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Mecklenburg-Vorpommern : Leiharbeit: Lohndumping oder lohnenswert?

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Leiharbeit ist in MV kaum ein Thema: Im Januar 2013 waren in Mecklenburg-Vorpommern lediglich 9200 Zeitarbeiter im Einsatz. Die Linkspartei im Landtag will die Missstände bekämpfen, die die Arbeitgeber nicht sehen.

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erstellt am 26.Apr.2013 | 12:55 Uhr

Schwerin | Leiharbeit ist in MV kaum ein Thema: Im Januar 2013 waren in Mecklenburg-Vorpommern lediglich 9200 Zeitarbeiter im Einsatz. Das waren gut zehn Prozent weniger als zwei Jahre zuvor, so Horst Schmidt von der Arbeitsagentur Nord in Kiel, und entspricht rund 1,8 Prozent der Arbeitnehmer insgesamt. Bundesweit liegt der Anteil der Leiharbeiter bei 2,5 Prozent.

Der Grund: In Mecklenburg-Vorpommern sei wenig verarbeitende Industrie, ein klassisches Einsatzgebiet für Leiharbeiter, vorhanden. Auch würden kleine und mittlere Unternehmen, wie sie im Nordosten überwiegen, seltener als Großbetriebe Leiharbeiter beschäftigen. Hotels und Gaststätten sowie die Landwirtschaft hingegen beschäftigen gegebenenfalls Minijobber oder stellen Zusatzpersonal selbst für befristete Zeiträume ein, so Schmidt. Die These, mit Leiharbeitern würden andere feste Jobs verdrängt, stimme laut einer Studie der Bundesagentur für Arbeit nur begrenzt. Schließlich würde Leiharbeit auch viele Arbeitsmöglichkeiten schaffen, die es sonst nicht gebe.

Dennoch bleibt die Linkspartei im Land dabei: Leiharbeit werde häufig genutzt, um Stammarbeitsplätze zu streichen und die Arbeit von schlechter bezahlten Leiharbeitern verrichten zu lassen, behauptet Landtagsfraktionschef Helmut Holter. Dieser Missbrauch müsse beendet werden. "Lohndumping" durch Leiharbeit müsse unterbunden werden, so die Linke in einem Antrag, der heute im Landtag diskutiert wird. Darum müsse der Einsatz von Leiharbeitern im selben Betrieb wieder auf wenige Monate begrenzt werden. Außerdem sollten sie bessere Chancen bekommen, in die Stammbelegschaften übernommen zu werden.

Leiharbeiter verdienen laut Linkspartei häufig nur die Hälfte vom mittleren Bruttolohn deutscher Arbeitnehmer. Bis zu 15 Prozent der Leiharbeiter mussten zusätzlich Hartz IV beantragen, so eine Studie des Deutschen Gewerkschaftsbundes. Der Staat subventioniere die Verleihbranche "wie keine andere". Darum will die Linkspartei Leiharbeit auf den Zweck beschränken, Zusatzkräfte für kurze Zeit anzustellen, um Auftragsspitzen abzuarbeiten.

Die Arbeitgeberverbände bestreiten den Missbrauchsvorwurf, zumal in Mecklenburg-Vorpommern die sowieso geringe Zahl der Leiharbeiter seit 2011 weiter gesunken ist. Jens Matschenz, Sprecher der Vereinigung der Unternehmensverbände in MV, hält auch den Vergleich der Leiharbeiterlöhne mit dem Durchschnittslohn für wackelig. "Ein Drittel der Leiharbeiter in Mecklenburg-Vorpommern sind Hilfsarbeiter. Sie arbeiten etwa im Transport oder im Lager oder als Schlosser." Zudem sei Leiharbeit für viele Betroffene eine Brücke in den Arbeitsmarkt. "Zwei Drittel waren vorher arbeitslos." Inzwischen hätten zumindest gut qualifizierte Leiharbeiter bessere Chancen auf einen festen Job, da in vielen Betrieben die Facharbeiter fehlen. Matschenz: "Wenn Personal aufgestockt wird, nehmen Arbeitgeber lieber eingearbeitete Kollegen."

Peter Haas vom Metall-Arbeitgeberverband Nordmetall sagte, sein Verband halte nichts von solchen Unternehmern, die Leiharbeit missbrauchen, um fest angestellte Mitarbeiter auf Dauer durch preiswerteres Personal zu ersetzen. "Die nehmen wir ins Gespräch." Beim Lohn könnten Leiharbeiter aber nicht mit Festangestellten verglichen werden. Überwiegend würden Leiharbeiter in Bereichen beschäftigt, in denen es keine vergleichbare Stammbelegschaft gebe.

Gleichwohl bekommen Leiharbeiter in Metall- und Elektrobetrieben und in der Chemiebranche inzwischen Branchenzuschläge. Damit werde die "empfundene Lohnungerechtigkeit" beim Einsatz von Zeitarbeit abgebaut, heißt es in einer Mitteilung des Interessenverbandes Deutscher Zeitarbeitsunternehmen.

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