Platschow : Leben mit Elefanten

Elefantenkuh „Kenia“ genießt Wellness im Schlammbad.
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Elefantenkuh „Kenia“ genießt Wellness im Schlammbad.

Die Frankellos leben mit und für ihre Elefanten. Die alte Zirkusfamilie hat sich im mecklenburgischen Platschow niedergelassen

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04. April 2017, 12:00 Uhr

Eine Holperpflaster-Straße, eine Handvoll Bauernhäuser, rund 30 Einwohner und zehn Elefantendamen – das ist Platschow in Mecklenburg-Vorpommern. Seelöwen, Dromedare, Lamas, Waschbären und Stachelschweine wohnen auch noch am Dorfplatz 2. Dort hat die Zirkusfamilie Frankello auf einem 6,8 Hektar großen Grundstück einen Mix aus Tierpark, Elefantenasyl für alte Tiere und Showarena aufgebaut.

42 000 Menschen besuchten allein im vergangenen Jahr den Elefantenhof Platschow im Landkreis Ludwigslust-Parchim, um „Kenia“, „Timba“, „Mala“ und den anderen Dickhäutern zuzuschauen. An einem sonnigen Märztag mit beinahe sommerlichen Temperaturen sieht das Elefantenleben an der Landesgrenze zu Brandenburg so aus: „Kenia“ und „Timba“ wühlen mit Füßen, Rüsseln, Stoßzähnen und ihren massigen Schädeln in einem der Wasserlöcher auf ihrem rund einen Hektar großen Wiesengehege, bewerfen sich mit Schlamm und wälzen sich im Dreck, was der Hautpflege dienen soll. Auch wenn dies harmonisch wirkt, Tierschutz-Organisationen wie Peta kritisieren immer wieder die Haltung und Dressur exotischer Tiere. Das kann Senior Sonni Frankello nicht verstehen. „Wir werden von solchen Organisationen beschimpft, wir würden die Tiere quälen und sie nur Stress und Zwang aussetzen“, sagt er und schüttelt den Kopf. Diese Elefanten seien das Leben mit Menschen von klein auf gewöhnt und arbeiteten gern. „Ohne Beschäftigung würden sie sich langweilen, schließlich sind sie nicht in freier Wildbahn und den ganzen Tag mit der Suche nach Futter und Wasser befasst.“ Auch deshalb habe er den Elefantenhof 2005 aufgebaut: „Wir trainieren öffentlich mit den Tieren, wir beweisen täglich, dass die Vorwürfe nicht stimmen.“ Und er wolle den Menschen und vor allem den Kindern die Chance geben, Elefanten aus nächster Nähe zu betrachten, sie zu berühren, auf ihnen zu reiten. „Nur was man kennt, wird man schützen“, ist Sonni Frankello überzeugt.

Auf der Wiese nebenan wird gearbeitet: Frankellos ältester Sohn Erwin (32) dirigiert „Sandra“ und „Citta“ vor der Kamera. Der Berliner Rapper Liquit Walker dreht ein Video zu seinem neuesten Song. Auch Musiker Jan Delay hat schon einen Videoclip mit einem Elefanten aus Platschow gedreht. Autistische Kinder kommen zur Elefantentherapie, reiten auf den Tieren und lassen sich mit dem Rüssel umschlingen.

Die Zirkusfamilie Frankello ist 1999 in Platschow sesshaft geworden. Nur im Winter geben sie mit ihren Tieren Zirkus-Gastspiele. „Die Faszination des Publikums für Elefanten ist nach wie vor groß“, sagt Sonni Frankello, der auch Vorsitzender des Berufsverbandes der Tierlehrer in Deutschland ist. Die Darbietungen hätten sich in den letzten Jahrzehnten aber gewandelt. Die Hochleistungsdressuren aus früheren Zeiten gebe es fast gar nicht mehr. „Heute geht es um die Mensch-Tier-Beziehung, um die Faszination der Gegensätze, wenn etwa sehr große Tiere mit etwas sehr Kleinem umgehen, oder auch um Komik.“

Auszeichnungen zeugen von der Qualität der Platschower Dressuren. Beim diesjährigen Zirkusfestival von Monte Carlo im Januar gewann Erwin Frankello den „Silbernen Clown“ sowie den Publikumspreis und den Preis der Kinderjury. Er war mit einer Elefanten- und einer Seelöwen-Dressur in das Fürstentum gereist. Das Programm ist demnächst in Mecklenburg zu sehen. Am Sonnabend beginnt die Saison auf dem Elefantenhof mit täglichen Shows.

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