Serie: Adel verpflichtet : Landwirt aus Leidenschaft

Heinrich Graf von Bassewitz besucht  seine Pferde der uruguayischen Rasse Criollo auf Gut Dalwitz bei Güstrow.
Heinrich Graf von Bassewitz besucht seine Pferde der uruguayischen Rasse Criollo auf Gut Dalwitz bei Güstrow.

Auf Gut Dalwitz führt Heinrich Graf von Bassewitz eine jahrhundertealte Familientradition fort

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06. April 2015, 09:00 Uhr

Für Heinrich Graf von Bassewitz ist das knapp 800 Jahre alte Familienerbe manchmal eine zwiespältige Angelegenheit. „Ich finde es schön, eine solche Tradition zu haben“, sagt der Besitzer von Gut Dalwitz, 60 Kilometer südöstlich von Rostock. Seit Mitte des 13. Jahrhunderts gibt es seine Familie. Viele der Vorfahren bekleideten hohe Ämter in Regierungen oder beim Militär. „Aber man kann auch schnell als jemand betrachtet werden, der irgendwas nicht nötig hat“, gibt der 61-Jährige Einblick in sein Seelenleben.

Der Titel kann ein Türöffner sein, muss aber nicht. Die Historie stehe für ihn nicht im Vordergrund. „Ich wache nicht auf mit dem Gedanken, ich bin Graf und meine Familie ist seit Jahrhunderten hier.“ Dagegen wisse er, wie viel jeder Quadratmeter Land kostet und wie schwer es war, die Nägel in die Wände zu schlagen.

Doch die Tradition treibt ihn, den Wohnsitz der Familie zu erhalten und auszubauen. „Ich habe das Gut mit eigener Kraft zu einem Betrieb gemacht, das prägt mich mehr als die Geschichte.“ Deshalb ist der Vater von drei Kindern im Alter von vier, sechs und acht Jahren auch Mitbegründer der Evangelischen Schule im nahen Walkendorf, wo derzeit 120 Grundschüler unterrichtet werden. Das gehöre zur Lebensqualität selbst in der tiefsten Provinz Mecklenburgs, ebenso der kleine Supermarkt im Dorf, das Hofrestaurant und sieben Vereine. Er wolle hier den Lebensmittelpunkt für seine Familie schaffen.

„Viele Alteigentümer, die zurückgekommen sind, haben sich hervorragend integriert und sind eine wichtige Stütze des ländlichen Raums“, sagt dazu Landwirtschaftsminister Till Backhaus (SPD). Ohne sie, ihr gesellschaftliches Engagement und ihre Tätigkeit als Arbeitgeber würde es in manchen Landstrichen ganz anders aussehen. Die Familie Bassewitz ist seit 1379 in Dalwitz. „Mit Unterbrechung von 1945 bis 1991“, sagt der promovierte Landwirt mit Erfahrungen aus Afrika und Uruguay. Damit könnte er mitten in einer abenteuerlichen Geschichte sein, mit welchen Problemen er zu kämpfen hatte, das von der DDR enteignete Eigentum zu erwerben. Doch ein Rückblick im Ärger ist seine Sache nicht, die Dinge müssten irgendwann akzeptiert werden.

Vielmehr ist Flexibilität gefragt. Die hat von Bassewitz gezeigt, als er 1992 mit seiner uruguayischen Frau Lucy auf Dalwitz ankam und die ersten Schritte zum Biolandwirt machte. „Damit hatte ich vorher wenig zu tun“, räumt er ein. Er habe damals aus wirtschaftlichen Überlegungen – sprich EU-Gelder für extensive Grünlandbewirtschaftung – mit Bio begonnen. Das Gut lieferte Bio-Kalbfleisch zunächst für Babynahrungshersteller, später auch für eine Lebensmittelkette. Heute ist er Biolandwirt aus Überzeugung, sagt von Bassewitz, er war 2003 auch Initiator der ersten gentechnikfreien Zone in Deutschland.

Die Liste seiner Verdienste ist nach Backhaus’ Darstellung lang. Der Graf sei Pionier im Ökolandbau und habe eine Verbindung zum sanften Tourismus geschaffen. „Daher war es fast logisch, dass er Mitglied im Rat für Nachhaltige Entwicklung der deutschen Bundesregierung wurde.“ Die BSE-Krise und der noch heute zu spürende Preiseinbruch zwangen von Bassewitz zur Veränderung. Konsequenz:  Aus einem Bestand von 1200 sind heute 300 Rinder geworden. Das Gut betreibt neben Ackerbau auch Solaranlagen und Biogasanlagen, zudem werden uruguayische Pferde der Rasse Criollo gezüchtet.

Mit dem florierenden 120-Betten-Ferienbetrieb errang das Ehepaar Bassewitz jüngst den zweiten Platz beim ADAC Tourismuspreis. Hier könnten die Gäste die Produktion in einem Agrar-Vollerwerbsbetrieb in geschlossenen Kreisläufen aktiv miterleben, so die Juroren. 

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