Personalkrach im Wald : Landesforst MV sucht neuen Chef

Gute Geschäfte: Die Landesforst erzielte 2014 bei einem Umsatz von 60,5 Millionen Euro sechs Millionen Euro Gewinn.
Gute Geschäfte: Die Landesforst erzielte 2014 bei einem Umsatz von 60,5 Millionen Euro sechs Millionen Euro Gewinn.

Verwaltungsrat der Landesforst hebt fehlerhafte Auswahl auf und startet Verfahren neu

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07. November 2017, 12:00 Uhr

Mecklenburg-Vorpommerns oberster Förster, Landwirtschaftsminister Till Backhaus (SPD), muss sich geschlagen geben: Angesichts eines nicht haltbaren Auswahlverfahrens hat die von ihm 2015 durchgedrückte Neubesetzung des Chefpostens der Landesforstanstalt keinen Bestand und wird wiederholt. Nach einer juristischen Schlappe vor dem Verwaltungsgericht Greifswald hob der Verwaltungsrat des landeseigenen Forstbetriebes gestern seine Personalentscheidung zugunsten des Backhaus-Vertrauten und damaligen Forst-Referatsleiters Manfred Baum auf. Die Landesforstanstalt werde gegen ein Urteil „zur Besetzung der Stelle ihres Vorstandes nicht in Berufung gehen“, beschloss das Gremium gestern bei einem Krisentreffen in Schwerin: „Die vom Verwaltungsgericht als verfahrensfehlerhaft kritisierten Elemente des Auswahlverfahrens werden wiederholt.“

Einsicht im Führungsgremium: Im September hatten Richter des Verwaltungsgerichtes Greifswald Teile des Auswahlverfahrens für rechtswidrig erklärt. Der Anstaltsrat hatte 2015 den zuvor zehn Jahre lang auf dem Posten sitzenden Vorstandschef Sven Blomeyer gegen Baum ausgetauscht – mit unrechtmäßigen Mitteln, wie die Verwaltungsrichter feststellten. Noch im Oktober gingen Forstkreise davon aus, dass das Land gegen das Urteil in Berufung gehen werde. Inzwischen gesteht das Aufsichtsgremium aber offenbar eigene Fehler ein. So hatten die Richter bemängelt, dass nach einem Eignungstest im Nachhinein einem anschließenden Auswahlgespräch eine doppelte Gewichtung beigemessen worden sei – unzulässig, meinten die Juristen. Über das Verfahren hätten die Beteiligten im Vorfeld informiert werden müssen. Zudem seien bei der Auswahlentscheidung eine Vielzahl „sachfremde Erwägungen“ einbezogen worden, die die Personalentscheidung beeinflusst haben könnten.

Sven Blomeyer hatte zuvor Klage gegen das Auswahlverfahren eingereicht. Der Forstmann war in die dritte Reihe der Verwaltung abgeschoben worden und hatte die Leitung der Forsteinrichtung übernommen.

Die offenbar auf Druck von Backhaus erfolgt Personalentscheidung hatte seinerzeit in der Fachwelt und beim Koalitionspartner CDU für Kritik gesorgt. Der allein mit vier Beschäftigten aus dem Agrar- und Forstressort von Backhaus besetzte achtköpfige Verwaltungsrat hatte sich nur mit einer Stimme Mehrheit für Baum entschieden. Blomeyer galt als fachlich anerkannt und war von Backhaus zuvor stets für positive Entwicklung der Landesforst gelobt worden. Allerdings war Baum trotz massiver Kritik an der Personalentscheidung und dem andauernden Rechtsstreit 2016 ins Amt gehievt worden und hatte die kommissarische Leitung übernommen. Die wird er vorerst auch behalten. Baum bleibe „bis zur abschließenden Besetzung des Dienstpostens“ kommissarischer Vorstand der Landesforstanstalt, teilte das Gremium mit. Eine Rückkehr des zehn Jahre an der Spitze der Forstanstalt stehenden Blomeyers ist indes offen: Er wolle zunächst die Entscheidung des Verwaltungsrates zusammen mit seinem Anwalt bewerten und dann entscheiden, ob er sich erneut an einem Auswahlverfahren um den Chefposten beteiligen werde, erklärte Blomeyer gestern: „Es ist alles offen.“

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