Mehr Geld für Tierheime : Land legt Tierschutzkonzept vor

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Minister Backhaus setzt auf Kooperation statt Konfrontation / Kritik an Haltungsmethoden bringt der Plan nicht zum Verstummen

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03. August 2015, 21:00 Uhr

Schnabelkürzungen bei Legehennen und die Amputation der Schweineschwänze zur Vorbeugung von Kannibalismus sollen im Agrarland Mecklenburg-Vorpommern spätestens ab 2018 der Vergangenheit angehören. Dieses Ziel haben Landesregierung, Tierschützer, Bauernverband und Kirchen im Tierschutzkonzept des Landes verankert, das Landwirtschaftsminister Till Backhaus (SPD) gestern vorlegte. Zudem wolle das Land im Interesse artgerechter Nutztierhaltung auf bundesweit einheitliche Betreuungsschlüssel hinwirken. „Unsere Zielstellungen dienen dem Tierwohl und sie entsprechen dem allgemeinen gesellschaftlichen Interesse“, sagte Backhaus.

Seinen Angaben zufolge wurde das zehn Seiten umfassende Konzept maßgeblich vom Tierschutzbeirat entwickelt, dem neben Tier- und Naturschutzverbänden auch Vertreter aus Landwirtschaft, Wissenschaft, Verwaltung und Kirchen angehören. Die Arbeit am Konzept habe gezeigt, dass die Positionen der Akteure zum Teil deutlich auseinandergelegen hätten, aber schließlich doch ein Kompromiss gefunden worden sei. „Tierschutz kann man nur mit Tierhaltern umsetzen. Wir wollen Kooperation statt Konfrontation“, erklärte der Minister.

Die Bauern seien grundsätzlich bereit, mehr für Tierschutz zu tun, stünden aber durch die Preispolitik des Handels enorm unter Druck. Kritik übte Backhaus daher an den Grünen und dem Naturschutzverband BUND, die zum Teil überzogene Forderungen aufmachen würden. „Wer noch mehr Tierwohl will, der muss auch sagen, wie den Bauern die höheren Aufwendungen vergütet werden sollen“, sagte Backhaus. Er setze auf eine Fördermittelvergabe, die sich stärker an der Einhaltung von Tierschutzstandards orientiert und werde dafür bei den Ressortkollegen der anderen Bundesländer werben.

Die Grünen-Landtagsabgeordnete Jutta Gerkan erneuerte allerdings ihre Kritik am vorgelegten Konzept. Angesichts der Herausforderungen im Tierschutz sei das Papier „inhaltlich zu dünn“. So würden für Nutztierhaltung keine Obergrenzen genannt und die Hochleistungszucht nicht gestoppt. Backhaus setze weiter auf Eigenkontrollen in den Agrarbetrieben, statt mehr Geld und Personal für staatliche Prüfungen auszugeben.

Backhaus kündigte eine Aufstockung der Landeshilfen für die Tierheime an. Statt der bisher 100   000 Euro jährlich stelle die Landesregierung im kommenden Jahr 600  000 und im Jahr darauf dann einmalig 900  000 Euro für dringend nötige Investitionen bereit.

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