Serie: Ehrenamt ich helfe : Lange Eisenbahner-Tradition

Zeitgeschichte bewahren: Frank Fischer ist Vereinsvorsitzender der Mecklenburgischen Eisenbahnfreunde Schwerin.
Foto:
Zeitgeschichte bewahren: Frank Fischer ist Vereinsvorsitzender der Mecklenburgischen Eisenbahnfreunde Schwerin.

Serie Teil 8: Frank Fischer möchte die Geschichte der Bahn lebendig erhalten – im Verein Mecklenburgische Eisenbahnfreunde Schwerin

svz.de von
21. März 2014, 11:24 Uhr

Schon auf dem Weg hin zum Mecklenburgischen Eisenbahn- und Technikmuseum in Schwerin fühlt es sich wie eine kleine Zeitreise an. Die alten Bahnhofshäuser sind abgeriegelt, die Schienen still gelegt und die Lichtsignale erloschen. Am Eingang zum Museum hängt eine alte Bahnhofsuhr, die laut tickt. Das alles hier ist Frank Fischers Welt. Und er ist es , der sie wieder lebendig macht.

Als Vorsitzender des Vereins Mecklenburgische Eisenbahnfreunde Schwerin setzt sich der 55-Jährige für den Erhalt dieses Teils der Geschichte ein – ein Ehrenamt für ihn. Wenn er aus längst vergangenen Zeiten zu erzählen beginnt, als die Schienen noch im Einsatz waren und die Bahnhofshäuser voller Leben, wird seine Begeisterung für die Eisenbahn spürbar. Schon als kleiner Junge sei er von den großen Loks fasziniert gewesen. Wenn die Schranken heruntergekurbelt wurden, habe er immer neugierig dabei zugesehen und ungeduldig auf den herannahenden Zug gewartet. „Diese Geräusche und Gerüche sind einfach einmalig“, sagt Fischer.

Für ihn war schon früh klar, dass er Lok-Führer werden will. Sein Vater war Eisenbahner, genau wie sein Großvater und Ur-Großvater. Jetzt scheint die Tradition aber gebrochen, denn Fischers eigene Kinder gehen nun andere Wege. Dabei hatte ein Sohn sogar eine Eisenbahner-Ausbildung gemacht, jetzt aber stellt er Fahrstühle her.

1990 wurde der Verein in Schwerin gegründet und wurde zwischendurch sogar zur Außenstelle des Bahn-Museums in Nürnberg. Doch 2005 war es damit vorbei. „Wir haben Unterschriften gesammelt und konnten schließlich auf eigene Faust weitermachen“, sagt Fischer. Doch damit kamen neue Probleme. Der Verein musste das gesamte Gelände kaufen, um es erhalten zu können. Das Geld sei stets knapp, denn der Verein lebt allein von Mitgliedsbeiträgen, Vermietungen und Eintrittsgeldern aus den monatlichen Führungen.

Jetzt gibt es auch Probleme mit den Brandschutzbestimmungen, die Umbaumaßnahmen nötig machen. Erst Anfang Februar suchten Fischer und seine Vereinskollegen nach Unterstützung von der Stadt. Doch die Kassen sind leer und die Zukunft des Museums ist ungewiss. Manchmal zweifelt Fischer, ob es mit dem Verein weitergeht. Er fragt sich dann auch, ob sich all die Mühe lohnt, wenn ihm die Stadtverwaltung immer wieder neue Steine in den Weg zu legen scheint. Doch wenn er dann wieder vom Duft der Loks zu schwärmen beginnt, weiß er, dass die alte Bahnhofsuhr noch nicht ausgetickt hat. Zudem bereite ihm die Arbeit viel Freude. „Wenn die Besucher kommen und sich am Anblick der alten Loks und Wagen erfreuen, dann weiß ich: Das ist es wert.“

Neben dem Erhalt des Museums hat der 55-Jährige noch einen ganz besonderen Wunsch: Einmal eine alte Dampflok fahren. Doch dazu braucht er aber erst einmal den passenden Führerschein und der kostet etwa 3500 Euro. Bis es irgendwann einmal so weit ist, fährt er weiter seinen Güterzug. Von seinem Einsatzort in Ludwigslust fährt er von Ost nach West und wieder zurück. Dass seine Schicht manchmal um 0.01 Uhr beginnt, störe ihn dabei wenig. „Ich habe mich daran gewöhnt, schließlich geht es seit meiner Lehre schon so“, sagt Fischer lachend. Sich nebenbei ehrenamtlich zu engagieren sei für ihn Ehrensache. Nicht nur in dem Museumsverein, sondern auch in der Schweriner Stadtvertretung.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen