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Regierung dringt auf Sparmaßnahmen : Land bleibt im Theaterstreit hart

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Für Kultusminister Mathias Brodkorb (SPD) agiert die Opposition in der seit Jahren schwelenden Theaterdebatte allein nach der Strategie der Film-Figur Horst Schlemmer: "Wir haben zu wenig. Wir brauchen mehr."

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erstellt am 02.Feb.2012 | 08:53 Uhr

Schwerin | Für Kultusminister Mathias Brodkorb (SPD) agiert die Opposition in der seit Jahren schwelenden Theaterdebatte allein nach der Strategie der Film-Figur Horst Schlemmer: "Wir haben zu wenig. Wir brauchen mehr." Mehr Geld, und zwar zehn Prozent zu den bisher pro Jahr vom Land gezahlten 35,8 Millionen Euro, forderten gestern die Grünen im Landtag. "Kultur wird gebraucht - als Anregung zum Denken, für einen attraktiven Standort, für Demokratie und Toleranz", sagte die Grünen-Abgeordnete Ulrike Berger.

"Die beharrliche Forderung nach mehr Geld hilft in der Sache nicht weiter", hielt Brodkorb dem entgegen und erneuerte die Forderung nach Strukturveränderungen bei den Theatern. Berger warf der Landesregierung vor, die Kommunen mit den ständig steigenden Kosten alleinzulassen. Grünen-Fraktionschef Jürgen Suhr sprach von einem "kulturpolitischen Skandal". Auch der Linke-Parlamentarier Torsten Koplin verlangte vom Land "langfristige Sicherheit für die Theater und Orchester in Mecklenburg-Vorpommern".

Diese Forderung werde von einer großen Mehrheit der Bevölkerung im Land unterstützt, sagte Koplin bei der Übergabe von 50 787 Unterschriften für eine Volksinitiative, die auf den Erhalt einer vielfältigen Theaterlandschaft zielt.

Landtagspräsidentin Sylvia Bretschneider (SPD) stellte bei der Entgegennahme der Listen fest, dass damit die erforderliche Stimmenzahl um ein Vielfaches überschritten wurde und nach Prüfung das Thema im Landtag behandelt werden muss. "Ich freue mich, wenn sich Menschen für eine Sache engagieren", sagte sie und schloss die Hoffnung an, dass diese Aktion helfe, eine tragfähige Theaterstruktur im Land zu schaffen.

Das ist auch das erklärte Ziel des zuständigen Ministers. Die Einspartenhäuser in Parchim und Anklam hätten sich erfolgreich großen Häusern zugeordnet. Zu den notwendigen Strukturveränderungen an den Mehrspartenhäusern in Rostock, Schwerin, Stralsund/Greifswald und Neustrelitz/Neubrandenburg habe es in den zurückliegenden Wochen Gespräche gegeben, sagte Brodkorb und wies damit den Vorwurf der Opposition zurück, das von Rot/Schwarz erarbeitete Eckpunktepapier für die neue Theaterstruktur sei gescheitert.

Brodkorb, der das ungelöste Theaterproblem von seinem Amtsvorgänger Henry Tesch (CDU) übernommen hat, dringt weiter auf strukturelle Einsparungen. Mit jährlich 20,41 Euro je Einwohner gewähre das Land bundesweit die vierthöchsten Theaterzuwendungen unter den Flächenländern. "Wir leisten uns mehr als reiche Westländer", sagte der Minister, blieb aber erneut eigene Vorschläge für Einsparungen schuldig. Dafür sieht er die Kommunen als Träger der Theater in der Pflicht.

Nach Ansicht des CDU-Abgeordneten Marc Reinhardt liegt das größte Einsparpotenzial bei den Orchestern. Sie sollten von vier auf zwei reduziert werden. Die verbliebenen Klangkörper sollten dann zusätzliche Gastspiele auf anderen Bühnen geben. Laut Reinhardt gewährte das Land bislang auch etwa 70 Millionen Euro für die Sanierung der Theatergebäude im Land. Auch Rostock könne bei dem angestrebten Neubau mit der Hilfe des Landes rechnen.

Ein Theater-Gutachten im Auftrag des Landesrechnungshofes war zu dem Schluss gekommen, dass nur eine Halbierung der Zahl der Orchester im Land zu nennenswerten Einsparungen führt.

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