Lehrer im Land sollen sofort entlastet werden

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30. Juli 2012, 07:58 Uhr

Schwerin | Schon im kommenden Schuljahr sollen Lehrerinnen und Lehrer an allgemein bildenden und beruflichen Schulen von einigen außerunterrichtlichen Tätigkeiten entlastet werden. Das kündigte Bildungsminister Mathias Brodkorb (SPD) im Gespräch mit unserer Redaktion an.

Brodkorb wendet sich erneut gegen die von Lehrergewerkschaften immer wieder geforderte generelle Reduzierung der wöchentlichen Unterrichtsverpflichtung. Sie beträgt in Mecklenburg-Vorpommern 27,5 Stunden an der Grundschule und 27 Stunden an weiterführenden und beruflichen Schulen. "Ich werbe immer wieder dafür, zunächst die Perspektive zu verändern", sagte Brodkorb. "Lehrer sagen ja nicht, ich komme nicht damit klar, 27 Stunden zu unterrichten. Sie sagen, ich komme nicht damit klar, 27 Stunden zu unterrichten und darüber hinaus noch jede Menge anderer Arbeit zu haben." Darum konzentriere sich das Ministerium in einem ersten Schritt auf den Abbau außerunterrichtlicher Verpflichtungen.

Ein Beispiel: die Bewertung schriftlicher Abiturprüfungen. "Zu jeder Prüfungsarbeit müssen zwei schriftliche Gutachten verfasst werden", erklärt der Minister. Im Fach Mathematik ergebe sich das Endergebnis aber schon rechnerisch aus der Summe der einzelnen Punkte. Künftig sollen ausformulierte Zusammenfassungen entfallen.

Zur Diskussion stehen zudem die individuellen Förderpläne. Die wurden erst vor drei Jahren eingeführt - unter anderem vom Abgeordneten Mathias Brodkorb, der seinerzeit im Bildungsausschuss saß. Heute blickt er selbstkritisch zurück auf "eine Entscheidung in guter Motivation": "Habe ich mir damals überhaupt die Frage gestellt, was es konkret bedeutet, für jeden Schüler einen individuellen Förderplan zu erstellen? Und: Haben wir diesen Aufwand in irgendeiner Form, etwa durch Abminderungsstunden, abgefangen?" Nunmehr sei eine Schulgesetzänderung in Vorbereitung. Künftig können sich Lehrer auf Förderpläne für ausgewählte Schüler konzentrieren, etwa wenn Förderbedarf besteht oder Versetzungsgefahr droht. "Damit versuche ich auch etwas wieder gutzumachen, an dessen Zustandekommen ich nicht unbeteiligt war", so Brodkorb.

Als zweiten Schritt neben Korrekturen am außerunterrichtlichen Pensum spricht sich der Minister für eine differenzierte Diskussion der Unterrichtsverpflichtung aus. "Es gibt Bereiche im Schulsystem, wo man über Abminderungsstunden nachdenken kann." Als Beispiel nennt er die Grundschulen. Die Wochenstundenzahl von 27,5 pro Lehrer passe nicht zu der Tatsache, dass die Klassen 1 bis 4 nur 20 bis 26 Stunden Unterricht pro Woche haben, aber jeweils einen eigenen Klassenlehrer brauchen. "Daraus folgt an einigen Schulen, dass ein Lehrer zwei Klassen führen muss", sagt der Minister mit Fingerzeig auf Erkenntnisse aus seinen Kollegiumsgesprächen. "Da muss einfach etwas passieren." Die Arbeitsgruppe zur Attraktivität des Lehrerberufs werde demnächst Vorschläge unterbreiten.

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