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Behinderte Schüler nur in vorbereitete Schulen : Land schwenkt bei Förderschülern um

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Kinder mit besonderem Förderbedarf sollen künftig nur noch dann eine herkömmliche Grundschule besuchen, wenn dort die nötigen Voraussetzungen vorhanden sind. Der Bildungsminister korrigiert so den Kurs seines Vorgängers.

svz.de von
erstellt am 20.Dez.2011 | 11:57 Uhr

Schwerin | Kinder mit besonderem Förderbedarf sollen künftig nur dann eine herkömmliche Grundschule besuchen, wenn dort die nötigen Voraussetzungen vorhanden sind. "Das bedeutet zum Beispiel, dass die Lehrer für den Unterricht lernbehinderter Kinder qualifiziert sein müssen oder dass für Körperbehinderte ein Aufzug vorhanden ist", sagte Bildungsminister Mathias Brodkorb (SPD). Die Voraussetzungen, die eine Schule für die Aufnahme von Schülern mit sonderpädagogischem Förderbedarf erfüllen muss, sollen in den nächsten Monaten im Bildungsministerium erarbeitet werden. Heute befasst sich das Kabinett mit dem Thema.

Nach massiven Protesten von Eltern und Lehrern am bisherigen Konzept der Inklusion hatte Ministerpräsident Erwin Sellering (SPD) im vergangenen Jahr die Ausdehnung eines Modellprojekts auf den Schulamtsbezirk Greifswald gestoppt. Brodkorb soll nun das umstrittene Konzept seines Amtsvorgängers Henry Tesch (CDU) korrigieren. Kaum eine Grundschule war auf die vor zwei Jahren angeordnete Aufnahme von Förderkindern vorbereitet worden. Die Lehrer waren überfordert mit verhaltensauffälligen oder lernschwachen Kindern.

Brodkorb zufolge hat sein neuer Kurs allerdings zur Folge, dass Eltern von Förderkindern ihr Recht auf gemeinsamen Unterricht ihres Kindes erst einmal nicht an jeder Schule durchsetzen können. Diagnoseförderklassen gibt es längst nicht überall. "In diesen Klassen absolvieren Kinder mit Schwierigkeiten die ersten beiden Grundschulklassen in drei Jahren", erklärte der Minister. Danach sollen sie in reguläre Klassen integriert werden. In den Diagnoseförderklassen arbeiten meist ausgebildete Sonderpädagogen.

Mit der Inklusion sollte eine UN-Menschenrechtskonvention umgesetzt werden. "Die Kultusministerkonferenz hat jedoch 2010 festgestellt, dass Deutschland die Konvention bereits erfüllt", sagte Brodkorb. In Mecklenburg-Vorpommern gibt es einen hohen Anteil von Förderschülern, die statt eines Haupt- einen Förderschulabschluss machen. Die Politik verspricht sich von der Integration dieser Kinder in herkömmliche Klassen, den Anteil der Schulabgänger ohne Abschluss zu senken.

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