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Mecklenburg-Vorpommern

16. Dezember 2017 | 18:07 Uhr

Landwirt verrammelt Grenzübergang

vom

svz.de von
erstellt am 06.Dez.2012 | 06:21 Uhr

Pasewalk | "Als wir uns Ende der 1990er außerhalb Blankensees dieses Grundstück direkt in Grenznähe kauften, geschah das auch mit der Überlegung, Ferienwohnungen einzurichten", sagt Hubert Lühn. Viel Wald und Stettin vor der Haustür - aus der Sicht der Familie konnte es für den Tourismus dort nichts Besseres geben. Kurz nachdem im Dezember 2007 die Grenzkontrollen entfielen, ebnete Hubert Lühn einen alten Grenzgraben ein, damit Wanderer und Radfahrer ungehindert pendeln können. "Das ist doch genau, was wir wollten: Ein gutes Nebeneinander der Nachbarn", so Hubert Lühn. Seit jüngstem ist es damit allerdings vorbei: Findlinge versperren den Weg. Reinhard Senckpiel, Geschäftsführer der Agrar GmbH Pampow/Blankensee &Co.KG, hat den Übergang versperren lassen. Der Grund des neuen Grenzwalls: Senckpiels Unternehmen hat innerhalb weniger Monate Klau-Verluste im Wert von knapp 100000 Euro erlitten. Ein Teil dieses Diebesguts - so die Spuren - wurden über diesen Weg gen Osten gebracht. "Man kann als Unternehmer daran verzweifeln, was der Staat uns zumutet", verteidigt Senckpiel seine nun drastischen Maßnahmen.

Die Redaktion erhielt gestern Informationen, dass eine nachhaltige und wirkungsvolle Streifentätigkeit im Grenzgebiet kaum noch gewährleistet wird. Dass der Personalabbau in vollem Gange ist bestätigte Gerd Edinger, stellvertretender Vorsitzender bei der Gewerkschaft der Polizei, Kreisgruppe Bundespolizei Mecklenburg-Vorpommern. "Zur Zeit werden einzelne Kollegen im Bereich der Direktion Bad Bramstedt eingesetzt. Eine Reihe von Kollegen wissen bereits, dass sie umgesetzt werden, sie haben aber noch keine Anschlussverträge vorzuliegen", teilte er mit. Die Größenordnung des Stellenabbaus konnte Edinger nicht beziffern. Die Entscheidungen darüber sollen seinen Informationen nach Anfang 2013 fallen. Sei Anfang Oktober kursiert allerdings die Zahl, dass die Bundespolizeiinspektion Pasewalk um 90 Stellen verkleinert werden soll.

"Vor Tagen wurde uns ein Radlader und ein Hochdruckreiniger gestohlen. Wert: 30 000 Euro", berichtet Senckpiel. Wieder wurde alles über diesen Weg außer Landes gebracht. Ein Traktor, vor Monaten entwendet, hatte einen Wert von 45 000 Euro. Hubert Lühn versteht Senckpiels Sicht, fordert jedoch auch Verständnis : Wie blicken die Polen auf uns, die mit solchen drastischen Maßnahmen konfrontiert werden? Senckpie zeigt sich inzwischen kompromissbereit: Im Frühjahr soll der Grenzweg wieder geöffnet werden.

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