Lupinen : Leckere Alternative zur Kuhmilch

Landwirt Martin Hass baut auf Usedom Lupinen an.
Landwirt Martin Hass baut auf Usedom Lupinen an.

Im Nordosten wird Eiweiß für die menschliche Ernährung aus Lupinen gewonnen

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06. Januar 2020, 12:00 Uhr

Der Markt bietet immer mehr pflanzliche Alternativen zu Milch und Milchprodukten: Es gibt Ersatz aus Mandeln, Soja, Hanf, Hafer und Dinkel, aus Reis und sogar aus Erbsen und Lupinen. Lupinen seien besonders vielversprechend. „Sie enthalten mehr Eiweiß als Erbsen und Soja“, sagt der Sprecher der Prolupin GmbH in Grimmen, Ulf Jansen, der auch für Produktion und Logistik zuständig ist.

Lupinen für Landwirte ein Nischenprodukt

Lupinen wachsen in Deutschland, sind genügsam und tragen sogar zur Bodenverbesserung bei, wie Landwirt Martin Hass in Mölschow auf Usedom erläutert. Trotzdem sind Lupinen für Landwirte ein Nischenprodukt und gehen überwiegend ins Futter. Sie verdienen zu wenig an der Lupinensaat. Man müsse die Ersparnis an Dünger im Folgejahr mit berücksichtigen und sich den Anbau so schönrechnen, sagt Hass. Lupinen binden in ihren Wurzeln wesentlich mehr Stickstoff als sie verbrauchen. Der steht im Boden der nächsten Kultur zur Verfügung.

Prolupin ist einer der wenigen Verarbeiter von Süßlupinen für die menschliche Ernährung. Aus ihnen können Eis, Desserts, Milch- oder Joghurtersatz hergestellt werden. Das Unternehmen mit heute 30 Mitarbeitern in Grimmen und Bremen wurde 2010 gegründet, nachdem das Fraunhofer-Institut für Verfahrenstechnik und Verpackung (IVV) im bayerischen Freising ein Verfahren entwickelte, das Eiweiß aus den Lupinensamen zu extrahieren, wie Jansen berichtet. Eine solche Anlage wurde in Grimmen errichtet.

Weiterlesen: Lupinennetzwerk stellt die Arbeit ein - in MV geht der Anbau aber weiter

Prolupin kauft Lupinensamen bei einem der großen Agrarhandelsunternehmen in Deutschland. Wie Jansen erklärt, legt Prolupin Wert auf regionalen Anbau. Lieferverträge mit Bauern in Mecklenburg-Vorpommern gibt es aber nicht. Landwirt Hass war nicht eingestiegen, weil die geforderten Sorten nicht zu seinem Anbau passten, wie er sagt. Sie seien zu spät reif. Auch lasse sich mit der Saatgutvermehrung mehr verdienen. Nach Angaben des Agrarministeriums in Schwerin wurden 2019 von 5300 Hektar Lupinen geerntet. Damit liegt etwa ein Viertel der Anbaufläche bundesweit im Nordosten. Wegen des Herbizidverbots auf ökologischen Vorrangflächen verringert sich der Lupinenanbau seit 2017 in Deutschland wieder, nachdem er 2015 gestiegen war.

Prolupin lässt die Lupinensaat in einer Getreidemühle schälen und zu gelben Flocken – Haferflocken vergleichbar – pressen. Ein anderes Unternehmen entzieht den Flocken das Lupinenöl, sie sind nun weiß. Das Verfahren in Grimmen entzieht der Lupine die Bitterstoffe und löst schließlich das Protein von den Fasern. Das Hauptprodukt ist das Proteinisolat, dickflüssig und weiß. „96 bis 98 Prozent der Trockenmasse sind Eiweiß“, erklärt Jansen.

Prozess aufwendig und teuer

Der Prozess sei aufwendig und teuer. Ein Kilo Isolats kostet 35 Euro. Es wird an Lebensmittel- und Pharmahersteller verkauft und ist Grundstoff für Lupinen-Joghurt, Eis und Drinks. „Wir wachsen in jedem Jahr um 30 bis 50 Prozent“, sagt Jansen. Noch sind die Produkte nicht überall gelistet. „Aber wir arbeiten daran“, sagt er.

Hergestellt werden sie nicht in Grimmen, sondern in anderen Firmen in Deutschland, Österreich und der Schweiz nach Prolupin-Rezepten. Nur aus heimischen Rohstoffen sind die Produkte nicht. Um zu schmecken, muss ihnen wieder Fett zugesetzt werden. Als bester Geschmacksträger erwies sich Kokosfett. Die Lebensmittelproduktion soll eines Tages nach Grimmen wandern.

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