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Keine Auskunft zu Ausfall an Berufsschulen : Lehrer im Schnitt 25 Tage krank, Minister mauert

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An den Berufsschulen im Land geht nichts mehr. Jeder Lehrer ist inzwischen statistisch 25 Tage im Jahr krank. Diese Zahl hat sich seit 2005 verdoppelt. Der tatsächliche Stundenausfall summiert sich auf acht Prozent.

svz.de von
erstellt am 11.Mär.2012 | 08:06 Uhr

Schwerin | An den Berufsschulen im Land geht nichts mehr. Jeder Lehrer ist inzwischen statistisch 25 Tage im Jahr krank. Diese Zahl hat sich seit 2005 quasi verdoppelt. Der tatsächliche Stundenausfall summiert sich auf knapp acht Prozent, rechnen externe Bildungsexperten vor. Die Folge: Ein Fünftel der Prüflinge von beruflichen Schulen fällt am Ende der Lehre durch, weil sie extreme Defizite in der Theorie haben. Umfragen zufolge liegt Ausfall des Fachunterrichts in MV bei 20 Prozent, bundesweit sind es 14 Prozent.

Das sind die Zahlen aus dem vergangenen Schuljahr. Jetzt wollte die Bildungsexpertin der Linkspartei im Landtag, Simone Oldenburg, Auskunft zur aktuellen Situation, die sich schlimmert haben dürfte. Doch das Ministerium mauert. Auf eine parlamentarische Anfrage, die Oldenburg mit Ferienbeginn im Februar eingereicht hat, kam am Freitag die Antwort, der Landesregierung, unterschrieben von Bildungsstaatsskretär Sebastian Schröder (SPD) und vom Chef der Staatskanzlei, Reinhard Meyer (SPD). Darin heißt es: "Zur tatsächlichen Unterrichtsversorgung an den beruflichen Schulen im ersten Schulhalbjahr können zum jetzigen Zeitpunkt noch keine Aussagen gemacht werden... Die Verarbeitung der Daten ist noch nicht abgeschlossen."

Simone Oldenburg ist selbst bis zum Herbst Schulleiterin gewesen und mächtig sauer: "Zum ersten Ferientag müssen die Schulleiter die Statistiken zum Unterrichtsausfall an Schulämter und Ministerium liefern. Dort muss wohl Dyskalkulie herrschen. Die können die Zahlen nicht zusammenrechnen, die vor einem Monat vorgelegt wurden." Dabei gibt es im Land nur 32 öffentliche berufliche Schulen mit 1475 Lehrern.

Für Oldenburg, die wie jede Schulleiterin ihre Statistiken tagaktuell führte, ein Unding: "Wie kann das Ministerium den Schulbetrieb steuern, wenn es die Zahlen nicht kennt. Oder nicht verraten will?" Aus dem Haus von Bildungsminister Mathias Brodkorb (SPD) heißt es lapidar: "In allen Staatlichen Schulämtern wurde mit den zur Verfügung stehenden Stellen eine hundertprozentige rechnerische Unterrichtsversorgung in allen Bereichen der beruflichen Schulen erreicht." Zugleich wurden aber 2011 nach Ministeriumsangaben eine Million Euro für Vertretungsstunden ausgegeben. Für Simone Oldenburg ein Indiz, dass die vorgelegten Zahlen nicht stimmen. Schon beim Berufsschulgipfel im Januar verließ die Bildungsgewerkschaft GEW den Verhandlungstisch, weil das Ministerium mit den Zahlen mauerte.

Erst im Herbst hat der Landtag mit Hinweis auf die notwendige Unterrichtsversorgung Geld für 56 Stellen an Berufsschulen bewilligt. Damit sollen aber nur Mehrstunden der Lehrer vergütet werden. Oldenburg: "Angesichts der Krankenstände und Ausfälle brauchen wir Stellen und nicht nur zusätzlichen Stunden." Sie fordert eine rechnerische Unterrichtsversogung von 105 Prozent. Ihr Fazit: "Das Land verursacht selbst seinen Fachkräftemangel."

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