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Kein Comeback alter Kfz-Kennzeichen : Landkreistag dagegen, Christiansen für PCH

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Rückschlag für die Freunde alter Heimat-Autonummern: Das Präsidium des Deutschen Landkreistags lehnt die gewünschte Vielfalt auf Deutschlands Straßen ab und will nur ein Kennzeichen pro Landkreis zulassen.

svz.de von
erstellt am 14.Mär.2012 | 10:07 Uhr

parchim | Rückschlag für die Freunde alter Heimat-Autonummern: Das Präsidium des Deutschen Landkreistags lehnt die von vielen Bürgern gewünschte Vielfalt auf Deutschlands Straßen ab und will nur ein Kennzeichen pro Landkreis zulassen. Rechtlich relevant ist das Votum des kommunalen Spitzenverbandes allerdings nicht. Bisher hat die Verkehrsministerkonferenz mehrheitlich für die Wahlfreiheit bei Autokennzeichen gestimmt und folgte damit einem Antrag MVs, Sachsens und Thüringens. Damit es so weit kommt, muss noch der Bundesrat einer Änderung der Kfz-Zulassungsverordnung zustimmen. Erst vor zwei Wochen stimmten Parchims Stadtvertreter dafür, das heiß geliebte PCH weiter durch die Welt fahren zu lassen.

Auch Landrat Rolf Christiansen (SPD) ist ein Freund der Vielfalt in Sachen Kfz-Kennzeichen. Als einziges von 25 Mitgliedern stimmte er gegen den Beschluss des Landkreistags-Präsidiums, nur eine Kennzeichen-Buchstabenfolge pro Landkreis zuzulassen. "Wir müssen jetzt die Diskussion auf Bundesebene abwarten", sagte Christiansen gestern. Er kündigte aber an, beim Innenminister einen Antrag zu stellen, der den Beschlüssen der Stadtparlamente und vieler Bürgermeinungen gerecht werde. Demnach sollen zum Beispiel wieder LBZ für Lübz oder HGN für Hagenow oder STB für Sternberg auf den Straßen unterwegs sein dürfen. Christiansen: "Zusätzlich sollte es ein Kennzeichen für den gesamten Landkreis geben. Nach den bisherigen Bürgermeinungen ist klar SWM für Südwestmecklenburg der Favorit."

Für diese Linie gibt es sogar Unterstützung aus der Wissenschaft. Prof. Dr. Ralf Borchert, Dekan der Hochschule Heilbronn, hat vor zwei Jahren bundesweit ein Forschungsprojekt initiiert, um an der Basis zu untersuchen, welche Bedeutung Kfz-Kennzeichen für Marketing, Identität und Bürgerzufriedenheit zukommen. Prof. Borchert brachte es danach auf den Punkt: "Es dauert bestimmt hundert Jahre, bis die Leute ihr geliebtes Kfz-Kennzeichen vergessen haben." Bei einer wissenschaftlichen Befragung von Passanten am Rande des Wochenmarktes in Parchim haben sich 94 Prozent von 228 Teilnehmern für den Erhalt des jetzigen Kennzeichens PCH ausgesprochen.

Dieses klare Votum erkennen die meisten Mitglieder des Landkreistages nicht an, es sei "nicht repräsentativ". Sie scheinen regelrecht Angst vor einer Rückkehr der Kfz-Kennzeichen-Vielfalt zu haben und sehen das als ein "Zurück in die Vergangenheit" an. Ihr Argument: Die Kennzeichen würden die "bürgerschaftliche Akzeptanz" der Großkreise gefährden. So spricht nur jemand, der offenbar ahnt, wie wenig Sympathie die Bürger für die Mammut-Verwaltungsstrukturen aufbringen. Der Präsident des Landkreistages, Hans Jörg Duppré, sagte sogar, der Vorschlag erinnere ihn an "nostalgische Kleinstaaterei".

Die Automobilclubs sehen das gelassener. Der Auto Club Europa (ACE) begrüßt eine "gewisse Liberalität" im Verkehrswesen. Der ADAC bezeichnet den Verwaltungsaufwand als überschaubar und freut sich, dass den Wünschen der Autofahrer Rechnung getragen werde.


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