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Elbehochwasser : Letzte Arbeiten bei Oma Kober

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Ein Jahr, nachdem ihr Häuschen unter Wasser stand, hat die Familie für ihre Elfriede in Bälow ein neues Kleinod geschaffen

von
erstellt am 06.Jun.2014 | 11:44 Uhr

Das Hämmern, das hinter dem kleinen Häuschen am Ortseingang von Bälow zu hören ist, lässt keinen Zweifel daran, dass die Bauarbeiten bei Elfriede Kober noch immer nicht beendet sind. Dennoch gibt es für die rüstige 75-Jährige Grund genug zum Lachen. „Die Zeitung, kommen Sie rein“, sagt sie und ist ehrlich gerührt, als unsere Redaktion sie fast auf den Tag genau ein Jahr nachdem sich das Wasser der Elbe unaufhaltsam seinen Weg in ihr Zuhause bahnt, besucht.

„Schauen Sie sich um, es ist alles schön neu gemacht, dank Ihrer Hilfe.“ Genauer gesagt, dank der Hilfe unserer Leser, die im Rahmen unserer Fluthilfe-Aktion mehr als 90 000 Euro spendeten. 35000 Euro erhielt Elfriede Kober, in deren Haus das Wasser 40 Zentimeter hoch stand, die Bausubstanz schädigte und nahezu den gesamten Hausrat zerstörte. „Mit meiner kleinen Rente hätte ich die Renovierung niemals bezahlen können, deshalb danke ich allen Spendern von Herzen.“

Wenn sich Elfriede Kober heute an die Stunden erinnert, in denen das Wasser unaufhaltsam stieg, erst ihren liebevoll gepflegten Garten und schließlich ihr Haus unter Wasser setzte, steigen ihr die Tränen in die Augen. Kurz hält sie inne, fängt sich dann aber schnell wieder. „Ich hätte nicht gedacht, dass ich so was in meinem Alter nochmal durchstehe, 2002 hat mir völlig gereicht.“ Auch 2006 habe das Wasser im Garten gestanden, das Haus bliebt da aber verschont.

Ihre Familie habe sie immer wieder aufgebaut. „Mein Schwiegersohn Uli hat immer gesagt, ,Mutti, wir schaffen das‘. Und wir haben es geschafft.“ Fast alle Arbeiten hat Uli mit Unterstützung der Familie selber erledigt. Für den gelernten Maurer kein Problem. Aktuell pflastert er die Terrasse. „Eigentlich hätte die Einzugsfeier schon lange stattfinden sollen, aber es dauert eben alles seine Zeit“, sagt der erfahrene Handwerker, der zur Zeit des Hochwassers mit einem Bandscheibenvorfall im Krankenhaus lag. „Damals konnte ich nicht helfen, aber kaum aus dem Krankenhaus ’raus und halbwegs genesen, haben wir hier angepackt.“

Schwiegersohn Uli, Tochter Ute, die Enkel Sebastian, Jessica und Philipp und viele Freunde und Nachbarn – sie alle halfen, damit Elfriede Kober in ihr Haus zurückkehren konnte. Um Handwerkerkosten zu sparen, überließen sie nur einen Teil der Arbeiten wie beispielsweise die Installation der Heizung Fachfirmen. Malern, Putzen, Mauern – alles Eigenleistung. Am 1. März war es schließlich so weit, die Renovierung abgeschlossen, neue Möbel angeschafft und aufgebaut, alles bereit für den Einzug. „Nur außenrum gibt es eben noch einiges zu tun“, sagt Schwiegersohn Uli. Neben der halbfertigen Terrasse müsse noch Strom in den Schuppen gelegt werden, einige Fachwerkfelder seien auszumauern und kleinere Schönheitsfehler zu beseitigen. „Wenn man auswärts arbeitet bleibt leider nur wenig Zeit.“

Um den Garten hat sich Elfriede Kober selbst gekümmert. „Das macht mir großen Spaß, da gehe ich auf, und so lange die Gesundheit mitspielt, will ich das auch noch machen“, sagt sie zufrieden und blickt auf die Blumen, die wieder überall sprießen, nachdem sie vor einem Jahr knöcheltief im Wasser standen. Einzig die Neider trüben die Freude über das wiedergewonnene Zuhause etwas. „Aber damit muss ich wohl zu leben lernen“, lautet ihr Fazit.

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