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Elektroboot auf der Warnow : Lautlos durch das Paradies

vom
Aus der Onlineredaktion

Von Bord des „Warnowlöper“ aus Natur erleben

„Auf der Warnow woll’n wir fahren, wo die Schifflein sich dreh’n“ – so wie in diesem Kinderlied möchten viele Menschen auf dem längsten Fluss in Mecklenburg unterwegs sein. Wer sich aber nicht im Paddelboot auf die eigene Muskelkraft verlassen will, hat nur eine Alternative: den „Warnowlöper“. Auf der Warnow ist das Fahren mit Motorbooten verboten – Naturschutz geht vor. Aber seit 2015 bietet Renee Recke umweltverträgliche Flussfahrten an.

Morgens um halb zehn gehen 19 Gäste und ein Skipper in Schwaan an Bord des „Warnowlöper“. Das Schiff legt ab und gleitet auf den Fluss hinaus. Er schimmert grün, die Trauerweiden lassen ihre Zweige ins Wasser hängen. Zuerst sind hinter den Bäumen noch Häuser zu sehen, direkt am Ufer ab und zu ein hölzerner Bootssteg. Doch bald gibt es nur noch Natur. Und Stille. Zu hören sind nur die Vögel und das Plätschern des Flusses am Bootsrumpf.

Nahezu lautlos beschleunigt der „Warnowlöper“ auf seine Höchstgeschwindigkeit von sechs km/h. Das Schiff bewältigt die 16 Kilometer von Schwaan nach Bützow in drei Stunden – das könnte der Inbegriff der vielbeschworenen Entschleunigung sein. „Der Weg ist das Ziel“, lacht Recke. „Das schätzen unsere Gäste.“ Sie kommen an Bord, um die Natur zu genießen, seltene Tiere wie Fischadler oder Biber zu beobachten. Das Warnowtal ist als Flora-Fauna-Habitat (FFH) ausgewiesen, auch geschützte Pflanzen sind hier noch zu finden.

Von den menschlichen Besuchern wird Rücksicht erwartet: Sie dürfen nicht näher als zwei Meter an die Uferzone herankommen und nur an ausgewiesenen Haltepunkten anlegen. Musikinstrumente, Beschallungsanlagen und Lärm sind untersagt. „Wir reden hier vom sanften Tourismus“, sagt Recke. „Bei uns steht nicht die Wirtschaftlichkeit im Vordergrund, sondern wir wollen den Menschen die Natur zeigen.“ In der ersten Saison im vergangenen Jahr ließen sich 2700 Fahrgäste von dem einmaligen Gebiet faszinieren. Von Mai bis Oktober legt der „Warnowlöper“ mittwochs und am Wochenende ab. Manchmal chartert auch eine Gruppe das Schiff für den ganzen Tag. Viele der Gäste kommen aus der Umgebung, im Sommer sind auch oft Touristen dabei.

Bis in  die 1970er-Jahre gab es eine motorisierte Schiffsverbindung zwischen Schwaan und Rostock. Sie wurde eingestellt, weil Natur und Trinkwasser geschützt werden sollten. „Die Leute in der Umgebung haben sich immer gewünscht, die Schifffahrt wieder aufleben zu lassen“, erinnert sich Recke. „Insbesondere die Stadt Schwaan hat dafür gekämpft. Und nun haben wir über den Landkreis Rostock die Genehmigung bekommen.“

Recke ist Geschäftsführer der Betreibergesellschaft, in der Privatpersonen die Idee unterstützen, in der aber auch Schwaan und Bützow vertreten sind. Als Bürgervorsteher von Schwaan hat er nicht nur ein privates Interesse an der Schiffslinie. „Ich möchte die Stadt voranbringen und das, was die Menschen hier bewegt, unterstützen.“ Er selbst ist früher als Nautiker zur See gefahren. Heute beschäftigt er sieben ehrenamtliche Skipper – auch sie sind ehemalige Seeleute. Das Schiff wird von zwei batteriebetriebenen Elektromotoren bewegt. Drei Pontonreihen garantieren die Stabilität, es ist ein sogenannter Trimaran. Gerade wird geprüft, ob sich ein Solarantrieb rechnen würde.

Am Nachmittag geht es zurück nach Schwaan. Vielleicht wird es in Zukunft auch eine Verbindung nach Rostock geben.

 



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