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Mecklenburg-Vorpommern

18. Dezember 2017 | 21:17 Uhr

Land rüstet sich gegen Sturmflut

vom

svz.de von
erstellt am 29.Sep.2013 | 06:54 Uhr

Schwerin | Küstenschutz ist und bleibt Mecklenburg-Vorpommern lieb und teuer. Jährlich investiere das Land 18,5 Millionen Euro in Erhalt und Verstärkung der knapp 2000 Kilometer Außen-, Bodden- und Haffküsten, sagte Umweltminister Till Backhaus (SPD). Seit 1990 flossen 350 Millionen Euro in Uferbauten. Diese schützen 180 000 Küstenbewohner und rund 2 Milliarden Euro Vermögenswerte auf 1080 Quadratkilometern überflutungsgefährdeter Flächen.

Es gebe noch erheblichen Handlungsbedarf, sagte Backhaus. Bis zur Herstellung eines einheitlichen Schutzniveaus für alle gefährdeten Ortschaften an der Ostseeküste werde es noch viele Jahre dauern. Bis 2020 seien im Land Investitionen von zusammen 120 Millionen Euro geplant. Beispiele: 16 Millionen für die Komplettierung des Sturmflutschutzes für Warnemünde und Rostock. 13,8 Millionen für die Ringeindeichung von Prerow auf dem Darß. 12 Millionen für die Insel Ummanz bei Rügen. 13 Millionen für den Sturmflutschutz von Nordusedom. Küstenschutz bleibe eine Daueraufgabe und koste wegen der Prognosen zum verstärkten Meeresspiegelanstieg immer mehr Geld, meinte der Minister.

Mehr als 1000 Kilometer Küstenlinie gelten in Mecklenburg- Vorpommern nach Schätzung des Umweltministeriums als potenziell überflutungsgefährdet. Sie werden vor allem durch Deiche geschützt, wie es hieß. Auf über 100 Kilometern Flachküste bewahren Dünen Siedlungsräume vor der Flut. Um die Dünen zu erhalten, müssten die Strände regelmäßig neu mit Sand aufgespült werden, erklärte eine Sprecherin. 40 Prozent der jährlichen Küstenschutzmittel kämen der Dünenverstärkung zugute. In den vergangenen 20 Jahren seien dafür rund 16 Millionen Kubikmeter Sand an die Ufer verfrachtet worden - etwa 65 000 Lkw-Ladungen.

"Priorität muss der Schutz von Siedlungen haben", forderte Corinna Cwielag, Landesgeschäftsführerin vom Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), in Schwerin. Naturräume wie Küstenmoore brauchten keine Deiche, sie sollten ausgespart bleiben. "Wir brauchen weniger Investitionen, wenn nur Orte geschützt werden", meinte Cwielag.

Als gelungener Kompromiss zwischen Natur und Schutzbauten gilt der Seedeich Ostzingst. Er wurde gerade nach zehnjähriger Bauzeit vollendet. Gut 34 Millionen Euro flossen in das knapp 19 Kilometer lange System auf der Halbinsel Zingst, die als natürliche geologische Schwelle zur offenen Ostsee fungiert und bislang als stark gefährdet galt. Neue Deiche wurden gezogen, der Natur wurden aber auch 1500 Hektar Land als Überflutungsfläche und Salzgrasland im Nationalpark Vorpommersche Boddenlandschaft zurückgegeben. Verzögern wird sich indes die für Frühjahr 2014 geplante Fertigstellung des rund 35 Millionen Euro teuren Greifswalder Sperrwerks in der Mündung des Flüsschens Ryck. Das System soll Sturmfluten von gut drei Metern Wasserstand über Normalnull abwehren.

Bauliche und organisatorische Gründe hätten aber für einen Zeitverzug gesorgt, erklärte Eckhardt Wedewardt, Leiter des Staatlichen Amtes für Landwirtschaft und Umwelt Stralsund. Das Sperrwerk, eine Stahl-Beton-Konstruktion mit aufklappbarem Drehsegment, habe einen einmaligen Charakter, betonte der Amtsleiter. "So was wird nicht im Dutzend geplant." Ein neuer Übergabe-Termin stehe noch nicht fest.

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