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Lehrer fehlen, aber 230 Referendare warten auf Zusage

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erstellt am 27.Feb.2012 | 10:04 Uhr

Greifswald/Schwerin | Erneut Chaos in der Lehrerbildung: Während andere Bundesländern in der letzten Woche ihre Einstellungsbescheide für Referendare zum Einstieg in den Schuldienst für dieses Schulhalbjahr verschickten, rührt sich im Bildungsministerium in Schwerin nichts.

Lehramtsabsolventin Manuela aus Greifswald kann ein Klagelied davon singen. Sie hat im Dezember ihr Staats examen in Deutsch und Religion mit der sehr guten Note 1,2 abgeschlossen. Gemeinsam mit ihrem Freund bewarb sie sich im Januar in Hamburg und in Mecklenburg-Vorpommern. Ihr Freund, Abschlussnote 1,1, hat die Zusage aus Hamburg bereits am Sonnabend bekommen. Manuela wartet täglich darauf. Sie würde aber viel lieber in MV bleiben. Die Crux: Während in Hamburg das Referendariat am 1. Mai beginnt, starten die Schulen in MV schon am 1. April durch. Doch in Manuelas Seminargruppe hat noch kein Einziger einen Bescheid aus dem Bildungsministerium in MV erhalten. Manuela: "Wir würde gerne beide hier bleiben. Aber Hamburg hat eine Zusagefrist von einer Woche gesetzt. Mein Freund wird jetzt in Hamburg zusagen. Ich wohl auch." Hamburg hat sich für die besten Absolventen entschieden.

Ulrike Berger, bildungspolitische Sprecherin der Bündnis-Grünen im Landtag, bringt die Trödelei im Ministerium auf die Palme: "Wir befinden uns im Wettbewerb mit anderen Bundesländern. Mecklenburg-Vorpommern gehen so die besten Referendare durch die Lappen - und damit die besten Junglehrer." Ulrike Berger fürchtet, dass Hamburg und auch Bremen schon zu Beginn des Wettbewerbs um die besten Lehrer deutlich vorne sind. Und wo die Referendare einmal ausgebildet werden, dort bleiben sie nach dem zweiten Examen auch, um so mehr, da alle anderen Bundesländer außer MV und Berlin mit Verbeamtungen locken.

230 Referendariatsstellen hat das Bildungsministerium für den 1. April ausgeschrieben. Die Bewerbungsfrist für die Einstellung in den 16-monatigen Vorbereitungsdienst für alle Lehrämter endete am 27. Januar. Für Gymnasien werden z. B. 75 Absolventen gesucht, für Grundschulen 45, für Regionalschulen 40. Insgesamt seien 447 Bewerbungen eingegangen, hieß es aus dem Bildungsministerium gestern auf Anfrage unsere Redaktion. Das Auswahlverfahren habe bereits stattgefunden. Bislang hätten die Schulämter die Bewerbungen mit den Schulen geprüft. Wörtlich heißt es: "Diese Prüfung konnte nach den Winterferien bis 24. 02. abgeschlossen werden, so dass in den kommenden Tagen sowohl die Zulassungs- als auch die Ablehnungsbescheide versandt werden." Vier Wochen vor Referendariatsbeginn!

Bildungsminister Mathias Brodkorb (SPD), der noch vor Jahresfrist seinem Vorgänger Henry Tesch (CDU) "Chaos in der Lehrerbildung" attestierte, sagte gestern: "Das ist einmal mehr der Beweis dafür, dass es nicht nur um Geld geht, sondern um kluges, schnelles und effizientes Handeln. Wir müssen unser Verfahren beschleunigen." Er will jetzt dafür sorgen, dass die Bescheide umgehend rausgehen.

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