Bildungsministerium verweigert Zuschüsse : Landesheimatverband entlässt seine Mitarbeiter

Die Krise um den Landesheimatverband spitzt sich offenbar zu. Weil bei ihm in diesem Jahr noch keine Fördergelder aus dem Bildungsministerium eingegangen sind, hat er seine drei festen Mitarbeiter entlassen.

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14. Mai 2012, 10:06 Uhr

Schwerin | Die Krise um den Landesheimatverband spitzt sich offenbar zu. Weil bei ihm in diesem Jahr noch keine Fördergelder aus dem Schweriner Bildungsministerium eingegangen sind, hat er seine drei festen Mitarbeiter entlassen. Selbst verfügt der Verband jährlich nur über 10 000 Euro an Mitgliedsbeiträgen, sagte Präsident Horst Wernicke gestern dieser Zeitung. Davon könnten die Gehälter nicht bezahlt werden.

Der Verband beschäftigt in Schwerin einen Geschäftsführer und eine Sachbearbeiterin. Eine weitere Mitarbeiterin betreut das Verbandsbüro in Neubrandenburg. Das Ministerium verweigert die Zuschüsse, "solange keine ordnungsgemäße Geschäftsführung beim Landesheimatverband gewährleistet ist", sagte ein Sprecher von Minister Mathias Brodkorb (SPD). Dies schreibe die Landeshaushaltsordnung so vor. Schließlich habe der Landesrechnungshof (LRH) "schwerwiegende Mängel" beim Landesheimatverband ausgemacht.

Die Vorwürfe der Rechnungsprüfer reichen in einem internen Bericht von großzügigen Spesenabrechnungen über auffällig hohe Gehälter bis zu einem Hauch von Vetternwirtschaft. In einigen Fällen empfahlen sie sogar eine "strafrechtliche Würdigung".

Verbands-Präsident Wernicke räumte Fehler und Nachlässigkeiten ein. Die meisten Mängel seien inzwischen abgestellt worden. Wernicke bezweifelte jedoch, dass an einen ehrenamtlichen Verein der gleiche Maßstab angelegt werden darf, wie an eine professionelle Verwaltung. Welche weiteren Verbesserungen das Ministerium vom Heimatverband erwartet, wollte der Ministeriumssprecher nicht sagen.

Der Verband fördert als Dachverband zahlreicher Vereine die niederdeutsche Sprache, hilft lokalen Trachtengruppen, organisiert Chor-Treffen und greift Orts-Chronisten unter die Arme.

Im vergangenen Jahr bekam er noch 185 000 Euro an Zuschüssen vom Land. Die gleiche Summe hatte das Ministerium für ihn auch in diesem Jahr eingeplant. Ohne weiteres Landesgeld können laut Wernicke zu Pfingsten in Dömitz "die Norddeutschen Tage an der Elbe", ein Trachtentreffen in Altenburg und ein Plattdeutsch-Wettbewerb für Kinder nicht stattfinden. Heute ist Wernicke zum Krisengespräch ins Bildungsministerium eingeladen. Falls es keine Lösung der Finanzprobleme gibt, will der Verband Insolvenz anmelden. Er gehe jedoch "ergebnisoffen" in das Gespräch, so Wernicke.

Allerdings kam auch das Bildungsministerium im Bericht des Landesrechnungshofs nicht ungeschoren davon. So seien regelmäßig Zuschüsse gewährt worden, obwohl der Landesheimatverband entgegen den Vorschriften nicht mindestens 15 Prozent der Projektkosten aus der eigenen Kasse bezahlte. Dem Ministerium fiel über die Jahre auch nie auf, dass der Geschäftsführer des Verbandes formal gar keine Fördergelder beantragen durfte. Dies wäre laut Verbands-Satzung Aufgabe des ehrenamtlich arbeitenden Präsidiums gewesen.

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