Legal, aber hoch gefährlich : Lebensgefahr durch legale Droge "Lava Red"

„Man weiß, dass   künstlich hergestellte  Cannabis-Wirkstoffe süchtig machen können.“ - Rainer Siedelberg, Geschäftsführer der Lakost MV
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„Man weiß, dass künstlich hergestellte Cannabis-Wirkstoffe süchtig machen können.“ - Rainer Siedelberg, Geschäftsführer der Lakost MV

Nach dem Verbot von "Spice" ist eine neue gefährliche Kräuterdroge auf dem Vormarsch - "Lava Red". Das Mittel besteht aus getrockneten pflanzlichen Stoffen, die mit einem künstlichen Cannabinoid besprüht werden.

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13. Dezember 2010, 07:39 Uhr

Schwerin | Das Mittel ist legal, aber hoch gefährlich. Nach dem Verbot von "Spice" ist eine neue Kräuterdroge auf dem Vormarsch - "Lava Red".

Das Mittel besteht aus getrockneten pflanzlichen Stoffen, die mit einem künstlichen Cannabinoid besprüht werden. Die Kräutermischung wird als "Raumduft" oder "Räucherware zum Meditieren" im Internet für zehn Euro pro Gramm angeboten. Doch was so harmlos klingt, ist nach Expertenmeinung kreuzgefährlich. "Eine Lebensbedrohung durch Herzrhythmusstörungen ist nicht auszuschließen", schätzt das Giftinformationszentrum der Länder Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen die Risiken von "Lava Red" ein und warnt: Immer öfter werden Jugendliche, die diese Kräuterdroge geraucht haben, mit schweren Kreislaufstörungen, Erbrechen bis hin zur Bewusstlosigkeit in Krankenhäuser eingeliefert. Gegenüber unserer Redaktion teilte das Zentrum mit, dass in seinem Zuständigkeitsbereich seit Juli dieses Jahres insgesamt 23 Fälle bekannt geworden sind. Davon ereigneten sich 14 Vergiftungen durch "Lava Red" in den vergangenen vier Wochen.

Rainer Siedelberg, Geschäftsführer der Landeskoordinierungsstelle für Suchtvorbeugung Mecklenburg-Vorpommern, (Lakost) warnt vor den langfristigen Folgen: "Man weiß, dass künstlich hergestellte Cannabis-Wirkstoffe süchtig machen können. Sie greifen in den Gehirnstoffwechsel ein." Vor allem für junge Menschen, deren Entwicklung noch nicht abgeschlossen ist, würden diese Stoffe ein hohes Suchtpotenzial besitzen.

Wie naiv jugendliche Konsumenten mit "Lava Red" umgehen, beweisen einschlägige Internetforen. Auf einer Seite schreibt ein Nutzer seiner Gemeinde: "Die einzige Frage, die ich mir stell, ist: ,Was ist da drin?... Hab es vor etwa 4 Stunden geraucht und bin immer noch breit ohne Ende..."

Die Wirkungsweise der Kräuterdroge erklärt der Mediziner Jens Reimer, Direktor des Zentrums für interdisziplinäre Suchtforschung der Uni Hamburg: "Die Mischung aus einem künstlichen Cannabis-Wirkstoff und pflanzlichen Stoffen wirkt auf das Gehirn. Sie verändert die Gefühlslage und das Gedächtnis." Trotzdem ist "Lava Red" legal. "Daraus ziehen Jugendliche den falschen Schluss, dass diese Droge weniger gefährlich ist", sagt Siedelberg. Die Hersteller und Vertriebsorganisationen profitieren davon, dass Substanzen so lange erlaubt sind, bis sie von Behörden identifiziert, als schädlich eingestuft und in die entsprechenden Anlagen zum Betäubungsmittelgesetz aufgenommen worden sind. Das ist im aktuellen Fall erst Ende Januar 2011 möglich.

"Das ist ein Katz-und-Maus-Spiel", erklärt Suchtexperte Siedelberg. Denn sollten die Cannabinoide in "Lava Red" erkannt und verboten werden, verändern die Hersteller einfach die chemische Formel leicht. Der dadurch legale Wirkstoff wird einer neu benannten Kräutermischung zugesetzt, die dann wieder legal verkäuflich ist.

Auch das Landeskriminalamt in Rampe bei Schwerin warnt vor einer Verharmlosung von "Lava Red". Ein Ermittlungsverfahren wie bei den Kollegen in Niedersachsen gibt es in Mecklenburg-Vorpommern allerdings noch nicht. Nachdem in der Region Hannover zwei Jugendliche in Krankenhäuser eingeliefert werden mussten, ermittelt die Polizei wegen fahrlässiger Körperverletzung.

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