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MV-Politiker in der Einzelkritik : Sellering verliert – und bleibt doch Sieger

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Zufriedenheit und Unzufriedenheit mit der SPD/CDU-Regierung hält sich die Waage. Gutes Urteil zur wirtschaftlichen Lage. Kaum Vertrauen in Kompetenz der AfD

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erstellt am 28.Apr.2016 | 19:55 Uhr

Einige Zahlen vorweg: Fast die Hälfte der Bürger des Landes ist mit der Arbeit der SPD/CDU-Koalition zufrieden. 46 Prozent sagen, die wirtschaftliche Lage im Land sei gut und sehr gut – ein Wert so hoch wie noch in keiner Umfrage zuvor. 50 Prozent wünschen sich nach den Wahlen im September wieder eine SPD-geführte Landesregierung. Und trotzdem würden 18 Prozent der Befragten die AfD wählen, wenn am Sonntag Wahlen wären. Die SPD würde gegenüber den letzten Wahlen 2011 hingegen fast 14 Prozent verlieren.

Das lässt nur einen Schluss zu: Die Bürger wollen den etablierten Parteien einen Denkzettel verpassen. Sie vertrauen ihnen zwar, aber diese sollten sich nicht zu sicher fühlen. Ein Ergebnis der Flüchtlingspolitik und der Debatten dazu im Bund und in den Ländern? Dann hängt an der Flüchtlingsfrage die Landtagswahl im September. Das dürfte für die Volksparteien ein großes Zittern bis zum 4. September mit sich bringen. Denn jeden Tag kann sich die Situation ändern, kann die Stimmung umschlagen.

Geht es um die Kompetenzen, die die Bürger den Parteien zurechnen, dann ist das größere Vertrauen eindeutig bei den demokratischen Parteien im Landtag. Beispiel Bildungspolitik: 30 Prozent der Bürger trauen der SPD die beste Schulpolitik zu – 21 Prozent der CDU; 15 Prozent der Linkspartei; fünf Prozent den Grünen. Aber nur drei Prozent trauen der AfD eine gute Schulpolitik zu. Das zieht sich durch alle Gebiete. Wirtschaft, Arbeit, ländlicher Raum, Energie, innere Sicherheit, überall das gleiche Bild. Nur in der Flüchtlingspolitik trauen Bürger der AfD etwas zu – aber auch hier nur zehn Prozent. Und nur – oder immerhin – ein Viertel der Bürger denkt, dass die AfD näher an ihren Sorgen ist als andere Parteien.

Download: Landtagswahlen MV: Trend April 2016.pdf

Der große Verlierer in unserer großen Meinungsumfrage ist die SPD und ihr Landesvorsitzender, Ministerpräsident Erwin Sellering. Sagten zur Landtagswahl 2011 noch fast 80 Prozent der Wähler, sie seien mit seiner Arbeit zufrieden oder sogar sehr zufrieden, so hat er seither zwölf Prozent verloren. Herausforderer und CDU-Landeschef, Innenminister Lorenz Caffier, hingegen gewann zwölf Prozent hinzu.

Und dennoch, hätten die Wähler die Möglichkeit, den Ministerpräsidenten direkt zu wählen, würden sich 57 Prozent für Sellering entscheiden und nur 24 Prozent für Caffier. Für dessen Absicht, Sellering nach dem 4. September abzulösen, sieht es also nach den aktuellen Umfragewerten schlecht aus. Andererseits führt die CDU derzeit in der Sonntagsfrage. Freimütig gesteht Sellering allerdings ein, dass er sich auf keinen Fall vorstellen könne, unter Caffier Minister zu werden. Das verspricht für den Wahlkampf einiges an Spannung und sicher auch an Anspannung.

Sellering tut bereits jetzt alles, um bei den Wählern zu punkten. Erst im Februar begann er mit einer Dialogtour, um als SPD-Landesvorsitzender mit Bürgern ins Gespräch zu kommen. Seit Beginn der Legislatur veranstaltet er monatlich Bürgersprechstunden als Ministerpräsident in allen Regionen des Landes. 67 Sprechstunden, bei denen 1500 Bürger ihr Anliegen vortrugen, sind es bislang. Im Frühsommer 2015 trieb er mit großer Energie die Gründung der Ehrenamtsstiftung voran, die sich an die 500000 Ehrenamtler im Land richtet. Das schafft Rückhalt und ist wahrscheinlich ein Grund, warum 98 Prozent der Bürger mit dem Namen Sellering etwas anfangen können. Aber auch Lorenz Caffier und der Vorsitzende der Linksfraktion im Landtag, Helmut Holter, bringen es auf ansehnliche Bekanntheitswerte. Wir ließen infratest dimap die Spitzenkandidaten der fünf Landtagsparteien und der AfD abfragen, ohne deren Partei oder Funktion zu benennen.

Wie zufrieden sind die Bürger mit den Ministerpräsidenten? Ergebnisse nach Umfragen in den einzelnen Bundesländern.

<p>Wie zufrieden sind die Bürger mit den Ministerpräsidenten? Ergebnisse nach Umfragen in den einzelnen Bundesländern.</p>

Wie zufrieden sind die Bürger mit den Ministerpräsidenten? Ergebnisse nach Umfragen in den einzelnen Bundesländern.

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Wie zufrieden sind die Bürger mit den Ministerpräsidenten? Ergebnisse nach Umfragen in den einzelnen Bundesländern.

 

Im Zeitraum vom 21. bis 26. April befragte das Berliner Meinungsforschungsinstitut für die Tageszeitungen in MV, Schweriner Volkszeitung, Ostsee-Zeitung und Nordkurier, sowie den NDR 1000 repräsentativ ausgewählte Bürger im Land telefonisch.

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