Corona-Krise in MV : Landesministerin Martin will Laptop-Zuschuss für Schüler vom Bund

Längst nicht jedem Kind steht in Deutschland die Technik zum digitalen Lernen zur  Verfügung.
Längst nicht jedem Kind steht in Deutschland die Technik zum digitalen Lernen zur Verfügung.

Weil die Schulen geschlossen bleiben, erfolgt Wissensvermittlung digital nach Hause. Doch kann dort nichts ankommen, wenn ein entscheidendes Puzzleteil fehlt.

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04. April 2020, 09:18 Uhr

Als Konsequenz aus den jüngsten Erfahrungen mit der Corona-bedingten Zwangsumstellung auf Online-Unterricht dringt Mecklenburg-Vorpommerns Bildungsministerin Bettina Martin (SPD) auf staatliche Hilfen für Kinder aus bedürftigen Familien ohne Laptop, Computer oder Tablet. Weil diesen Schülern teilweise der Online-Zugang zu Unterrichtsmaterial fehle, könnten sie nicht am digitalen Lernen teilnehmen, schreibt Martin in einem Brief an Bundessozialminister Hubertus Heil (SPD).

Vermeiden von sozialer Benachteiligung

Das Fehlen von Tablets und Laptops sei für diese Gruppe von Kindern und Jugendlichen nicht nur eine Hürde in der aktuell durch die flächendeckenden Schulschließungen geprägten Situation, sondern mit Blick auf den digitalen Wandel ein prinzipielles Problem. „Generell bin ich der Auffassung, dass angesichts der fortschreitenden Digitalisierung die Unterstützung für ein solches Gerät zum digitalen Lernen Teil des Katalogs des Bildungs- und Teilhabepakets sein muss. In dieser Krisensituation wird dies mehr als deutlich“, heißt es in dem Schreiben, das der Deutschen Presse-Agentur (dpa) vorliegt.

Weil staatliche Unterstützung für den Kauf solcher Geräte bislang nur sehr eingeschränkt etwa im Rahmen des Digitalpakts Schule möglich sei, regt Martin eine zügige Änderung des Teilhabegesetzes an. Es gelte „entschlossen Abhilfe zu schaffen, um soziale Benachteiligung zu vermeiden“, mahnt die SPD-Politikerin. Sie spricht von einem Gerechtigkeitsproblem, das dringend einer Lösung bedürfe.

„Und wenn ich dringend sage, meine ich das auch so. Denn digitales Lernen muss heute eigentlich selbstverständlicher Teil von Schule sein. Die Schulen sehen in ihren Medienbildungskonzepten bereits den Einsatz mobiler Endgeräte vor. Da muss auch sichergestellt werden können, dass Kinder, deren Eltern ihnen den Zugang zu einem Gerät nicht ermöglichen können, deshalb nicht abgehängt werden“, begründet Martin im Gespräch im der dpa ihren Vorstoß.

Umfassende Medienkompetenzbildung

Sie verweist zudem auf einen Beschluss der Kultusministerkonferenz von 2016, nach dem jedes Kind, das 2018 eingeschult wurde oder in dem Jahr die Grundschule beendete, in seiner Schullaufbahn eine umfassende Medienkompetenzbildung erhalten soll. „Und das geht nur, wenn auch die Technik dafür da ist. Dass es da noch Lücken gibt, wird uns gerade schmerzlich bewusst“, konstatierte Martin. Sie appellierte an den Bund, die Länder dabei zu unterstützen, dass die Gefahr einer digitalen Kluft nicht die soziale Kluft noch erweitert. Alle Schüler müssten unabhängig von ihrem Elternhaus befähigt werden, „selbstbestimmt ihr Leben in der zunehmend digitalisierten Gesellschaft (mit)zugestalten, auch um in der Arbeitswelt bestehen zu können“, schreibt Martin.

Das seit 2011 geltende Bildungs- und Teilhabepaket des Bundes soll helfen, finanzielle Nachteile bei Kindern von Langzeitarbeitslosen und Geringverdienern zu mildern. So gibt es Zuschüsse zum Mittagessen in Kita, Schule und Hort, zu Mitgliedsbeiträgen für Sportvereine oder Gebühren für Musikschulen. Finanzielle Hilfe wird auf Antrag auch für Klassenfahrten und Nachhilfe-Unterricht gewährt. Der Pauschalbetrag von 100 Euro pro Jahr für Unterrichtsmaterialien bezieht sich bislang auf Stifte, Hefte oder Schulranzen, reicht aber ohnehin nicht für eine nennenswerte Beihilfe für die Anschaffung eines mobilen Computers. Vom Bildungspaket können laut Bundessozialministerium bis zu 2,5 Millionen Kinder und Jugendliche profitieren.

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