„Langer Heinrich" erstrahlt in Blau

<strong>Kennt jede Verstrebung auf dem  'Langen Heinrich':</strong> Andreas Hallier ist der Projektverantwortliche für die Sanierung.
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Kennt jede Verstrebung auf dem "Langen Heinrich": Andreas Hallier ist der Projektverantwortliche für die Sanierung.

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08. Juni 2012, 06:20 Uhr

Warnemünde | Ein feiner blauer Nebel liegt in der Luft, der Farbgeruch beißt. In der Nordic-Yards-Werft bekommt der Schwimmkran "Langer Heinrich" derzeit seine neue Hülle. Sie soll ihn vor Wind, Wetter und seinem größten Feind, dem Rost, schützen. Viel Stahl, der an dem knapp 50 Meter hohen Ausleger zu bearbeiten ist. Jede Verstrebung des stählernen Skeletts, jedes Rad und jedes Stahlseil wurde mit dem Sandstrahler entrostet und wird jetzt mit neuer Farbe überzogen. Die Lackierer sprühen sie mit schmalen Düsen auf, Schicht für Schicht. "Vier Lagen werden es insgesamt. Am Ende muss die Farbe an 1000 Testpunkten der Ultraschallmessung standhalten", sagt der Schiffbausachverständige Andreas Hallier, den die Stadt zum Projektverantwortlichen für die Sanierung gemacht hat.

Heute noch 50 Tonnen Hubkraft

Dass das technische Denkmal restauriert wird, ist aus seiner Sicht dringend notwendig. Schließlich habe der Kran zuletzt in den 1970er-Jahren einen Anstrich verpasst bekommen. "Vom Ausleger waren schon 20 bis 30 Millimeter große Rostplacken heruntergefallen. Für Besucher war das gefährlich", sagt er. Als Teil des Schiffbau- und Schifffahrtsmuseums konnte der "Lange Heinrich" in den vergangenen Jahren deshalb nur noch aus der Ferne besichtigt werden.

Hallier träumt davon, dass der schwimmende Koloss nach seinem Werftaufenthalt wieder ein komplett begehbarer Museumskran wird. "Die Leute sollen sehen, was sich hier bewegt und welche technische Leistung dahintersteckt", sagt er. Schließlich sei der 1905 gebaute Kran eine Rarität. Vergleichbare Exemplare gibt es nur noch in Wilhelmshaven und Genua. "Und im Panama-Kanal arbeitet noch ,Herman the German’. Aber der ist aus den 1940er-Jahren", sagt Hallier.

Der "Lange Heinrich", der seinen Namen von einem früheren Bürgermeister seiner Heimatstadt Danzig hat, war im Rostocker Hafen noch bis 1978 im Einsatz. Ursprünglich war er für eine Hebe-Leistung von 100 Tonnen konstruiert worden. "Heute würde er noch die Hälfte schaffen", sagt Hallier, der jeden Winkel des Schwimmkrans kennt.

Hallier war auch einer der Ersten an Bord, als der "Lange Heinrich" im Winter 2009 leckgeschlagen war. Nach einer Notreparatur folgte 2011 die Sanierung des Schwimmpontons. Mit dem diesjährigen Haushalt wurden dann auch die 480 000 Euro für die Arbeiten vom Deck aufwärts bewilligt. So wurden vor dem Farbanstrich des Auslegers die Zugänge, die in den Ponton und zu den alten Dampfmaschinen hinabführen, erneuert. "Auch die durchgerosteten Gitter und Süllkanten mussten gemacht werden. Das war ja alles vergammelt", sagt Hallier. Für beide Abschnitte der Sanierung zusammen hat Rostock als Eigentümerin des technischen Denkmals rund 850 000 Euro bezahlt. Ein Drittel der Auftragssumme für den zweiten Bauabschnitt fließt dabei in das 25 Ebenen in die Höhe gebaute Gerüst.

Vier bis fünf Wochen brauchen die Arbeiter noch für die letzte Farbschicht, das Fetten der Seile und den Abbau des Gerüsts. Dann sind zehn Jahre Zeit, bis der nächste Anstrich fällig wäre. Sobald er die Werfts verlässt, können Rostocker und Besucher den "Langen Heinrich" wieder betreten und entdecken.


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