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Mecklenburg-Vorpommern

24. September 2017 | 08:52 Uhr

Leibniz-Institute stocken auf

vom

svz.de von
erstellt am 11.Jun.2013 | 09:07 Uhr

Schwerin | Zuwachs in der Spitzenforschung an der Küste: Die Gemeinschaft der fünf Leibniz-Institute in MV wird größer. Noch in diesem Jahr wollen die fünf Häuser zusammen mit der Universität Rostock das WissenschaftsCampus Rostock aufbauen und Strategien zur besseren Nutzung des lebensnotwendigen, aber knapper werdenden Rohstoffs Phosphor entwickeln, teilte die Leibniz-Gesellschaft auf Anfrage unserer Zeitung mit. Die Leibniz-Gesellschaft werde den WissenschaftsCampus einmalig mit 150 000 Euro unterstützen, kündigte Sprecher Christoph Herbort-von Loeper gestern an. Den Großteil der Forschungsgelder steuerten die Institute in MV bei, auch das Land solle sich beteiligen. Darüber werde derzeit verhandelt, teilte das Bildungsministerium gestern mit. Es werde "gemeinsam ressortübergreifend an einer Lösung gearbeitet", erklärte Bildungsminister Mathias Brodkorb (SPD).

Die Erwartungen sind groß: "Der PhosphorCampus ist ein hochkarätiges zukunftsweisendes Projekt der Universität Rostock und der Leibniz-Institute Nordost", bestätigt Uni-Sprecher Ulli Ben Vetter entsprechende Pläne. Phosphor sei einer der Grundbestandteile für alle Lebensprozesse, erklärte Prof. Peter Leinweber von der Agrar- und Umweltwissenschaftlichen Fakultät der Uni Rostock gestern: "Ohne Phosphor kann kein Lebewesen existieren." Steht das Element nicht mehr zur Verfügung droht Wissenschaftler zufolge eine dramatische Nahrungsmittelkrise. Denn Phosphor sei einer der Hauptbestandteile der Düngemittel. Allerdings drohe der Rohstoff schon in wenigen Jahrzehnten zur Mangelware zu werden - Schätzungen zufolge sind die Quellen in 30 bis 50 Jahren erschöpft. "Noch vor dem Erdöl ist Schluss", meinte Leinweber. Ohne Phosphor müsste die Landwirtschaft mit "dramatischen Ertragsreduzierungen" rechnen. Das Problem: Phosphor sei künstlich nicht herzustellen, meinte Leinweber. Von dem Rohstoffmangel sei die gesamte Nahrungsmittelproduktion betroffen. "Wir müssen mit Veränderungen des Lebensstils rechnen", sagte der Fachmann. Mittlerweile sei der Bedarf auf dem Weltmarkt stark gewachsen und die Preise in die Höhe geschossen. Zudem habe der starke Phosphor-Einsatz inzwischen die Gewässerqualität beein trächtigt. Auch nehme die Qualität der Phosphate weiter ab. Die meisten Vorkommen seien mit Cadmium und anderen teils radioaktiven Schwermetallen belastet, sagte Leinweber: "So gelangen zunehmend Schadstoffe in den Boden." Forscher aus MV sollen in den kommenden Jahren Auswege aufzeigen: Künftig müssten Recylingstrategien und geschlossene Kreisläufe entwickelt werden, sagte Leinweber.

Mit dem PhosphorCampus holt MV eine der wichtigsten Forschungsrichtung der kommenden Jahre ins Land. In den vergangenen 20 Jahren hätten sich die fünf Leibniz-Insitute für Atmosphärenphysik in Kühlungsborn, für Katalyse in Rostock, für Nutztierbiologie in Dummerstorf, für Ostseeforschung in Warnemünde und für Plasmaforschung und Technologie e.V. in Greifswald zu "Flaggschiffen der außeruniversitären Spitzenforschung" in MV entwickelt, hatte Prof. Franz-Josef Lübken, Direktor des Leibniz-Instituts für Atmosphärenphysik Kühlungsborn, kürzlich erklärt. Rund 200 Millionen Euro seien seit 1992 in Neubauten und eine moderne Ausstattung der Forschungsstandorte investiert worden. Vom Jahresetat von knapp 90 Millionen Euro steuert mehr als ein Drittel das Land bei. Zudem holten die Institute mit ihren etwa 900 Mitarbeitern im vergangenen Jahr knapp 25 Millionen Euro als Drittmittel in ihre Kassen.

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