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Projekt Bioenergiedorf : Landwirte forcieren Energiewende

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Die Zukunft der Landwirtschaft zwischen Neuburg und Utecht besteht aus einem Mix in der Produktion hochwertiger Lebensmittel und der Energiegewinnung. Wie solch ein Konzept funktionieren kann, demonstrierte Dietmar Hocke.

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erstellt am 14.Mär.2012 | 08:01 Uhr

Kalsow | Fruchtfolge und Felderwirtschaft bestimmten über Jahrhunderte den Alltag der Bauern im Nordwesten. Die Zukunft der Landwirtschaft zwischen Neuburg im Nordosten und Utecht am westlichen Kreisrand besteht aus einem Mix in der Produktion hochwertiger Lebensmittel und der Energiegewinnung. Wie solch ein Konzept funktionieren kann, demonstrierte gestern Dietmar Hocke.

Der 44-jährige Landwirt aus Kalsow, Unternehmer des Jahres 2010 im Nordwesten, setzt auf Energie aus Biogasanlagen und die Stromgewinnung aus der Windkraft. "Wie zu sehen ist, schlägt mein Herz für die erneuerbaren Energien", sagt Hocke und blickt mit Landrätin Birgit Hesse und dem Gadebuscher Kreisbauernchef Jörg Haase gen Himmel, wo in 100 Metern Höhe die Rotoren von drei Enercon-Windkrafträdern sich im Nordwestwind drehen. "Zusammen mit der Biogasanlage im Ort produzieren wir in Kalsow Strom für zirka 7 000 Haushalte", sagt Hocke. Allein die Gesamtleistung der Windriesen beläuft sich auf 12,5 Gigawattstunden pro Jahr. Darüber hinaus nutzen ein Seniorenheim mit 80 Bewohnern auf 2500 Quadratmetern sowie ein Ferienobjekt und drei Bauernhöfe bereits heute die Abwärme zum Heizen. Ein Ausbau ist geplant.

An dieser Stelle müsse nicht Schluss sein, wenn es gelinge, dass Kommunen und Landwirte an einem Strang ziehen, verdeutlichte Kreisbauernchef Haase. Das Besondere: Wenn einheimische Landwirte investieren, findet die Wertschöpfung vor Ort statt. Land und Leute profitieren von der Energiegewinnung. Denn wenn Hocke in Abstimmung mit seiner Gemeinde auf deren Land die Windräder errichtet, fließen Pacht und Steuereinnahmen direkt in deren Haushalt ein. Folglich sollen Fremdinvestoren, die das Kapital abfließen lassen, im Kalsower Boden nicht mehr unbedingt gründen dürfen. Ein Konzept, das es aus Sicht von Haase auf das Land MV zu übertragen gilt.

Als sein bester Werbeträger gilt dabei Dietmar Hocke. Die Augen des Kalsowers funkeln, wenn er aus 140 Metern Höhe, vom neuen Stromproduktionsstandort Nordwestmecklenburgs, vom Plateau der E82 über die Hansestadt Wismar ins weite Land an der Ostsee schaut. "Er lebt für seine Projekte und das sieht man ihm an", lobt auch Landrätin Birgit Hesse. Sie und Haase befürworten bzw. unterstützen Hockes Kandidatur für das Präsidium des Landesbauernverbandes MV. Kommende Woche findet die Wahl statt. "Es wäre ein Gewinn für uns als Kreis und das Land, das als Stromproduzent in Deutschland stark an Bedeutung gewinnen kann", so Haase. Wie das in Zahlen ausschaut, verdeutlicht Dietmar Hocke: "Zweidrittel des Einkommens beziehe ich heute aus regenerativen Energien." Und das trotz der 3,3 Millionen Euro Investition pro Anlage.

Unterstützung erhält der Landwirt von Enercon. Das Unternehmen produziert und installiert nach eigenen Angaben die größten in Serienproduktion befindlichen Windkraftanlagen von bis zu 135 Metern Nabenhöhe. Ein getriebeloser Ringgenerator wandelt dann die Windkraft in Strom um. "Unsere Rotoren beginnen beim Lüftchen von zwei Metern pro Sekunde anzulaufen und arbeiten dank der automatisch verstellbaren Rotorblätter auch bei Orkanwindstärken", sagt Guido Golle vom Service-Team und der Qualitätskontrolle. Landesweit beschäftigt das Unternehmen an seinen drei Standorten Schönberg, Rostock und Altentreptow rund 200 Mitarbeiter im Bereich Service, Aufbau und Vermarktung. Einen Großteil der Materialien und Bauteile bezieht das Unternehmen von Firmen, die in MV produzieren. Mit 60 Prozent Marktanteil zählt Enercon nach eigenen Angaben zu den Marktführern.


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