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Mecklenburg-Vorpommern

25. November 2017 | 01:20 Uhr

Landwirte im Widerstand gegen Hitler

vom

svz.de von
erstellt am 27.Jan.2011 | 06:19 Uhr

Güstrow | In der Beruflichen Schule "Johann Heinrich von Thünen" Güs trow-Bockhorst wurde gestern im Haus I am "Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus" die Wanderausstellung "Landwirte im Widerstand 1933 bis 1945" eröffnet. Gisela Spangenberg, Leiterin der Berufsschule: "Wir freuen uns, dass die Ausstellung in unserer Einrichtung eröffnet wurde. Sie passt zu unserer Tradition, denn Schüler und Lehrer begehen den Tag immer mit einer Filmvorführung, halten inne und erinnern sich damit an diesen Teil deutscher Geschichte, der so viel Leid über die Welt gebracht hat. Dieses Mal sahen wir ,Das Heimweh des Walerian Wrôbel." Die tragische Geschichte beeindruckte Lehrer wie Berufsschüler. Nach dem Film wurde die Exposition eröffnet. Einführende Worte sprach der Autor, Produzent und Mit-Herausgeber des gleichnamigen Buches, Gerhard Fischer, das zu der Ausstellung erschienen ist. Er lud die Berufsschüler auch zu einem Rundgang durch die Ausstellung ein.

Bis 11. März zu sehen - für Schulklassen zu empfehlen

Auf 28 Tafeln werden 36 Frauen und Männer in Kurzbiografien und Porträts dargestellt, die als Landwirte vom Kleinbauern bis zum Großgrundbesitzer und Vertreter des Adels dem nationalsozialistischen Regime von 1933 bis 1945 Widerstand leisteten. In dem Begleitbuch werden weitere 36 Frauen und Männer gewürdigt. Fischer betont, dass sowohl in der alten Bundesrepublik als auch in der DDR dieses Aufbegehren gegen das Hitler-Regime, besonders östlich von Oder und Neiße, nur unzureichend gewürdigt wurde. Durch umfangreiche Recherchen sei es jetzt gelungen, so Fischer, darzulegen, dass viele Widerstandskämpfer "in den ehemaligen deutschen Provinzen" gewirkt haben, von den 72 die Hälfte.

Hauptanliegen der Exposition ist es, zu zeigen, dass der Widerstand der Landwirte nicht die Tat Einzelner, sondern deutschlandweit vernetzt war. Er begann 1933 mit der Machtübernahme durch die Faschisten. Fischer hebt hervor, dass der Widerstand durch alle Schichten ging. Unter den 72 Persönlichkeiten sind 30 Gutsbesitzer, 17 Agrarpolitiker, acht Agrarwissenschaftler, fünf Landwirte, vier Kleinbauern sowie acht Landarbeiter, Förster, Tierärzte oder Angestellte.

Wichtig ist dem Rostocker der Fakt, dass 1939 rund 40 Prozent der Erwerbstätigen in der deutschen Landwirtschaft arbeiteten. Sie bildeten den größten Berufszweig. Trotzdem sei die Opposition klein gewesen. Fischer nennt Gründe: Erstens war die ländliche Bevölkerung dem Boden und den Tieren enger verbunden und die Zerstreutheit der Höfe und Dörfer setzte der konspirativen Arbeit Grenzen. Zweitens köderten die Nationalsozialisten mit einer "Blut- und Bodenpolitik" viele Bauern. Fischer: "Diese Maßnahmen dienten aber der langfristigen Vorbereitung des Krieges, was nur von wenigen und einigen Standhaften erkannt wurde. Diese Standhaften vorzustellen, ist mein Hauptgrund für die Ausstellung."

Entstanden ist sie in Kooperation der Bundesländer Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg. Träger ist die Gesellschaft der Freunde und Förderer der agrar- und umweltwissenschaftliche Fakultät der Universität Rostock. Unterstützt wurde das Projekt von der Rosa-Luxemburg-Stiftung, Regionalstelle MV.

Die Ausstellung ist bis 11. März in der Schule zu sehen. Wer sie sich anschauen möchte, kann sich unter 0 38 43/26 43 00 melden. Besonders geeignet ist sie für Schulklassen.


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