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Mecklenburg-Vorpommern

11. Dezember 2017 | 06:30 Uhr

Neubrandenburg : Leichenteile im Tollensesee

vom

Nach dem Fund von Leichenteilen im Tollensesee ermittelt die Staatsanwaltschaft jetzt wegen Mordes. „Wir müssen von einem Tötungsverbrechen an einer Frau ausgehen“, sagte der Oberstaatsanwalt.

svz.de von
erstellt am 02.Jan.2012 | 07:31 Uhr

Neubrandenburg | Grauer Himmel, grauer See, Tatortstimmung. Jetzt schnüffelt auch Zwergschnauzer Arnold nicht mehr im Dickicht am Tollenseseeufer herum. Normalerweise verschwindet der kleine Hund häufig im Gebüsch der Strandpromenade zwischen Augustabad und Wassersportzentrum. Normalerweise geht Gisela Dittmann mit ihm hier täglich Gassi. "Auch im Dunkeln", sagt die 58-Jährige. In Zukunft will sich die Hundebesitzerin das allerdings überlegen und ist zugleich froh, dass ihr Hund in den vergangenen Tagen nichts aufgespürt hat.

Denn einen grausigen Fund machten Angler am Neujahrstag dort am Ostufer des etwa elf Kilometer langen Sees: In der Nähe des Wassersportzentrums fanden sie Teile einer Frauenleiche, die Fundorte lagen etwa 100 Meter auseinander, informierte am Montag der Neubrandenburger Oberstaatsanwalt Gerd Zeisler. Kurz zuvor soll auch ein Passant am gegenüberliegenden Strand in Broda unterhalb des Restaurants "Seeperle" erste Teile einer Leiche entdeckt hatte.

Doch das sollten nicht die einzigen Funde bleiben: Gestern durchkämmten einheimische Kriminaltechniker und Schweriner Bereitschaftspolizisten systematisch den Uferstreifen rund um Augustabad und Wassersportzentrum auf einer Länge von mehr als einem Kilometer. Zusätzlich suchten fünf Taucher sowie die Besatzung eines Schlauchbootes mit Spürhund im Wasser nach Körperteilen. Gefunden wurde ein weiteres Leichenteil sowie etwas Textiles. Ob letzteres allerdings mit dem Opfer in Zusammenhang gebracht werden kann, klärt derzeit die Kriminaltechnik.

Fest steht bislang, dass es sich bei dem Opfer wohl um eine Frau im Alter zwischen 25 und 55 Jahren handelt. Nach der Tötung wurde sie vermutlich zerstückelt und von dem oder den Unbekannten in den See geworfen, so die Neubrandenburger Staatsanwaltschaft, bei der die Ermittlungen bislang liegen. "Wir schätzen, dass die Körperteile maximal fünf Tage im Wasser lagen", sagt Oberstaatsanwalt Gerd Zeisler. Geschehen sei das Verbrechen demnach in der Zeit nach Weihnachten. Nach Erkenntnissen der rechtsmedizinischen Untersuchung der Leichenteile sowie der weit auseinanderliegenden Fundorte gehen die Ermittler von einem Tötungsverbrechen aus, ermittelt wird wegen Mordes. Nähere Details zu den Funden wollte der Oberstaatsanwalt indes nicht machen. Dies sei Täterwissen und könne möglicherweise den Ermittlungen sowie der späteren Beweisführung schaden. Lokal beschränkt könne das Verbrechen nicht sein, sagt Oberstaatsanwalt Zeisler. Denn aktuell wird in der Region nur ein 14-jähriges Mädchen, nicht aber eine Frau des vermuteten Alters. Geprüft werden deshalb jetzt die Vermisstenanzeigen im ganzen Bundesgebiet. "Wir können nichts ausschließen", so der Oberstaatsanwalt. Die Ermittler stehen am Anfang ihrer Untersuchungen. Erste Zeugenbefragungen seien im Gang, doch gleichzeitig bittet Gerd Zeisler die Bevölkerung um Mithilfe. Melden sollen sich Bürger, denen etwas Auffälliges rund um sowie auf dem Tollensesee aufgefallen ist. Doch auch wer eine Frau kennt, die er vielleicht seit Weihnachten nicht mehr gesehen hat, oder wem der überquellende Briefkasten einer alleinstehende Nachbarin auffalle, solle sich melden. Hinweise nimmt die Neubrandenburger Polizeileitstelle unter der Telefonnummer 0395 5582 2224 entgegen.


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