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Aus dem Gerichtssaal : Lange Haftstrafe für Stiefvater

vom
Aus der Onlineredaktion

Sechs Jahre und drei Monate Gefängnis wegen Missbrauch

Wegen schweren sexuellen Missbrauchs eines Kindes in zehn Fällen hat das Schweriner Landgericht einen 40-jährigen Mann aus Schwerin zu sechs Jahren und drei Monaten Gefängnis verurteilt. Die Richter waren überzeugt, dass der Angeklagte sich über mehrere Jahre hinweg immer wieder an der Tochter seiner Ehefrau vergangen hat. Beim ersten Mal ging das Mädchen noch zur Grundschule, beim letzten Mal war es 13 Jahre alt.

Mit dem Urteil entsprach das Gericht dem Antrag der Staatsanwaltschaft. Der Verteidiger hatte Freispruch gefordert. Der Angeklagte hatte die Taten bis zum Ende des Prozesses bestritten. Das Urteil nahm er sichtlich innerlich aufgewühlt hin. Seine Ex-Ehefrau nahm auf den Zuschauerbänken den Schuldspruch ruhig zur Kenntnis. Die neue Freundin des Mannes brach in Tränen aus. Offenbar wollte sie einen Missbrauch nicht glauben. Sie hatte sich im Herbst vorigen Jahres mit ihm verlobt, als ihm die Vorwürfe bereits bekannt waren.

Außer Täter und Opfer gab es keine unmittelbaren Zeugen. So hatte das Gericht abzuwägen, wem es glaubt. Da der Angeklagte kein Geständnis ablegte, musste die Schülerin als Zeugin vor Gericht mehrere Stunden lang bestätigen und hinterfragen lassen, was sie bei der Polizei bereits ausgesagt hatte.

„Wir konnten und mussten der Zeugin folgen“, fasste der Vorsitzende Richter Armin Lessel das Votum des Gerichts zusammen. „Sie hat Details der Missbrauchsfälle geschildert, die sich kein Mensch erlügen kann.“ Das Kind sei ihrem Stiefvater zu Hause „hilflos ausgeliefert gewesen“, hatte der Staatsanwalt betont.

„Besonders perfide“ sei er vorgegangen, so Richter Lessel, wenn der Angeklagte dem Mädchen die Wahl ließ, welche Art von Sex er mit ihr haben solle. „Das Mädchen wollte weder noch, es wollte gar keinen Sex!“ Das Gericht war von der Aussage des Mädchens auch überzeugt, weil es keinen Grund sah, weshalb es ihren Stiefvater mit falschen Anschuldigungen hätte belasten sollen.

Für den Verteidiger blieben jedoch Zweifel. Er wird das Urteil voraussichtlich in der nächsten Instanz anfechten. „Es kann nicht ausgeschlossen werden, dass hier gelogen wurde als Beihilfe in einem Scheidungsverfahren“, sagte er in seinem Plädoyer. Nach dem Hauptschulabschluss und der Lehre hatte der Angeklagte als Arbeiter angefangen. Danach verkaufte er Versicherungen, bevor er in einem Dienstleistungsunternehmen ein Stück weit Karriere machte.

Aktenkundig wurden die Vorwürfe der Stieftochter im vergangenen Sommer. Als die Ehe ihrer Mutter mit dem Angeklagten in die Brüche zu gehen begann, vertraute das Kind sich seiner Mutter an, die wiederum Anzeige erstattete. Der Angeklagte war offenbar zum wiederholten Male fremdgegangen. Nachdem eine Psychologin das Mädchen begutachtet und die Aussagen gegen den Stiefvater für glaubwürdig erklärte, wurde der Mann verhaftet. Zu diesem Zeitpunkt hatte die Mutter ihn längst rausgeworfen.

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erstellt am 25.Apr.2017 | 05:00 Uhr

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