Aufträge satt, Geld knapp : Land hilft Werften in der Not

Erhalten Finanzhilfe vom Land: die Schiffbauer in Stralsund und Wolgast. dpa
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Erhalten Finanzhilfe vom Land: die Schiffbauer in Stralsund und Wolgast. dpa

Finanzloch im Dock: Eine Finanzspritze des Landes soll die beiden in Geldnot steckenden P+S-Werften in Stralsund und Wolgast über Wasser halten. Den Werften soll mit weiteren 70 bis 100 Millionen Euro geholfen werden.

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22. Mai 2012, 06:35 Uhr

Stralsund | Finanzloch im Dock: Eine millionenschwere Finanzspritze des Landes soll die beiden in Geldnot steckenden P+S-Werften in Stralsund und Wolgast über Wasser halten. Das Landeskabinett hat sich gestern über weitere Finanzhilfen für die vorpommerschen Schiffbaubetriebe verständigt. Den Werften soll offenbar mit weiteren 70 bis 100 Millionen Euro geholfen werden, hieß es gestern in Schwerin. Allerdings: Es seien noch keine Beschlüsse gefällt worden, sagte Regierungssprecher Andreas Timm. Noch stünden weitere Verhandlungen mit dem Bund aus. Über die Höhe der Nothilfe werde Wirtschaftsminister Harry Glawe (CDU) erst kommende Woche informieren, sagte ein Ministeriumssprecher. Nur so viel: Solange es zu verantworten sei, werde das Land helfen, meinte Glawe gestern. Kommenden Dienstag werde das Kabinett erneut beraten.

Die IG Metall begrüßte gestern die Finanzverhandlungen. Es sei gut, wenn sich das Land im Interesse des Schiffbaus in MV daran beteilige, die technologisch hochwertigen Werften zu halten und die Schiffbaubetriebe bei der Umstrukturierung der Werften zu unterstützen, sagte IG-Metall-Bevollmächtigter Guido Froeschke.

Mit hohem Aufwand: Die Werftenhilfe nehmen kein Ende. Die Spätfolgen der Managementfehler der früheren Hegemann-Gruppe, die nun aufgetretenen monatelangen Verzögerungen beim Bau der beiden Großfähren kommen den Steuerzahlern teurer zu stehen als bislang erwartet. Allein seit 2010 stehen Land und Bund für die P+S-Betriebe mit ihren 1900 Beschäftigten insgesamt mit schätzungsweise einer halben Milliarde Euro ein. Erst vor zwei Monaten hatten sich Land, Bund und Banken auf weitere Hilfen geeinigt und sich darauf verständigt, den Bürgschaftsrahmen von 326 Millionen Euro voll auszuschöpfen. Zwei Jahre zuvor hatte das Land zudem einen 28 Millionen-Euro-Kredit um 20 Millionen Euro aufgestockt.

Das reicht noch nicht: Zwar hatte Werftchef Dieter Brammertz noch im Juni 2010 nach dem Abschluss von Kreditverträgen über 326 Millionen Euro mit der Norddeutschen Landesbank und der KfW Ipex-Bank erklärt, mit dem Kreditrahmen "Finanzierungssicherheit für die nächsten vier Jahre" zu haben. Jetzt sprengen aber die Bauzeitverzögerungen für die beiden Scandlines-Fähren und erhebliche, bislang nicht absehbare Mehrkosten für die Umstrukturierung der beiden Werften zu einem Spezialschiffbauer den Finanzrahmen. Vor allem aber: Der hohe Auftragsbestand stellt die P+S-Werften vor Finanzierungsprobleme. Aufträge im Wert von mehr als einer Milliarde Euro stehen derzeit in den Orderbüchern, hatte die Werft erst vergangene Woche mitgeteilt - Arbeit bis Mitte 2013 u. a. für zwei Offshore-Installationsschiffe, eines der größten Schwerlastschiffe, zwei Spezialtransportschiffe, fünf eisgängige Spezialfrachter, vier Küstenwachschiffe, vier Vorschiffe für eine neue Fregattengeneration. "Die Lage ist ernst", hieß es in Regierungskreisen. Wie es gestern hieß, soll derzeit auf den P+S-Werften eine Liquiditätslücke von 200 Millionen Euro klaffen. Das Unternehmen äußerte sich gestern nicht.

Erst die beiden Nordic-Werften in Wismar und Warnemünde, jetzt die Schiffbauer in Stralsund und Wolgast: Das Land hatte den Nordic-Schiffbauern erst Ende März zur Absicherung der Bauzeitfinanzierung für eine Offshore-Plattform einen Kredit von 26 Millionen Euro gewährt. Darüber hinaus hatte das Land zu Jahresbeginn erklärt, zur Finanzierung von Schiffsneubauten den Bürgschaftsrahmen auf eine Milliarde Euro aufzustocken - 300 Millionen Mehr als bislang.

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