Schwerin : Landtag: „Dreiste Fälschung“

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Merkwürdiger Brief vom Axel-Springer-Verlag sorgt für Diskussionen

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28. Juli 2014, 20:50 Uhr

Ein angeblich vom Axel-Springer-Verlag an den Landtag von Mecklenburg-Vorpommern abgeschicktes geheimes Schreiben sorgt für Wirbel. Die Landtagsverwaltung bestätigte gestern gegenüber unserer Redaktion, dass der Brief in der vergangenen Woche in der Poststelle einging, bezweifelt aber, dass der Springer-Verlag tatsächlich der Absender ist. Gleichzeitig war ein Scan des Schriftstücks im sozialen Netzwerk Twitter aufgetaucht und hatte bundesweit für kontroverse Diskussionen gesorgt.

Das Schreiben bezieht sich auf eine angebliche Anfrage des Landtages an den Verlag. In der Antwort heißt es, dass der Springer-Verlag über 642 geringfügig beschäftigte Blogger bezahlt, die in sozialen Netzwerken und auf Nachrichtenseiten antirussische Kommentare schreiben. „Als Gegenpol zur russischen Propaganda sollen die Blogger prorussische Gruppierungen zersetzen, unterwandern und mit falschen Informationen versorgen“, steht wörtlich in dem Brief.

Merkwürdig an dem Schreiben ist unter anderem, dass es als „vertraulich“ deklariert war, aber ohne konkreten Adressaten natürlich in der Poststelle landete und dort geöffnet wurde.

Die Schweriner Landtagsverwaltung geht inzwischen davon aus, dass es sich eindeutig um ein gefaktes Schreiben handelt. „Das ist eine dreiste Fälschung“, teilte die Verwaltung mit. Es habe auch keine Anfrage des Landtages an den Springer-Verlag gegeben, in der es um den Einsatz von Bloggern ging.

Wer hinter dem Brief steckt, ist unklar. Ein schlechter Scherz oder der plumpe Versuch eines Geheimdienstes? Umgekehrt wird in verschiedenen Zeitungen wie der „Zeit“ und der „Süddeutschen Zeitung“ seit Monaten darüber spekuliert, ob neben kritischen Lesern auch von Moskau bezahlte Schreiber prorussische Online-Kommentare und -Artikel auf deutschen Nachrichtenseiten verfassen.

Laut Medieninformationen ging aus den Unterlagen von Whistleblower Edward Snowden unter anderem hervor, dass auch die britischen Geheimdienste GCHQ und NSA versuchen, Online-Diskussionen mit eigenen Schreibern zu manipulieren und zu dominieren.

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