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Mecklenburg-Vorpommern

20. November 2017 | 01:39 Uhr

Bildung : Lehrer-Buch für den Schredder

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Rückruf wegen Danks an Ex-Odenwald-Schulleiter

Vor dem Start ins neue Schuljahr hat Mecklenburg-Vorpommerns Bildungsminister Mathias Brodkorb (SPD) das an alle Lehrer als Leseempfehlung versandte Buch „Schule kann gelingen“ zurückgezogen. Das Werk der Autorin Enja Riegel enthalte auf der letzten Seite eine Danksagung an den ehemaligen Leiter der hessischen Odenwaldschule, Gerold Becker, teilte ein Sprecher des Ministeriums gestern mit. Dem verstorbenen Becker kam eine führende Rolle im Zusammenhang mit Missbrauchsfällen an Schülern zu.

Das Buch war im Auftrag des Schweriner Bildungsministeriums nachgedruckt und kurz vor den Sommerferien quasi als Urlaubslektüre unter anderem an rund 12000 Lehrer verteilt worden. Zuerst hatte NDR 1 Radio MV über den Fall berichtet.

Die teure Rückholaktion von 14 000 Büchern geht auf ein Versehen des Verlags zurück. Dieser habe vor dem Nachdruck dem Ministerium eine falsche, nicht autorisierte ältere Druckdatei des Buches zugeschickt, in dem die Danksagung noch enthalten war, wie eine Sprecherin des Fischer-Verlags sagte. Das Buch sei seit 2004 auf dem Markt. Nach Bekanntwerden des Missbrauch-Skandals sei der Dank an Becker aber gestrichen worden. Die Passage sei bereits in der siebten Auflage vom März 2011 nicht mehr enthalten. Mittlerweile gebe es neun Auflagen.

Das Schweriner Ministerium hatte den Nachdruck auf Basis einer aktuelleren Ausgabe für den Buchhandel – bereits ohne Danksagung – in Auftrag gegeben und daher jetzt die falsch übermittelte digitale Textfahne von 2004 nicht noch einmal bis zur letzten Seite überprüft.

„Das Ministerium trifft keine Schuld, der Verlag übernimmt die Verantwortung“, sagte Sprecherin Heidi Borhau. Daher trage der Verlag auch alle Kosten in Höhe von 26 400 Euro. „Ein solcher Fehler ist dem Verlag seit mindestens 20 Jahren nicht passiert“, bedauerte die Sprecherin.

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