Entlastung für ältere Kleingärtner : Land führt Seniorengärten ein

<strong>Im Alter fällt  vielen die Bewirtschaftung ihrer Parzellen schwer.</strong> Die Lösung:  pflege-leichte Seniorengärten.  <foto>imago</foto>
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Im Alter fällt vielen die Bewirtschaftung ihrer Parzellen schwer. Die Lösung: pflege-leichte Seniorengärten. imago

In MV dürfen Kleingartenvereine künftig bis zu zehn Prozent ihrer Parzellen als pflegeleichte Seniorengärten ausweisen. Bislang mussten Kleingärten zu zwei Dritteln mit Obst, Gemüse und Rasen bepflanzt werden.

svz.de von
05. März 2013, 10:33 Uhr

Schwerin/Rostock | Die strenge Drei-Drittel-Wirtschaft in Kleingärten kann künftig für Senioren aufgehoben werden. Das hat jetzt das Ministerium für Landwirtschaft, Umwelt und Verbraucherschutz in Schwerin beschlossen. Ab Montag, 11. März, dürfen Kleingartenvereine bis zu zehn Prozent der Parzellen als pflegeleichte Seniorengärten ausweisen. Eine freudige Nachricht für die Vereine, die aufgrund einer Kommunikationspanne jedoch noch nichts von ihrem Glück wissen.

Mit einem Drittel Obst- und Gemüseanbau, einem Drittel Rasen, Blumen und Ziergewächse sowie einem Drittel Erholungs- und Wegefläche war die Bewirtschaftung von Kleingärten in Mecklenburg-Vorpommern im Bundeskleingartengesetz bisher genau festgehalten. Künftig sind in den sogenannten Seniorengärten mehr Rasenflächen erlaubt und weniger Obst- und Gemüseanbau erforderlich. Mit der Neuregelung reagiert das Ministerium auf die Ängste vieler Kleingartenvereine im Land. Die immer älter werdenden Pächter könnten der Drittel-Wirtschaft aufgrund körperlicher Beschwerden nicht mehr nachkommen. Die Folge: Die Besitzer müssen ihre Gärten abgeben, die Mitgliederzahlen der Vereine sinken. "Doch gerade für ältere Menschen sind ihr gewohntes Lebensumfeld und die soziale Teilhabe ganz entscheidende Faktoren, die sich positiv auf ihr Wohlbefinden und die Gesundheit auswirken können", so Landwirtschaftsminister Till Backhaus (SPD).

Zudem habe sich durch den demografischen Wandel der Gesellschaft auch die Altersstruktur in den Kleingartenvereinen verändert. So lag zuletzt der Altersdurchschnitt der Kleingärtner in Mecklenburg-Vorpommern bei über 60 Jahren. "Die ältere Generation bildet heute das Rückgrat des Kleingartenwesens", so Backhaus weiter.

Der Wunsch nach Seniorengärten ist bei den Vereinen in Mecklenburg-Vorpommern nicht neu. Bereits vor zwei Jahren schlug der Verband der Gartenfreunde Rostock das Konzept vor, um betagten Laubenpiepern das Gärtnern zu erleichtern. "Zwar ist bei uns in Rostock die Altersstruktur noch nicht so hoch wie bei anderen Vereinen im Land, dennoch müssen wir nach Möglichkeiten suchen, den Rückgang bei den Mitgliedszahlen zu stoppen", sagt Verbandsvorstand Dieter Steffens. Er und seine Kollegen vom Landesgartenverband in Stäbelow warten seit Monaten auf eine konkrete Entscheidung aus dem Ministerium. Dass die Seniorengärten ab dem 11. März offiziell ausgewiesen werden dürfen, erfuhren die Vereine jedoch nicht persönlich vom Ministerium, sondern erst durch Anfrage unserer Zeitung.

Schon jetzt war es einigen Vereinen in MV möglich, Ausnahmen bei der Drittel-Wirtschaft zu machen. So auch in der Kleingartenanlage "Am Fernsehturm" in Schwerin. Durch bestimmte Satzungen und einem eigen erstellten Kriterienkatalog durften hier bisher Seniorengärten betrieben werden. So musste der Pächter beispielsweise älter als 70 Jahre oder zu 50 Prozent körperlich eingeschränkt sein. Damit nicht zu viele Mitglieder von Kleingartenvereinen das Konzept wählen und dadurch eine Monokultur entsteht, dürfen jeweils nur zehn Prozent der Parzellen als Seniorengärten bewirtschaftet werden. Voraussetzung ist, dass eine entsprechende Anerkennung durch den jeweiligen Verein erfolgt. Am Ende sollen die Gärten immer noch gepflegt und bewirtschaftet sein und in das Gesamtbild der jeweligen Anlage passen. Der Verein der Gartenfreunde hat zudem vorgeschlagen, die Seniorengärten als solche zudem mit einer Plakette zu kennzeichnen.


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