Landesbauerntag auf der MeLa : Landwirten geht es ans Geld

Treckerparade: Auf der MeLa wird die neueste Technik gezeigt. Insgesamt präsentieren sich auf der Agrarschau bis Sonntag 1000 Aussteller.
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Treckerparade: Auf der MeLa wird die neueste Technik gezeigt. Insgesamt präsentieren sich auf der Agrarschau bis Sonntag 1000 Aussteller.

Landesbauerntag diskutiert neue Beihilfekonzepte. Verbandspräsident Kurreck: Brauchen keine Agrarwende

svz.de von
15. September 2017, 21:00 Uhr

Sparpläne auf dem Bauernhof: Mit dem Ausstieg der Briten aus der Europäischen Union (EU) und den weiter steigenden Umwelt- und Naturschutzanforderungen der Verbraucher müssen sich die Landwirte in MV künftig von pauschalen millionenschweren Beihilfezahlungen verabschieden. Angesichts steigender Umweltbelastungen sei die Gesellschaft nicht mehr bereit, den Bauern ohne Gegenleistung das Geld einfach zu überweisen, erklärte Landwirtschaftsminister Till Backhaus (SPD) gestern auf dem Landesbauerntag am Rande der Agrarschau MeLa in Mühlengeez nahe Güstrow: „Anstatt um die Erhaltung des Status quo zu kämpfen, muss der Berufsstand zeigen, wie es besser geht.“ Das bisherige System pauschaler und kaum zielorientierter Direktzahlungen sei agrarökonomisch falsch und umweltpolitisch verfehlt.

Bislang erhalten Landwirte in Mecklenburg-Vorpommern jährlich Direktzahlungen von insgesamt 358 Millionen Euro. „Wir brauchen einen neuen Gesellschaftsvertrag zwischen den Landwirten und der Bevölkerung“, sagte Backhaus und kündigte für den Herbst die Vorlage eines Alternativprogramms zur europäischen Agrarpolitik an. Darin sollen gesunde Lebensmittel, die Folgen der Klimaveränderung, der Verlust der Artenvielfalt, die Belastung des Wassers sowie mehr Tierwohl und die Entwicklung der ländlichen Regionen im Mittelpunkt stehen. Gezahlt werden sollte künftig nur noch eine Basisprämie. Dazu könnten Landwirte einzelne Umwelt- oder Tierwohlmaßnahmen gefördert bekommen. „Auch damit lässt sich Geld verdienen“, sagte Backhaus: „Wir brauchen mehr Ökologie in der Landwirtschaft, wir brauchen einen Systemwechsel.“

 

Änderungen sind notwendiger denn je: Obwohl Vorgaben aus Brüssel dazu verpflichteten, würden in Deutschland keinerlei Umweltstandards erfüllt, kritisierte der Kieler Agrarwissenschaftler und Berater der Bundesregierung, Prof. Friedhelm Taube, während des Bauerntreffens. Die Landwirte dürften die Augen nicht verschließen: „Die Probleme sind da.“ In jedem zweiten Betrieb gebe es Schwierigkeiten – unter anderem mit Belastungen der Gewässer durch Stickstoff und Phosphor sowie der Umwelt mit Ammoniak. Nach wie vor gebe es einen Überschuss von bis zu 150 Kilogramm Stickstoff je Hektar: „Das entspricht 250 000 Lkw-Ladungen, die ins Wasser oder in die Umwelt gelangen.“ Seit 20 Jahren aber komme die Landwirtschaft nicht aus der Defensive, weil Umweltkonzepte fehlten. Es sei ein Fehler der Bauern, nicht stärker mit Umweltverbänden zu kooperieren. Taube: „Die Transferleistungen können für die kommenden zwei Jahrzehnte nicht gesichert werden, wenn ökologische Leistungen erbracht werden.“ Erst wenn die Nitratwerte in der Landwirtschaft in MV um 20 000 Tonnen verringert würden, könnte das Land die EU-Wasserrahmenrichtlinie auch einhalten, fügte Backhaus hinzu.

Die Pläne stoßen in der Landwirtschaft allerdings auf Gegenwehr: „Wir brauchen keine Agrarwende“, meinte Bauernpräsident Detlef Kurreck gestern. Der ländliche Raum sei ein Raum für Umwelt und Natur, müsse aber auch ein Wirtschaftsraum bleiben. Die Basis für mehr Gewässer- und Umweltschutz sei ein starkes wirtschaftliches Fundament der Betriebe. Das bestehende System sei geeignet, wenn es zukunftsfähig gemacht werde, sagte Kurreck. Die Landwirte stellten sich inzwischen auf sinkende Beihilfen ein. Allerdings dürfe der Agrarhaushalt der EU nach dem Brexit nicht zum „politischen Steinbruch“ werden, weil zu Lasten der Bauern für andere Bedürftigkeiten gespart werde.

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