Gewaltin den eigenen vier Wänden : Letzter Ausweg Frauenhaus in MV

Zu Ursula Dippold ins AWO-Frauenhaus Ludwigslust kommen jedes Jahr zwischen 25 bis 30 Frauen, die durch Partner körperliche Gewalt erleiden müssen.
Zu Ursula Dippold ins AWO-Frauenhaus Ludwigslust kommen jedes Jahr zwischen 25 bis 30 Frauen, die durch Partner körperliche Gewalt erleiden müssen.

Frauenhäuser sind oft die letzte Rettung. Frauen flüchten vor prügelnden Partnern, vor sexueller Gewalt oder psychischem Terror in den eigenen Wänden. Im Durchschnitt geschieht dies aber erst nach sieben langen Jahren.

svz.de von
25. März 2013, 11:13 Uhr

Schwerin | Für Frauen in Not sind Frauenhäuser oft die letzte Rettung. Sie flüchten vor prügelnden Partnern, vor sexueller Gewalt oder psychischem Terror in den eigenen vier Wänden. "Das Erschreckende ist: Es werden nicht weniger Frauen", sagte die Leiterin des Frauenhauses Ludwigslust, Ursula Dippold. Seit 18 Jahren besteht das AWO-Frauenhaus. Ganz schlimm sei es für sie, wenn junge Frauen kämen und fragten: "Kennen Sie mich noch? Ich war schon mal mit Mama hier." Etwa 30 Frauen und ebensoviele Kinder hätten im vorigen Jahr im Frauenhaus Zuflucht gefunden. Rund 60 seien in ambulanter Beratung.

Laut Statistik des Sozialministeriums wurden im Jahr 2011 - neuere Zahlen liegen nicht vor - in den landesweit neun Frauenhäusern 362 Frauen aufgenommen. Im ersten Halbjahr 2012 waren es nach Angaben der Koordinierungsstelle Cora in Rostock 146 Frauen mit 108 Kindern. Die Polizei wurde nach Angaben des Innenministeriums 2011 zu 1412 Einsätzen wegen häuslicher Gewalt gerufen. Seit 2005 stieg die Zahl der Einsätze deutlich an - von 1002 auf 1681 im Jahr 2009. 2010/11 pendelte sie sich bei etwas über 1400 ein, sagte Ministeriumsmitarbeiter Andreas Peters. 2011 waren in mehr als der Hälfte der Fälle auch Kinder und Jugendliche betroffen. Die meisten Frauen sind zwischen 25 und 40 Jahre alt, sagte Susanne Friedrich, Sozialpädagogin am Frauenhaus Neubrandenburg und derzeit Sprecherin der Landesarbeitsgemeinschaft der Frauenhäuser. Die jungen Frauen kämen oft mit kleinen Kindern.

Laut Statistik erdulden Frauen im Durchschnitt sieben Jahre lang die Gewalt von Männern, bevor sie ausbrechen, berichtete sie. "Je intelligenter eine Frau ist und je mehr sie im öffentlichen Leben steht, desto länger harrt sie aus." Gewalt gegen Frauen ziehe sich durch alle Schichten. Habe eine Frau sich durchgerungen, Hilfe zu suchen, könne sie sich an die Frauenhäuser und die Beratungsstellen wenden, die es in jedem Landkreis gebe. Beraterinnen kommen auf Bitten auch nach Hause oder zu einem neutralen Treffpunkt, sagt Ursula Dippold. Entscheidet sich eine Frau für das Frauenhaus, muss oft erst einmal der Lebensunterhalt geklärt werden. Sie erhält Hilfe zum Beispiel beim Antrag auf Hartz IV sowie rechtliche Beratung. Weiter sei es wichtig, den Frauen bewusst zu machen, dass der Täter schuld ist und nicht sie.

Laut Konzept sollen Frauen maximal ein Jahr im Frauenhaus bleiben. Friedrich zufolge bleiben sie in der Regel zwei bis drei Monate. Oft suchen sie sich in der Zeit eine eigene Wohnung und einen Job, um neu anzufangen. Ein Misserfolg sei es, wenn sie in die unveränderte Beziehung zurückgingen; ein Erfolg, wenn der Mann zur Einsicht käme und eine Beratungsstelle für Männer aufsuche.

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