Nach Fischsterben in Peene : Leitungsleck in Zuckerfabrik gefunden

<p>Zuckerwerk Anklam</p>
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Zuckerwerk Anklam

Ein geöffneter Hahn hat im Anklamer Zuckerwerk offenbar große Mengen Ethanol in die Kanalisation und weiter in die Peene fließen lassen. Somit scheint die Ursache des großen Fischsterbens geklärt. Erste Laboruntersuchungen sprechen dafür.

svz.de von
02. September 2015, 20:45 Uhr

Nach dem Fischsterben in der Peene ist das Leck im Rohrleitungssystem der Anklamer Zuckerfabrik, durch das umweltgefährdende Stoffe ausgeflossen sind, offenbar gefunden. Der Produktionsleiter der Tochterfirma für Bioethanol habe eine geöffnete Revisionsleitung im Tanklager festgestellt. Ein Hahn habe offen gestanden und ein zur Sicherung vorhandener Deckel sei entfernt gewesen, teilte das Unternehmen am Mittwoch mit. Polizei und Staatsanwaltschaft seien darüber informiert worden, sie ermitteln.

Das Leitungssystem des Bioethanol-Tanklagers sei seit 2008 in Betrieb und Ende August der vorgeschriebenen Sicherheitsüberprüfung unterzogen worden. Unklar sei, wieso die Sicherheitsarmatur nicht verschlossen war. Dadurch sei der geschlossene Charakter des Rohrleitungssystems nicht mehr gewährleistet gewesen und Bioethanol in das Regenwassersystem gelangt. Ein vereidigter Gutachter habe dies inzwischen auch bestätigt. Dessen Stellungnahme sei an Genehmigungsbehörde und Staatsanwaltschaft weitergeleitet worden. Das  geschlossene Rohrleitungssystem sei „wieder in den vorschriftsmäßigen Zustand versetzt“ worden, hieß es.

Unterdessen verdichten sich die Indizien, dass Ethanol-Einleitungen für das massenhafte Fischsterben in der Peene und deren Zufluss verantwortlich waren. Laboruntersuchungen zufolge, die ein ortsansässiges Tourismusunternehmen in Auftrag gegeben hatte, wurden an der Einleitstelle Konzentrationen der für Fische giftigen Substanz von 20 Prozent registriert. „Schon bei 8 Gramm Ethanol pro Liter werden Fische direkt vergiftet. Hier haben wir 200 Gramm pro Liter Peenewasser gemessen“, zitierten die Auftraggeber den Laborleiter aus Greifswald. Ein Teil der Fische sei folglich direkt vergiftet worden, andere seien an Sauerstoffmangel in Folge des Ethanol-Eintrags verendet.

Noch sei unklar, welche Menge des giftigen Stoffes bisher in den Fluss gelangte. „Wir vermuten, dass es mehrere Hundert Kubikmeter sind, aber es können auch Tausend sein. Zumal das Fischsterben weitergeht“, erklärte Carsten Enke, der nach eigenen Angaben die Einleitstelle zusammen mit einem weiteren Bürger entdeckt hatte.

Nach Angaben der Naturparkverwaltung „Flusslandschaft Peenetal“ ist der Fluss auf mehreren Kilometer betroffen. Neben unzähligen Hechten, Zandern und Barschen seien auch Aale verendet.

Für die genaue Ursachensuche hat die Neubrandenburger Staatsanwaltschaft nach eigenen Angaben auch drei Gutachten in Auftrag gegeben. Nun gelte es, die Ergebnisse abzuwarten, sagte Oberstaatsanwalt Gerd Zeisler am Mittwoch. So würden Spezialisten in Greifswald Wasserproben, Toxikologen in Rostock tote Fische und weitere Experten die technischen Anlagen in Anklam unter die Lupe nehmen. Die Behörde ermittelt wegen des Verdachts der Gewässerverunreinigung.

Nach Angaben der Polizei wurde die Sperrung einer Straße nahe der Zuckerfabrik, wo noch am Dienstag eine brennbare Flüssigkeit ausgetreten war, wieder aufgehoben. Sechs Menschen, die ihre Häuser verlassen mussten, konnten wieder zurückkehren.

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