Lebendige Gemälde

Lebendige Gemälde: Das Ballettensemble  gestaltete “Impressionen“ der Besinnung in der Harmonie von Klang und Bild und Tanz. Foto: Herbert Kewitz
Lebendige Gemälde: Das Ballettensemble gestaltete “Impressionen“ der Besinnung in der Harmonie von Klang und Bild und Tanz. Foto: Herbert Kewitz

Musik und Bild und Tanz und Gesang. In den "Impressionen" des Schweriner Balletts fügen sie sich zum Reigen der Gefühle. Starker Beifall bei der Premiere am Donnerstag im E-Werk.

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12. Dezember 2008, 08:05 Uhr

Die Bühne ist eine Galerie. Manet und Monet, Degas und Renoir sind zu sehen. Französische Impressionisten, die nach 1850 Zwänge, Vergnügungen und Sehnsüchte der Großstädter ins Bild setzten, auf Plätzen, in Parks, in Cafés, am Meer, natürlich im Theater, oft mit Ballett. Mit leuchtenden Farbharmonien und freiem Strich.

Figuren treten gleichsam aus dem Rahmen
Diese Vernissage wird zur Verwandlung. Figuren treten in Gestalt von Pianist und Sängern gleichsam aus ihren Rahmen. Von diesen Erscheinungen und den Motiven der Maler inspiriert, schaffen die Tänzer "lebendige Gemälde", wie Noverre, der Urvater des Aktionsballetts, es nannte. Ballett ist, wie das Malen, ein Erfindungsprozess, und das Bildnerische gehört zum Kompositionsprinzip der Choreographie, die, wie die Bildkunst, Assoziationen hervorruft.

Im Schweriner "Impressionen"-Projekt von John Lehman, wo Bilder und Akteure sensibel kommunizieren, wird diese Verwandtschaft anschaulich. Was nicht heißt, die neun Choreographen, Tänzer des Ensembles, stellten Bildwerke nach. Vielmehr verkörpern sie zu Stücken von Claude Debussy und Maurice Ravel ihre Impressionen angesichts der Impressionisten. Beachtliche Talentproben.

Zu Ballettstudien von Degas tupft Jelena-Ana Stupar klassisch schwebende Figurationen hin bis in die Fingerspitzen und auch launig-heitere Pärchenspiele. Da ist ausgelassenes Kindervergnügen, das Davina Kramer zu Renoir choreographiert, sind ihre ästhetischen Wellen-Gruppen zu Ansichten vom Meer, darunter Monet. Modern überträgt Kellymarie Sullivan erregtes Gefühl aus Lese-Bildern. Eindringlich das Tango-Paar einsamer Frauen von Milena Ballhaus und Daniela Brümmer vor Manets "Erschießung", ebenso die schwarzen Momente, die Robert Viehweg vor Totenschädeln formt. Zu Ansichten von Café-Publikum eine spöttische Szene von David Ziegler, in der Daniela Brümmer grotesk bebt.

Mit Esprit ziseliert Christian Novopavlovski, auffälliger Neuling, der auch "Winter" in Paar-Beziehungen reflektiert, als Danseur Problem-Männer wie den melancholischen Pierrot mit der Rose, eine zarte Piece von Björn Helget.

Klang-Farben tragen das Flair des Abends
Zudem setzen die Choreographinnen wie auch Veselina Handzhieva und Rustam Savrasov Solo-Lichter in der wohlpräparierten Compagnie. Und starke Reize in wechselnden Stimmungen bieten die Gesangssolisten Meike Leluschko, Frauke Willimczik, Kay-Gunter Pusch und Björn Larsson, der eine fulminante Trinkernummer hinlegt. Der Pianist Friedemann Braun ist für alle weit mehr als nur ein Begleiter, seine Klang-Farben tragen das Flair des Abends.

Ullrich Altermann hat als Kontrastfläche und für Projektionen eine weiße Bühne gebaut, Bettina Lauer schmückt sie mit Kostümphantasie. Die Impressionisten aber sind leider anonym projiziert. Der Laie darf raten, und wer alles weiß, sollte diplomiert werden. Es sind "Impressionen" der Besinnung in der Harmonie von Klang und Bild und Tanz. Französisches Parfüm.

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