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Politischer Stammtisch Schwerin : Enttäuschung und Siegesrausch

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Oberbürgermeisterin Angelika Gramkow traf beim Politischen Stammtisch ihren Nachfolger Dr. Rico Badenschier

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erstellt am 28.Sep.2016 | 22:45 Uhr

Nein, die Kommunalverfassung liege nicht auf seinem Nachttisch, verriet Schwerins künftiger Oberbürgermeister Dr. Rico Badenschier gestern Abend beim Politischen Stammtisch in der Volkshochschule. Er schmökere gerade  in einem Buch des Reykjavíker Bürgermeisters, der von Hause aus Kabarettist sei, berichtete der SPD-Politiker. Sie lese eine Abhandlung über das Seelenleben der Bäume, sagte  Amtsinhaberin Angelika Gramkow.

Ja, die Enttäuschung über die Niederlage bei der Stichwahl am 18. September sitzt bei der Linken-Politikerin noch immer tief. „Ich habe gewusst, dass ich verlieren kann, aber ich habe nicht damit gerechnet, dass es so hart kommt“, erklärte Gramkow, um Fassung bemüht.

Beim Politischen Stammtisch saßen sie gemeinsam auf dem Podium: die Noch-Verwaltungschefin und ihr gewählter Nachfolger. Mehr als 100 Gäste, so viele wie noch nie bei einem Stammtisch, lauschten der Diskussion, moderiert von dem Journalisten Jürgen Seidel. Wer allerdings eine entschiedene Auseinandersetzung erwartet hatte, wurde enttäuscht. Die Debatte in der Schulaula blieb sachlich, verlief teilweise sogar versöhnlich.

So langsam werde ihm der Erfolg bewusst, sagte Badenschier. Wie im Rausch sei die erste Woche nach dem Wahlsieg mit 60,1 Prozent der Stimmen  verlaufen, so der gebürtige Chemnitzer. Als  Oberbürgermeister werde er auf Bürgernähe achten, versprach Badenschier. Die Finanzen der Stadt zu konsolidieren nannte  er als wichtigste Aufgabe. Respekt habe er vor dem Amt, aber keine Angst, betonte der Sozialdemokrat, der auf die Metropolregion Hamburg genauso wie auf eine gute Zusammenarbeit mit den umliegenden Landkreisen setzt.

Sie bedauere, dass so wenige Schweriner bei  der OB-Wahl überhaupt ihr Votum  abgegeben hätten, sagte Angelika Gramkow. „Mit einer Abstimmung über eine neue Bundesgartenschau hätten wir mehr Menschen an die Urnen gelockt.“ Am Freitag werde sie sich von ihren Mitarbeitern verabschieden, kündigte die 58-Jährige an. Urlaub werde sie machen, sich später vielleicht ehrenamtlich engagieren. Für ihren Nachfolger bat Gramkow um eine Schonfrist. Badenschier müsse die Möglichkeit bekommen, sich einzuarbeiten, um einen guten Job zu machen – im Interesse der Stadt.

In der Diskussion musste sich der 38 Jahre alte Mediziner, der am 1. November das Oberbürgermeister-Amt antreten wird, dann durchaus kritische Fragen gefallen lassen. Badenschier sei doch Arzt, werde gebraucht, warum er nun auf den OB-Sessel wechsele, fragte eine Zuhörerin. Er wolle nicht „ein bürgerliches Leben mit politischen Scheuklappen“ führen, sondern die Chance nutzen, etwas in der Gesellschaft mitzugestalten, so der dreifache Vater.

 

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