Land verhandelt nur mit Schwerin über Theater

<strong>Joachim Kümmritz    </strong>tritt gelegentlich auch selbst auf, wie im  'Besuch der alten Dame'. Jetzt hat er eine neue Bühne.  <foto>Winkler</foto>
Joachim Kümmritz tritt gelegentlich auch selbst auf, wie im "Besuch der alten Dame". Jetzt hat er eine neue Bühne. Winkler

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18. März 2013, 08:02 Uhr

Schwerin/Rostock | Showdown gestern im Kultusministerium: Zu der von Bildungsminister Mathias Brodkorb (SPD) per Einladung an die Oberbürgermeister von Rostock und Schwerin anberaumten Unterzeichnung des "Letter of Intent" - einer Absichtserklärung zur Zusammenarbeit mit dem Kulturministerium bei der Theaterreform - kam lediglich Schwerins Stadtchefin Angelika Gramkow (Linke). Die Plätze von Rostocks Stadtoberhaupt Roland Methling (parteilos) und seiner Verhandlungsgruppe blieben unbesetzt. Ein Brüskierung des Bildungsministers? Brodkorb hatte noch unmittelbar vor dem Treffen gegenüber unserer Zeitung die dringliche Hoffnung geäußert, dass man seiner Einladung folgen werde. Er hatte aber auch gedroht, Rostock die Theatermittel zu kürzen.

Doch Pustekuchen: Rostocks OB ließ den Minister sitzen. Nach Querelen in der eigenen Bürgerschaft war Roland Methling beauftragt worden, zunächst eine eigene Absichtserklärung vorzulegen, mit der man ohne Bildungsministerium auf die Stadt Schwerin zugehen könne. Methling will sie heute dem Hauptausschuss der Bürgerschaft präsentieren.

Zu spät: Nach dreistündigen Gesprächen mit Angelika Gramkow und der Schweriner Verhandlungsgruppe schloss gestern am frühen Abend Kultusstaatssekretär Sebastian Schröder - Brodkorb musste erkrankt das Bett hüten - mit Gramkow eine zweiseitige Erklärung ab. Rostock ist raus. "Wir mussten den Letter of Intent neu formulieren, da uns eine Verhandlungspartner abhanden gekommen ist", sagte Schröder hinterher. Und: "Wir gehen jetzt den Weg mit Schwerin allein." Es gebe zwar noch eine Öffnungsklausel für einen weiteren Partner, da aber Rostock den Zeitrahmen trotz mehrfachen Anlaufes nicht eingehalten habe, könne man nicht länger warten.

Wie weiter? Unter Gremienvorbehalt der Schweriner Stadtverordneten wurde vereinbart, dass nunmehr Brodkorbs Beratungsunternehmen Metrum mit einer Projektgruppe der Stadt das Modell eines Staatstheaters Mecklenburg entwickelt. Projektkoordinator soll der Schweriner Generalintendant Joachim Kümmritz werden. "Die Unterzeichner einigen sich, dass die Grundlage der weiteren Arbeit grundsätzlich Modell 7 (Staatstheater Mecklenburg) ist. Es werden aus dem Konsolidierungsprozess heraus Schwerpunktangebote für das Staatstheater entwickelt, die überregional, insbesondere im westlichen Landesteil ausstrahlen..." heißt es in dem Papier, das unserer Redaktion vorliegt.

Weitere Punkte: Das Land nimmt Verhandlungen mit dem Landkreis Ludwigslust-Parchim zur Einbindung des Landestheaters Parchim auf. Der Landeszuschuss für alle Theater sowie der Zuschuss Schwerins zu seinem Theater von 6,6 Millionen Euro bleibt bis 2020 konstant. Ausgangspunkt für Modellrechnungen sind geltende Tarifverträge am Theater. Auf betriebsbedingte Kündigungen wird verzichtet. Der Zeitplan ist straff: Nach Ostern soll der Vertrag unterzeichnet werden, bis Ende Mai dann das weitere Vorgehen feststehen.

Gramkow zeigte sich nach den Verhandlungen erleichtert: "Es ist gelungen, Bedingungen Schwerins für das Modell Staatstheater Mecklenburg einzubringen." Methling zeigte sich verwundert: Brodkorb habe im Januar selbst erklärt "die Fristen, die die kommunalen Akteure für sich wählen, selbstverständlich verfassungsrechtlich zu respektieren". "Was gilt denn nun", fragt Methling.

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