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Politiker in sozialen Netzwerken : Landesregierung fremdelt im Netz

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Die Regierung in MV hat keinen offiziellen Account bei Facebook, Twitter und Youtube: Gehen sie noch mit der Zeit?

svz.de von
erstellt am 01.Apr.2016 | 05:00 Uhr

Deutschlandweit gibt es 3,6 Millionen Nutzer des Kurznachrichtendienstes Twitter. 28 Millionen Deutsche sind bei Facebook aktiv und knapp 35 Millionen sehen jeden Tag Videos auf Youtube. Für jede Marketing-Firma sind soziale Netzwerke die reinste Goldgrube: Nirgendwo können potenzielle Kunden so ungefiltert angesprochen und umgarnt werden. Nun wäre es töricht, in der Politik von Kunden zu sprechen. Wer aber heute als Politiker einen direkten Draht zum Wähler haben möchte, kommt nicht umhin, neben dem klassischen Bürgertreff auch das digitale Gespräch zu suchen. Zumindest in der Theorie.

Denn: Mecklenburg-Vorpommerns Landespolitik fremdelt mit den sozialen Netzwerken. Die Landesregierung führt kein offizielles Benutzerkonto – weder bei Facebook, Twitter noch Youtube. Die Bürger hätten mit den Internetseiten der Regierung und Ministerien die Möglichkeit, sich über ihre Arbeit zu informieren, erklärt Regierungssprecher Andreas Timm. Und es gäbe ja auch noch die elektronische Post und das gute alte Telefon! „Aufwand und der zusätzliche Nutzen von solchen Profilen stehen in keinem Verhältnis“, sagt er. Ganze Redaktionen müssten die offiziellen Seiten den ganzen Tag betreuen. Aber, das gibt Timm zu, es ergäben sich zusätzliche, kommunikative Kanäle.

Damit kein digitaler Teufel an die Pinnwand gemalt wird: Die meisten der Minister im Land haben ihre eigene Facebook-Seite oder einen Twitter-Account. Ministerpräsident Erwin Sellering (SPD) zum Beispiel. Ganzen 1533 Leuten gefällt sein Profil bei Facebook. Vergleichbar mit der Einwohnerzahl des Örtchens Domsühl im Landkreis Ludwigslust-Parchim. Seine Chronik wirkt steril, fast lieblos: da ein geteilter Artikel von regionalen Medien, dort ein Interview über aktuelle politische Lage in Deutschland. Kein Blick hinter die Kulissen, keine Interaktion mit den Nutzern.

Zugegeben, es ist gängige Praxis, dass die Seiten vom Wahlkreisbüro oder Mitarbeitern des Stabs gepflegt werden. Dass dabei das Authentische in den Weiten des Netzes verschwindet, die Nähe zum Bürger, ja zum Wähler verloren geht, geschenkt. Dann lieber von allen Sorgen befreien wie Wirtschaftsminister Harry Glawe (CDU). Keine eigene Internetseite, kein Profil auf Facebook, Twitter oder Youtube. Da konzentriert sich noch jemand auf das Wesentliche! Aber zum Glück gibt es in MV auch die jungen Wilden, die digitale Avantgarde. Patrick Dahlemann (SPD) ist Jahrgang 1988, sitzt für den Wahlkreis Uecker-Randow im Schweriner Schloss. Fast jeden Tag zwitschert er auf Twitter. Mal Belangloses wie sein Rezept für entspannte Ostertage, mal ein Bild, mal über die harten Themen der Politik. Seiner offiziellen Facebook-Seite folgen 6555 Personen. Wie lebt es sich, wenn man viermal mehr Gefällt-mir-Angaben hat als der Ministerpräsident, der auch noch der eigene Chef ist? „Einige Kollegen“, erklärt Dahlemann, „kommen einfach aus einer anderen Generation.“ Für ihn ist Politik ohne soziale Netzwerke heute nicht mehr zu machen. „Es ist die niederschwelligste Plattform, um mit den Bürgern in Kontakt zu kommen“, sagt Dahlemann. Wenn er sich bei politischen Entscheidungen nicht sicher ist, macht er schon mal eine Facebook-Umfrage, um sich ein Bild zu schaffen. Demokratie 2.0. Oder Steffen Bockhahn (Die Linke), Senator für Jugend und Inneres in Rostock. Zwar unterhält er auf Twitter nur einen privaten Account, doch fast 2000 Menschen folgen seinem persönlichen oder politischen Gezwitscher. Die Kraft der sozialen Netzwerke hat Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig (SPD) aus Schwerin längst erkannt. Über Facebook und Twitter folgen ihr über 70 000 Menschen. Was von ihr geteilt wird, das ist garantiert in der Welt.

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