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Kunstsammlung MV : Land verzichtet auf Landeskunst

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Im vergangenen Jahr wollte die Landesregierung keinen landeseigenen Wald im Tausch für eine Kunstsammlung der Mecklenburger Herzöge herausrücken und stoppte die Verhandlungen. Nun droht der Ankauf abgesagt zu werden.

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erstellt am 10.Jan.2012 | 10:12 Uhr

Schwerin | Bildungsminister Mathias Brodkorb (SPD) ist offenbar nicht bereit, Geld für den Ankauf von 260 Kunstgegenständen aus dem Erbe des letzten Großherzogs von Mecklenburg-Schwerin bereitzustellen. Damit droht das Geschäft insgesamt zu scheitern. Die Verhandlungen waren im vergangenen Jahr kurz vor einem Abschluss von Ministerpräsident Erwin Sellering (SPD) ausgesetzt worden, nachdem öffentlich wurde, dass die Landesregierung einen Teil der Kaufsumme - ausgehandelt waren knapp acht Millionen Euro - mit einem landeseigenen Wald begleichen wollte.

Der damalige Bildungsminister Henry Tesch (CDU) überließ das offene Problem seinem Nachfolger Brodkorb. Nach Informationen dieser Zeitung hat der SPD-Politiker bei den Verhandlungen mit dem Finanzministerium über die Landeshaushalte für 2012 und 2013 allerdings keinen Cent für den Kauf der Großherzoglichen Sammlung beantragt. Wenn selbst der zuständige Ressortminister kein Geld für die Herzogs-Kunst ausgeben will, gilt es als unwahrscheinlich, dass andere Minister dafür in die Tasche greifen.

Brodkorb verweigert eine Stellungnahme. Über Details des Haushalts wolle er erst reden, nachdem die Landesregierung diesen am 24. Januar auf einer Klausurtagung beschlossen hat, so ein Sprecher. Auch auf die Frage, ob er prinzipiell weiterhin den Kauf der gesamten Sammlung anstrebe, will Brodkorb nicht antworten. Nach Angaben des Sprechers hängt dies vom Ausgang der Klausur ab. Brodkorb selbst ist also nicht bereit, dies von sich aus einzufordern.

Dirk Blübaum, Direktor des Staatlichen Museums in Schwerin, sieht im Kauf der Kunstsammlung die Chance, im Schloss Ludwigslust nach der Sanierung ganze Räume mit Original-Exponaten auszustatten "Wir könnten Landes- und Kunstgeschichte dokumentieren, wie es sonst kaum möglich wäre." So sei es auch im Nutzungskonzept für das Schloss ausgewiesen. Über Brodkorbs Pläne ist Blübaum nicht informiert. Der Minister hatte bislang keine Zeit für den Museumsdirektor.

Es geht um 260 Kunstgegenstände, die die Herzöge von Mecklenburg über drei Jahrhunderte zusammentrugen - darunter Gemälde, Möbel, Porzellan, Kunsthandwerk und Waffen. Die sowjetische Besatzungsmacht hatte die Gegenstände 1945 enteignet. Nach der Wiedervereinigung bekam Donata Herzogin zu Mecklenburg von Solodkoff den Familienbesitz zurück, überließ ihn aber bis 2014 dem Staatlichen Museum. Für die Zeit danach wollte das Land die Kulturgüter kaufen.

Bereits 2002 kamen Bildungs-, Finanz- und Landwirtschaftsministerium überein, dass ein Teil des Kaufpreises nicht in bar, sondern mit einem landeseigenen Wald beglichen wird. Als 2010 ein 390 Hektar großer Forst bei Parchim im Wert von 3,4 Millionen Euro gefunden war, regte sich angeblich Angst in der Bevölkerung, die Herzogin könnte das Gebiet einzäunen und den Einheimischen das Spazierengehen und das Pilzesammeln verderben. Oppositionschef Helmut Holter (Linke) reklamierte, wertvoller Landeswald solle gegen Herzogs-Kunst "verschleudert" werden. SPD-Landtagsfraktionschef Norbert Nieszery zweifelte unterdessen am Wert der "Ölschinken". Beide legten der Herzogin nahe, ihre Sammlung dem Land auf Dauer zu leihen oder zu schenken. Wolf-Dieter Ringguth (CDU) warf damals der Linkspartei vor, sie schüre alte Ressentiments gegen den Adel und ostelbischen "Junker", und verherrliche indirekt die Bodenreform von 1945. Intern genoss allerdings auch in der CDU der Wald mehr Sympathie als die Kunstgegenstände, weshalb sie ihren Bildungsminister Tesch im Regen stehen ließ, als Ministerpräsident Sellering den Tausch Kunst gegen Wald stoppte.

Donata zu Mecklenburg von Solod koff hat seit dem Abbruch der Verhandlungen von der Landesregierung nichts mehr gehört. "Wir sind weiterhin verhandlungsbereit", sagte sie dieser Zeitung. Im Raum stehen auch noch 90 000 Euro "Schadensersatz", die sie dem Land in Rechnung stellen will. So viel Honorar sei sie Gutachtern und Anwälten für die bisherigen Verhandlungen schuldig.


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