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Windräder im Wald : Landesforst gibt Windpläne auf

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Keine Windräder auf Freiflächen im Wald. Energie-Tochter forciert zwei Projekte zur Energiegewinnung aus Holzbiomasse

svz.de von
erstellt am 09.Jan.2017 | 21:00 Uhr

Windstille auf der Lichtung: Das Land gibt Pläne zum Aufbau von Windrädern auf Freiflächen der Landesforstanstalt vorerst auf. Entsprechende Konzepte für drei Standorte im Land hätten sich zerschlagen, erklärte Axel Stein, Geschäftsführer der Landesforst MV Energie GmbH Güstrow, einem Tochterunternehmen der landeseigenen Forstanstalt. Die monatelangen Planungen seien aus Artenschutzgründen eingestellt worden. Derzeit gebe es keine weiteren Verfahren. Der Aufbau von Windrädern im Wald, wie in anderen Bundesländern zugelassen, war in MV von vornherein nach der geltender Rechtslage ausgeschlossen gewesen. Waldarme Länder wie Mecklenburg-Vorpommern hätten in der Regel ausreichend Flächen außerhalb des Waldes, um den Ausbau der Windkraft zu realisieren, hieß es seinerzeit im Energieministerium.

Die Landesforstanstalt hatte vor mehr als drei Jahren ein Tochterunternehmen gegründet, um neue Einnahmequellen im Bereich der Erneuerbaren Energien zu erschließen. Zudem sollten mit dem Betrieb von Windenergieanlagen auf Freiflächen neue Arbeitsplätze geschaffen werden. Dafür war die Energietochter mit einem Startkapital in Höhe von einer Million Euro ausgestattet worden. Früheren Angaben zufolge gehören der Landesforst in MV etwa 1000 Hektar Freiflächen.

Der Erfolg blieb bislang allerdings weitgehend aus – zum Ärger von Landwirtschaftsminister Till Backhaus (SPD). Der hat jetzt den Druck auf die Forstleute erhöht. Die Landesforstanstalt solle als leistungsfähiges Dienstleistungsunternehmen im ländlichen Raum einen stärkeren Beitrag zur Entwicklung leisten, hatte er den Forstamtschefs Ende 2016 ins Aufgabenheft für dieses Jahr geschrieben. Die Entwicklung neuer Geschäftsfelder und der Ausbau der Landesforst Energie GmbH zu einem „umfassenden forstlichen Serviceunternehmen“ müssten daher beschleunigt werden, forderte er.

Die Energie-Tochter reagiert: In diesem Jahr sollen zwei Projekte zur Energiegewinnung aus Holzbiomasse vorangetrieben werden, kündigte Stein an – im mittleren Mecklenburg und Mecklenburg-Strelitz. Außerdem habe der Verwaltungsrat beschlossen, die Landesforst MV Energie GmbH als Serviceunternehmen für Umweltdienstleistungen auszubauen. So werde das Unternehmen künftig das Projektmanagement für Ausgleichsmaßnahmen für Bauprojekte übernehmen, erklärte Stein.

Der Windkraft-Rückzug aus den Waldgebieten kommt indes der Mehrheit der Deutschen entgegen. Einer aktuellen repräsentativen Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Emnid im Auftrag der Deutschen Wildtier Stiftung zufolge lehnen 80 Prozent der Bundesbürger Windkraft im Wald ab. Besonders eindeutig ist die Ablehnung der Bürger im Osten der Bundesrepublik – dort sind 87 Prozent gegen den Ausbau von Windenergie, wenn dafür Waldgebiete verschwinden oder zerschnitten werden sollen. 67 Prozent der Bundesbürger würden der Umfrage zufolge im Zweifelsfall dem Schutz von Vögeln und anderen Tieren Vorrang vor dem Bau von Windrädern geben.  

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