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Urteil in Rostock : Lebenslange Haftstrafe nach Mordversuch aus Eifersucht

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Es war eine Tat aus Eifersucht: Ein Mann wollte den neuen Freund seiner Ex-Freundin ermorden. Die Tat bei Rostock hatte im Herbst 2016 großes Aufsehen erregt. Nun wurde das Urteil gesprochen.

svz.de von
erstellt am 10.Jul.2017 | 13:07 Uhr

Für einen perfiden Mordversuch hat das Rostocker Landgericht einen 30-jährigen Mann aus der Nähe von Tessin zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt. Die Richter hatten keinen Zweifel, dass er aus krankhafter Eifersucht dem neuen Partner seiner ehemaligen Freundin eine Falle stellte und ihn mit einem Messer schwer verletzte. Es grenze an ein Wunder, dass das Opfer  mit dem Leben davon kam, so der Vorsitzende Richter Peter Goebels.

Der angeklagte gelernte Bauarbeiter schüttelte mehrfach den Kopf, als das Gericht das Urteil begründete. Er habe offenbar noch nicht begriffen, vermutete Goebels, dass sein falsches Alibi widerlegt sei.

Das Gericht hätte das „richtige Urteil gesprochen“, sagte der überfallene 28-jährige frühere Zeitsoldat, dessen Hals von zwei markanten Narben gekennzeichnet ist. Er war auf dem Weg von seiner Freundin zurück zum Dienst, als er mit seinem Wagen am 31. Oktober in der Abenddämmerung auf der Landstraße zwischen Laage und Tessin liegenblieb. Arglos bemerkte er, dass ein Auto hinter seinem Fahrzeug mit aufgeblendeten Fernlicht anhielt. Der Fahrer stieg aus und griff ihn wortlos mit einem Messer an. Erst kurz vor dem ersten Hieb erkannte er den Ex-Freund seiner Freundin. Nach dem zweiten Hieb konnte er fliehen und versteckte sich in einem Waldstück. Der Angreifer leuchtete mit den Scheinwerfern seines Autos den Waldrand aus – ohne sein Opfer zu entdecken.

Im Mittelpunkt der Tat steht eine junge Frau, mit der der Angeklagte im Herbst 2015 eine Beziehung anfing. Obwohl sie schwanger war, trennte sie sich im Winter von ihm. Den Kontakt hielt sie nur wegen des Kindes, das im Oktober 2016 zur Welt kam. Kurz vor der Messerattacke traf der 30-Jährige  auf den neuen Freund, als er seine Tochter besuchen wollte. Dabei kam es zum Streit. Der Angeklagte betrachtete die junge Frau immer noch als „sein Eigentum“.

Die Richter waren überzeugt, dass er  dem Zeitsoldaten Mehl in den Tank des  Autos kippte. Er wollte die Panne  provozieren, um eine günstige Gelegenheit für den Mordanschlag  zu schaffen. Er hatte seiner Ex-Partnerin  und deren neuen Freund nachspioniert und kannte deren Gewohnheiten.

Der Angeklagte behauptete,  während der Tatzeit eine Bekannte zum Bahnhof in Tessin gebracht zu haben. Danach sei er bei seiner Mutter in Tessin gewesen. Sein Handy war jedoch in Funkzellen in der Nähe des Tatorts registriert. Das Handy sei kaum allein unterwegs gewesen, bemerkte Richter Goebels sarkastisch.

Die Staatsanwaltschaft glaubt, dass der Bauarbeiter auch mit dem Verschwinden eines weiteren Ex-Freundes der Frau  zu  tun hat. Sie war im April 2016 zwei Wochen lang mit ihm zusammen, in denen sie liebevolle SMS bekam. Kaum war der Kronskamper verschwunden, erhielt sie wüste Beschimpfungen. Die Ermittler vermuten, dass der Vermisste diese Texte nicht selbst geschrieben hat. Im Januar 2017 suchte die Polizei auf dem Grundstück des gestern verurteilten Mannes – wenn auch erfolglos – nach einer Leiche.

Am Ende des Prozesses bleibt ein früherer Zeitsoldat, der immer noch von Albträumen geplagt wird. Und eine junge Frau, die damit klar kommen muss, dass der Vater ihrer Tochter wegen Mordversuchs im Gefängnis sitzt.

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