt das "Kuratorium Gutes Sehen" (KGS). Die Initiative klärt seit 1949 über gutes Sehen auf.

Ist man den unsichtbaren ultravioletten Strahlen oft ungeschützt ausgesetzt, können sich beispielsweise die Netz- und Hornhaut entzünden. Umso wichtiger ist es, die Augen mit einer Sonnenbrille zu schützen. Sie sollte auch in keinem Urlaubsgepäck fehlen. Doch wie findet man eine gute?

Blendschutz

Eine Sonnenbrille setzt man im Allgemeinen auf, um nicht von der Sonne geblendet zu werden. Unterschiedlich stark ausgeprägte Tönungen in Grau, Braun oder auch anderen Farben reduzieren das für das Auge sichtbare Licht. Die Lichtdurchlässigkeit der Gläser wird dabei in fünf Kategorien unterteilt. Kategorie 0 lässt 80 bis 100 Prozent Licht durch. Solche Brillen eignen sich dem KGS zufolge vor allem für abends. Kategorie 1 lässt 43 bis 80 Prozent Licht durch und ist gut geeignet für bedeckte Tage und die Stadt. Kategorie 2 hat eine Lichtdurchlässigkeit von 18 bis 43 Prozent und ist nach Angaben des KGS "der perfekte Blendschutz für unsere Breitengrade".

Kategorie 3 besitzt einen sehr dunklen Filter. Er lässt nur 8 bis 18 Prozent Licht durch. Diese Brillen sind optimal für südliche Gefilde, Strand, Schnee und Berge. Brillen der Kategorie 4 sind so dunkel, dass sie für den Straßenverkehr nicht geeignet sind, sehr wohl jedoch für Hochgebirge und Gletscher. Zu welcher Kategorie eine Sonnenbrille gehört, steht an der Innenseite der Bügel, so die Initiative. Der Blendschutz sagt jedoch nichts über den UV-Schutz einer Sonnenbrille aus.

UV-Schutz

Eine Sonnenbrille sollte unbedingt über einen ausreichenden UV-Schutz verfügen. Nicht die dunkelsten Gläser schützen am besten vor den gefährlichen UV-Strahlen, sondern diejenigen, die einen guten UV-Filter haben. "Gefährlich sind dunkle Brillen mit unzureichendem UV-Schutz", sagt Dr. Georg Eckert vom Berufsverband der Augenärzte Deutschland. "Sie sorgen dafür, dass sich die Pupille weitet, so dass dann besonders viel Strahlung die Netzhaut erreicht." Brillen mit optimalem UV-Schutz blockieren alle Wellenlängen unterhalb 400 Nanometern, sprich die UV-A-, UV-B- und UV-C-Strahlen. Ein solcher Wert sei im Alltagsgebrauch in der Regel ausreichend, heißt es beim Zentralverband der Augenoptiker.

Glas oder Kunststoff?

Kunststoff ist leichter als Glas und längst nicht mehr so kratzempfindlich, wie es früher einmal war. Wer nicht aus gesundheitlichen Gründen auf ganz spezielle Gläser angewiesen ist, kann ruhig zum Kunststoff greifen. Kunststoffe gibt es inzwischen in vielen verschiedenen Qualitäten: Von Billigplastik bis hin zum Spezialkunstglas von hoher optischer Güte. Praktisch für Sportler, Kinder, aber auch in der Arbeitswelt: Es gibt heute Sonnenbrillen aus unzerbrechlichen und unverwüstlichen Polycarbonaten, die härtesten Ansprüchen standhalten.

Farben

Neben phototropen Gläsern, die ihre Abdunklung automatisch dem Sonnenlicht anpassen, gibt es Sonnenbrillen in vielen verschiedenen Farben, deren Auswahl nicht unbedingt immer nur eine Frage der Mode sein muss. Gelbe und orange Gläser verstärken die natürlichen Kontraste und eignen sich gut für viele Sportarten, wohingegen graue und braune Tönungen einen weitgehend farbneutralen Durchblick bieten. Blaue Gläser werden von vielen Menschen als besonders angenehm empfunden.

Zum Autofahren eignen sich laut KGS besonders grau und braun getönte Gläser, denn sie verfälschen die Farben der Umgebung am wenigsten. Vorsicht sei dagegen bei roten und orangenen Gläsern geboten: "Sie verändern die Wahrnehmung von Signalfarben."

Beschichtungen

Während für verspiegelte Gläser vor allem modische Gründe sprechen, helfen entspiegelte Gläser, Lichtreflexe wirkungsvoll zu reduzieren. Polarisierte Gläser hingegen können viele Spiegelungen unter bestimmten Bedingungen sogar komplett eliminieren, was vor allem im Wassersport oder beim Fotografieren hilfreich sein kann. Nano-Versiegelungen sorgen für einen Antihafteffekt, was nicht nur bei der Reinigung, sondern auch im Sportbereich vorteilhaft sein kann. Für Motorrad- und Fahrradfahrer gibt es spezielle Beschichtungen, die das Beschlagen der Gläser verhindern.

Passform

Sonnenbrillen sollten die Augen optimal abdecken. "Die Gläser sollten mindestens bis zu den Augenbrauen und seitlich zum Gesichtsrand reichen", empfiehlt der Berufsverband der Augenärzte Deutschland. Eine ideale Brille liege oben recht dicht am Kopf an, gebogene Brillengläser oder breite Bügel können an den Seiten für zusätzlichen Schutz sorgen, sagt Dr. Georg Eckert. Breite Bügel verhindern, dass Streulicht von der Seite ins Auge eindringen kann. Wer viel Auto fährt, dem rät der Zentralverband der Augenoptiker allerdings zu schmalen Bügeln, damit das Gesichtsfeld nicht eingeschränkt wird. Große und eng anliegende Gläser bieten einen besseren Schutz vor Sonnenlicht als zu kleine und weit abstehende.

Qualitätssiegel:

"100 Prozent UV-Schutz": Das ist ein Label, das sich jeder Hersteller nach Belieben selbst verleihen kann. "Schutz nach EU-Norm EN 1836": Diese Norm verspricht nur einen Schutz vor UV-Strahlen bis zu 380 Nanometer und gilt als veraltet.

"UV-400": Dieses Siegel geht einen Schritt weiter als die EU-Norm, genauer gesagt bis zu einem Schutz von 400 Nanometern. Heute gehen nämlich viele Wissenschaftler davon aus, dass ein Großteil der für das Auge schädlichen Strahlung im Bereich des Blaulichts von 380 bis 400 Nanometern emittiert wird, das sich direkt an das ultraviolette Spektrum anschließt.

"CE"-Kennung: Seit Juli 1995 dürfen Sonnenbrillen in der EU nur noch vertrieben werden, wenn sie das CE-Kennzeichen tragen. Damit bestätigt der Hersteller, dass sein Produkt geltenden EU-Richtlinien entspricht. Es befindet sich auf der Innenseite des Bügels. "Angebracht wird es vom Hersteller oder Importeur", sagt der Zentralverband der Augenoptiker.

Das Problem: All diese Zeichen werden nicht von einer zentralen Stelle vergeben. "Fälscher können sie leicht nachahmen", sagt das "Kuratorium Gutes Sehen". Manche Augenoptiker haben aber auch Messgeräte, mit denen Kunden den UV-Schutz ihrer Brillen testen lassen können.

Billigbrillen erkennt man vor allem an wackligen und scharfkantigen Gestellen ohne Schrauben an den Scharnieren, bruchgefährdeten Plastikgläsern, ungenügendem UV-Schutz, abplatzender Farbe, unzureichender Passform und nicht zuletzt am Preis - denn eine hochwertige Sonnenbrille kostet auch etwas mehr.

Sonnenbrillen für Kinder

Fachleute warnen vor billigen Kinderbrillen mit lustigen Motiven. Sie sehen zwar schön aus, bieten mitunter aber keinen ausreichenden Schutz vor der Sonne. Doch der ist gerade bei Kinderaugen unerlässlich. Kinderbrillen sollten ein besonders stabiles Gestell und bruchfeste Kunststoffgläser haben. Bei Billigbrillen ist der UV-Schutz mitunter nur aufgesprüht und zerkratzt schnell. Das kann den Schutz verringern. Außerdem müssen die Augen dadurch ständig ihre Einstellung korrigieren.


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