Ex-Intendant rechnet ab : Latchinian: „Bin erstmal mit Rostock fertig“

Sewan Latchinian
Sewan Latchinian

"Kulturfeindlich", "bösartig" und "provinziell": Ex-Theaterintendant Latchinian rechtnet mit Rostock ab

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13. Juni 2016, 06:30 Uhr

Erst ein letzter Applaus, dann die bittere Abrechnung. „Ich bin erstmal mit Rostock fertig, mit dem restlichen kulturfeindlichen, bösartigen und provinziellen Rostock bin ich wirklich durch“, sagte Sewan Latchinian am Freitagabend nach der Premiere des Schauspiels „Sex und Liebe“. Zwar habe er in der Hansestadt auch viele tolle Leute kennengelernt und wunderbares Theater erlebt. Aber nach diesem Wochenende sei er aus Rostock weg, sagte der 55-Jährige, der am Montag zuvor als Intendant des Volkstheaters fristlos entlassen worden war.

Die ungewöhnlichen Umstände hatten es erfordert, dass die Premiere in der Hochschule für Musik und Theater (HMT) gefeiert wurde. Dabei saßen die Zuschauer auf der Bühne, während die Schauspieler die Sitzreihen als Aufführungsort nutzten. So kam es, dass für gut die Hälfte der Zuschauer große Teile des Stücks wegen der schlechten Sicht als Hörspiel in Erinnerung bleiben werden. Das Schauspiel wird nicht wieder aufgeführt. Er sei froh, dass die Schauspieler es geschafft hätten, unter widrigen Bedingungen das Stück auf die Bühne zu bringen, sagte Latchinian.

Nach dem Aus für Latchinian hatte sich das Volkstheater aus dem Schauspiel verabschiedet. Das Stück, das von Latchinian und Dramaturg Martin Stefke aus Motiven von „Romeo und Julia“ und „Ein Sommernachtstraum“ von Shakespeare zusammengestellt worden war, musste komplett umgeschrieben werden. Dem fielen das Bühnenbild und die Kostüme zum Opfer. Konsequenterweise spielten die Schauspieler in Unterwäsche. HMT-Chefin Susanne Winnacker: „Es ging mir darum, diesem Schauspieljahrgang die Möglichkeit zu geben, bis zum Schluss mit dem Regisseur, mit dem sie angefangen haben, arbeiten zu können.“

Nach jahrelangem Zwist hauptsächlich um die Zukunft des Volkstheaters als Vier-Sparten-Theater musste Latchinian den Hut nehmen. Ihm folgt voraussichtlich Joachim Kümmritz, bislang Intendant des Mecklenburgischen Staatstheaters Schwerin. Auch er ließ erkennen, dass er kein Freund der Pläne sei, die Zahl der Sparten zu verkleinern. „Darüber würde ich mich freuen. Ich würde mich nur fragen, warum man mir das Leben zwei Jahre lang so schwer gemacht hat“, sagte Latchinian. Dieser Punkt würde für seinen anstehenden Arbeitsgerichtsprozess eine spannende Pointe sein. „Das würde klar machen, dass dies nur ein Vorwand war, mich loszuwerden.“

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