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Nordic Yards mit dickstem Auftragspolster : Leiharbeiter bedrängen Schiffbauer

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Vier Jahre nach der Pleite der einstigen Wadan-Werften verfügen die Schiffbaubetriebe in Wismar und Warnemünde über das dickste Auftragspolster im deutschen Seeschiffbau.

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erstellt am 18.Sep.2013 | 06:54 Uhr

Rostock | Dicke Orderbücher im Nordic-Dock: Vier Jahre nach der Pleite der einstigen Wadan-Werften verfügen die Schiffbaubetriebe in Wismar und Warnemünde über das dickste Auftragspolster im deutschen Seeschiffbau. Die Nordic-Werften des russischen Eigner Witali Jussufow haben einen Auftragsvorlauf von derzeit 51 Monaten - fast dreimal soviel im Durchschnitt der anderen Werften an Nord- und Ostsee, geht aus der gestern vorgestellten Schiffbauumfrage der IG Metall, der Uni Bremen und der Agentur für Struktur- und Personalentwicklung (AgS) unter 39 Betriebsräten der Schiffbauindustrie hervor.

Damit steht Nordic deutlich besser da als die Branche: Während sich die Auftragssituation für die deutschen Werften im Vergleich zum Vorjahr verschlechtert habe, verfüge Nordic über Arbeit für vier Jahre. Der letzte Schiff im Auftragsbuch wird der Analyse zufolge 2017 abgeliefert. In der Neptunwerft Rostock reichen die Aufträge hingegen nur noch für sieben Monate, heißt es in der Umfrage.

Flaute auf anderen Werften: Kein einziger neuer Bauauftrag für Containerschiffe oder Spezialfrachter, überschaubare Ordereingänge für Frachter oder Tanker - "die Werften befinden sich nach wie vor in einem schwierigen Fahrwasser", meinte IG-Metall-Bezirksleiter Meinhard Geiken gestern bei der Vorstellung der Studie. Die Branche leidet nach wie vor unter einem schwachen Auftragseingang. "Die Werften leben von der Substanz", sagte er: "Sie brauchen dringend neue Aufträge, um die Auslastung für die nächsten Jahre zu sichern."

Spezialschiffbauer können hingegen gelassener ins Orderbuch sehen: Neue Luxusliner für die Meyerwerft, eine 72 Meter lange Megayacht für die Werft Abeking & Rasmussen in Lemwerder bei Bremen, zehn neue Flusskreuzfahrer für die Neptun-Werft Rostock - der Kreuzfahrtsektor habe die Krise nahezu unbeschadet überstanden, heißt es in der Umfrage. Zwar ist bei den Schiffbauern, die in Offshore-Anlagen einen Ersatz für den schwächelnden Stand ardschiffbau sahen, Ernüchterung eingekehrt. Zumindest aber war ein leichter Zuwachs an Aufträge zu verzeichnen. Auch die Nor dic-Werften in Wismar und Warnemünde legten zu: Werfteigner Jussufow holte eine vierte Konverter-Plattform ins Auftragsbuch. "Wir gehen nach wie vor davon aus, dass sich der Offshore-Bereich ausweiten wird", erklärte Geiken - die Frage sei nur, ob mit oder ohne den deutschen Schiffbau. In der gesamten Wertschöpfungskette im Offshore-Bereich seien mindestens 25 000 Menschen beschäftigt. "Von der neuen Bundesregierung erwarten wir noch in diesem Jahr verlässliche gesetzliche Grundlagen, damit sich die Milliardeninvestitionen nicht weiter verzögern", forderte Geiken.

Unruhige Zeiten für Schiffbauer: Die nur wenigen Auftragseingänge in der Branche haben indes die Jobchancen nach leichten Zuwächsen im vergangenen Jahr in den letzten zwölf Monaten wieder verschlechtert. Mit insgesamt 15 805 Mitarbeiter ist der Personalstand auf den Werften auf den niedrigsten Stand seit 1990 gefallen, heißt es in der Umfrage. Während auf 18 Werften 623 neue Jobs geschaffen wurden, setzten 18 andere Werften 1670 Schiffbauer auf die Straße. Vor allem die Pleite der Volkswerft Stralsund und der Peenewerft in Wolgast sowie die Krise bei der Sitas-Werft belasteten den Jobmarkt - an den drei Standorten gingen der Umfrage zufolge allein 1447 Arbeitsplätze verloren.

Doch auch auf die verbleibenden Schiffbauer wächst der Druck: So greifen die Werfteigner immer öfter auf externes Personal zurück und lassen Leiharbeiter und Werkvertragsarbeitnehmer ins Dock. Neben den 15 800 Stammbeschäftigten sind in der Branche 2800 Leiharbeiter und mehr als 7100 Beschäftigte mit Werkverträgen angestellt. "Mit einem Anteil von fast 30 Prozent haben Werkverträge einen erschreckend hohen Anteil an der Gesamtbeschäftigung", kritisierte IG-Metall-Bezirkschef Geiken.

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