Landwirte fordern gesetzlichen Flächenschutz : Landfraß: Täglich 7 Hektar weg

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Autobahnen, Straßen, Gewerbegebiete, Eigenheimsiedlungen: Immer neue Bauprojekte machen den Landwirten den Boden streitig. Täglich gehen der Agrarwirtschaft im Land sieben Hektar verloren. Das Ausmaß ist alarmierend.

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21. Juni 2012, 07:37 Uhr

Schwerin | Autobahnen, Straßen, Gewerbegebiete, Eigenheimsiedlungen: Immer neue Bauprojekte machen den Landwirten in MV den Boden streitig. Täglich gehen der Agrarwirtschaft im Land sieben Hektar verloren, erklärte Bauernpräsident Rainer Tietböhl: "Das können wir uns nicht mehr leisten." Der große Flächenverbrauch bringe die Ernährungssicherheit und die Versorgung regenerativer Energieanlagen in Gefahr.

Bundesweit gingen den Bauern täglich 90 Hektar verloren. Das entspreche 120 Fußballfeldern, 2000 Grundstücken für Einfamilienhäuser oder dem Jahresbedarf am Grundnahrungsmittel Brot von über 10 000 Menschen, so der Bauernverband. "Der Landverbrauch muss reduziert werden", forderte Tietböhl.

Das Ausmaß ist alarmierend: In den vergangenen 20 Jahren wurden in Deutschland Ackerflächen zugebaut, die vier Fünftel der Agrarfläche von MV entspricht - insgesamt 820 000 Hektar. Landwirtschaftliche Flächen müssten wie bereits der Wald per Gesetz unter Schutzstatus gestellt werden, forderte Tietböhl. Für neue Straßen und Gewerbegebiete sollten stärker alte Gewerbeflächen, Brachland und andere versiegelte Flächen genutzt werden. Tietböhl forderte zudem, die für Bauprojekte notwendigen Ausgleichsflächen radikal zu reduzieren. Künftig sollten der Aufbau von Windkraftanlagen gänzlich von Ausgleichsflächen ausgenommen werden.

Die Bauern erhalten indes politische Rückendeckung. Heute erreicht das Thema auch den Landtag in MV. Die Regierungskoalitionen von SPD und CDU fordern in einem Antrag von der Landesregierung einen Prüfbericht zur Bodennutzung ein. Darin soll untersucht werden, wie der Flächenverbrauch reduziert werden kann. Zudem wird das Land aufgefordert, stärker verwüstete Landschaften zu sanieren und für Bauprojekte zu nutzen.

Kritik von der Opposition: Der Antrag gehe nicht weit genug. MV müsse einen Maßnahmekatalog vorlegen, wie der Landverbrauch eingeschränkt werden könne, forderte Ursula Karlowski, Agrarexpertin der Bündnisgrünen-Fraktion. Das Ausmaß sei erschreckend: Die versiegelte Fläche sei in MV bereits jetzt mit 1108 Quadratmeter je Einwohner doppelt so groß wie im Bundesschnitt mit 580 Quadratmeter. Und es wird mehr: So liege der Flächenverbrauch mit 17,1 Quadratmeter je Einwohner und Jahr fast fünfmal so hoch wie im Bundesdurchschnitt mit 3,5 Quadratmeter, erklärte Karlowski. Die Grünen fordern konkrete Schritte, um den Landfraß in MV von derzeit täglich etwa 7,5 Hektar bis 2015 auf drei Hektar zu reduzieren - u. a. durch Einschränkungen im ländlichen Straßenbau. Statt Asphalt oder Beton sollten die Wege mit modernen wassergebundenen Decken ausgebaut werden, forderte Karlowski.

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