Neuer Generalmusikdirektor in Schwerin : "Leute, wir sind euer Orchester"

<strong>Daniel Huppert </strong>wird ab der kommenden Spielzeit Generalmusikdirektor am Mecklenburgischen Staatstheater. <foto>Foto: Klawitter</foto>
Daniel Huppert wird ab der kommenden Spielzeit Generalmusikdirektor am Mecklenburgischen Staatstheater. Foto: Klawitter

In der kommenden Spielzeit wird Daniel Huppert, bisher 1. Kapellmeister in Schwerin, die Nachfolge von Matthias Foremny als Generalmusikdirektor am Mecklenburgischen Staatstheater antreten. Wir sprachen mit ihm.

svz.de von
29. Juni 2012, 08:21 Uhr

Schwerin | In der kommenden Spielzeit wird Daniel Huppert, bisher 1. Kapellmeister in Schwerin, die Nachfolge von Matthias Foremny als Generalmusikdirektor am Mecklenburgischen Staatstheater antreten. Bereits am Dienstag wird er zur Eröffnung der MeckProms-Tour die Staatskapelle auf der Schwimmenden Wiese in Schwerin leiten. Michael Baumgartl sprach mit dem künftigen GMD.

Herr Huppert, Sie übernehmen mit dem Amt des Generalmusikdirektors eine große Verantwortung. Haben Sie damit gerechnet oder ist Ihnen bange davor?

Nein, bange ist mir nicht, sonst hätte ich mich darauf nicht eingelassen. Damit gerechnet habe ich allerdings auch nicht, denn ich habe ja gerade meine erste Spielzeit als 1. Kapellmeister hier geleistet. Es kam also überraschend, aber ich bin positiv überrascht.

Haben Sie sich Ihre Karriere so ähnlich vorgestellt oder nimmt sie einen ganz unvorhergesehenen Verlauf?

Sie nimmt jedenfalls einen schnelleren Verlauf, als ich es vorgesehen hatte. Aber meine Bewerbung an diesem Haus war schon ein bewusster Schritt in diese Richtung. Entgegen den schnell aufsteigenden jungen Dirigenten wollte ich die Arbeit an einem festen Haus leisten. Vorher war ich in Paris quasi freischaffender Dirigent, nun wollte ich ein Ensemble und ein Orchester mitgestalten dürfen und nicht nach wenigen Wochen wieder abreisen. Es ist ein guter Weg, die ganze Mischung der verschiedenen Aufgaben, die man an einem Hause hat mit Oper, Konzert, Ballett, auch mit organisatorischer Arbeit, gründlich kennenzulernen und die Verantwortung gegenüber dem Klangkörper zu erfahren.

Wie hat die Karriere angefangen? Wo haben Sie studiert?

Angefangen habe ich in Saarbrücken. Dort habe ich Cello studiert, Germanistik und Musikwissenschaft. Dann erst kam ich zum Dirigieren, ging dafür nach Weimar und studierte dort bei Gunter Kahlert, Anthony Bramall und Nicolás Pasquet. Nach Abschluss des Studiums ging ich nach Paris und war dort für ein halbes Jahr Assistent an der Opéra National. Dort konnte ich mit den berühmtesten Sängern und großen Dirigenten arbeiten. Das war eine sehr intensive Zeit,da bekam ich viel Input und musste schnell viele Stücke lernen.

Künftig lenken Sie ein schlingerndes Schiff. Die Instanzen halten Rettungsringe zurück. Wie wollen Sie steuern?

Das wird keine leichte Aufgabe! Im Moment befinden wir uns in einem Entscheidungsvakuum. Da denke ich, man kann nur durch gute Programme, durch künstlerische Qualität und konsequente Arbeit überzeugen. Wir müssen das Publikum interessieren, damit es zu uns kommt: das ist unser Rettungsring. Das Programm für die kommende Spielzeit steht aber fest und ist gesichert.

Was haben Sie geplant? Welche Schwerpunkte wollen Sie setzen?

Ich möchte gern Programme mit großen Kontrasten: Haydn und Debussy, Beethoven und Strauss, Messiaen und Mendelssohn. Damit möchte ich die klangliche Flexibilität des Orchesters weiten.

Was liegt Ihnen davon am meisten?

Die deutsche Romantik liegt mir sehr am Herzen, aber auch der französische Impressionismus. Deshalb kommt Debussys La Mer in der kommenden Saison, eines meiner Lieblingsstücke.

Ihre nächstliegende Aufgabe sind die MeckProms on tour. Wie sieht das Programm aus?

Wir haben das Programm unter einen großen Bogen gestellt. Es geht um Spanien, um lateinamerikanische Musik, also: Spanische Nacht. Aber es sind darunter verschiedene Genres vereint. Dazu gehört die Carmen-Fantasie von Sarasate, ein Konzert von Glasunow, Ausschnitte aus der "West Side Story" von Bernstein.

Die Mezzosopranistin Nadine Weissmann und der Bariton Frank Blees werden dabei sein, auch Saxophonsolisten.

Ein festes Programm für alle Aufführungen?

Wir werden vor Ort variieren. Es ist ja ein Unterschied, ob wir morgens um 11 Uhr spielen wie in Wismar, Ludwigslust und Klütz jeweils am Sonntag, oder ob wir abends um 21 Uhr spielen wie zur Eröffnung auf der Schwimmenden Wiese im Schlossgarten Schwerin am 3. Juli. Die Auswahl der Spielstätten nutzt die bewährten Aufführungen der vergangenen Jahre, jeder Spielort hat seinen ganz eigenen Reiz.

Was wollen die MeckProms beim Publikum erreichen?

Wir kommen mit dieser Reihe zu den Orten, wo die Zuhörer zu Hause sind und die sie mögen. Und wir möchten auf unterhaltsame Weise Interesse wecken für Musik, auch für klassische Musik. Nebenbei möchten wir klarmachen: Leute, wir sind euer Orchester. Es lohnt sich, zu uns zu stehen!


MeckProms 2012: Eröffnungskonzert am Dienstag, den 3. Juli 2012 um 21 Uhr Schlossgarten Schwerin, Schwimmende Wiese:

Wismar, Fürstenhof, 8. Juli, 11 Uhr

Mirow, Schlosspark, 10. Juli, 20 Uhr

Ludwigslust, Schlosspark,15. Juli, 11 Uhr

Güstrow, Schloss, 17. Juli, 20 Uhr

Klütz, Schloss Bothmer, 22. Juli 11 Uhr

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