Prozess in Schwerin : Leasingfirmen abgezockt: Betrüger verurteilt

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Leasingfirmen geschädigt. Richter kritisiert einen Verteidiger

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01. Februar 2018, 20:45 Uhr

Wegen Betruges hat das Landgericht Schwerin einen 44-jährigen Geschäftsmann aus der Nähe von Wittenburg zu zwei Jahren und sechs Monaten Gefängnis verurteilt. Gegen einen Geschäftspartner verhängte das Gericht ein Jahr und vier Monate auf Bewährung. Zwei weitere Angeklagte kamen mit Geldstrafen in Höhe von 5400 Euro und 6000 Euro davon. Ein Teil der Strafen gilt als verbüßt, weil das Verfahren über Gebühr lange dauerte. Die Angeklagten gehörten zu einer Computer- und Werbefirma, die ab 2000 als Aktiengesellschaft (AG) in Mecklenburg Furore machte. Der Chef strich ein gutes Gehalt ein, fuhr einen großen Dienstwagen und trat als Sponsor auf.

Als das Geld knapp wurde, betrog er mit mehr oder minder viel Hilfe der anderen drei Angeklagten Leasingfirmen. Die AG behauptete, Computer, Bildschirme oder IT-Netzwerke gekauft zu haben. Die Leasingfirmen erstatteten den Kaufpreis und berechneten der AG Leasingsraten. Als Beleg für die Einkäufe wurden fingierte Rechnungen präsentiert. Die Angeklagten gründete auch angebliche Lieferfirmen, um die Scheingeschäfte zu vertuschen. Auf diese Weise ergaunerte die AG über eine Million Euro.

Für drei Angeklagte hatten die Verteidiger Freispruch beantragt, da sie vom Haupttäter manipuliert worden seien. Das ließ das Gericht nicht gelten. Ungewöhnlich deutlich kritisierte der Vorsitzende Richter Norbert Grunke einen der Verteidiger. Er habe mit zahllosen, quasi überflüssigen Anträgen den Prozess, der vor 22 Monaten begann, in die Länge gezogen, häufig einen grenzwertigen Umgangston gepflegt und polemische Wertungen abgegeben, indem er den Richtern fehlende Kompetenz und mangelnden Aufklärungwillen unterstellte. Das Benehmen sei einer Gerichtsverhandlung manchmal kaum würdig gewesen und der juristische Nutzen zweifelhaft. Die begrenzten Personalkapazitäten des Gerichts seien unnötig gebunden worden.

Richter Grunke deutete an, dass jeder Anwalt mit jedem zusätzlichen Verhandlungstag mehr Geld verdiene. Im Fall einer Verurteilung wird das Honorar jedoch vom Angeklagten bezahlt.

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