Jugend im Landtag MV : „Laut und unbequem“

Diskussion im Schweriner Schloss
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Diskussion im Schweriner Schloss

Jugendliche diskutieren im Landtag vier Tage lang über Politik und Umwelt, Flucht und Migration

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21. Juni 2016, 08:00 Uhr

Knapp drei Monate vor der Landtagswahl halten die Parteien in Mecklenburg-Vorpommern mit ihrem Schattenkabinett noch hinterm Berg. Rund 70 Jugendliche werden damit in dieser Woche nicht so zögerlich sein. Bei der viertägigen Veranstaltung „Jugend im Landtag“ wollen sie auch ihre „Schattenminister“ bestimmen, die am Ende Landtagsabgeordneten ihr gemeinsames Regierungsprogramm vorstellen.

Die Schwerpunkte des Programms sind absehbar. Denn seit gestern diskutieren die Teilnehmer im Schweriner Schloss in verschiedenen Arbeitsgruppen über Mobilität in Mecklenburg-Vorpommern, Umwelt, Flucht und Migration, Gender und Sex sowie „digitale Gerechtigkeit“, wobei sich vieles um den schnellen Zugang zum Internet nicht nur in den Städten dreht. Am wichtigsten ist vielen der 15- bis 27-Jährigen, die aus allen Ecken des Landes angereist sind, offenbar die politische Teilhabe von Jugendlichen. Sollen sie mit 16 Jahren an der Landtagswahl teilnehmen dürfen? Wie und was dürfen sie in ihren Heimatorten mitbestimmen?

Jule Henschell aus Rostock hat gerade Abitur gemacht. Sie möchte einen tieferen Einblick in politische Abläufe bekommen. Wichtig wäre ihr, „dass Gruppen an Politik he-rangeführt werden, die noch nicht so interessiert sind“. Sie selbst bezeichnet sich als politisch interessiert. Mit den Parteien hat sie aber bislang nicht viel am Hut. „Es ist schwierig, mich als Jugendliche irgendwo politisch einzuordnen“, sagt sie. Aber sie hegt keine grundsätzlichen Vorbehalte gegenüber den politischen Parteien. „Die sind schon wichtig.“

Hannes Klaas Mecklenburg aus Waren absolviert gerade ein Freiwilliges Ökologisches Jahr. Er war schon vor zwei Jahren bei „Jugend im Landtag“ dabei und hat das diesjährige Treffen mit vorbereitet. Auch ihm geht es in erster Linie darum, dass sich Jugendliche insgesamt mehr am politischen Geschehen beteiligen. Er hat aber auch mit dafür gesorgt, das Thema „Armut“ im Programm unterzubringen. Hannes war ein Jahr in Kamerun und hat dort erlebt, was Armut bedeuten kann.

„Es ist uns sehr wichtig, Jugendliche in ihrem Engagement in eigener Sache nicht nur anzuhören, sondern zu unterstützen und sie als Verfechter unseres demokratischen Systems zu stärken“, sagte Landtagspräsidentin Sylvia Bretschneider (SPD). Fabian Scheller, Vorsitzender des Mitveranstalters Landesjugendring, forderte die Teilnehmer auf, „laut und unbequem“ zu sein, um sich Gehör für ihre Forderungen zu verschaffen. Es sei gut, dass auch das Thema „Flucht und Integration“ diskutiert werden soll. Durch die Flüchtlinge sei Mecklenburg-Vorpommern „bunter geworden“ und habe die Chance, seine „Kultur offener und multikultureller zu machen“.  

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