Bildung in MV : Land baut Netz der Ganztagsschulen aus

Schulessen in einer Ganztagsschule
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Schulessen in einer Ganztagsschule

Bildungsministerin Birgit Hesse will bis zu 10 000 weitere Plätze schaffen

svz.de von
22. Mai 2017, 05:00 Uhr

Rundum-Betreuung in der Schule: Bildungsministerin Birgit Hesse (SPD) will das Netz an Ganztagsschulen in den nächsten Jahren ausweiten. Aktuell haben 146 der 188 Grundschulen in Mecklenburg-Vorpommern den Status „volle Halbtagsgrundschule“ mit zusätzlichen Angeboten neben dem Unterricht, wie ein Ministeriumssprecher mitteilte. Von den 252 Gymnasien, Regional- und Förderschulen haben demnach 188 Ganztagsschulen Unterricht oder Arbeitsgemeinschaften am Nachmittag.

Im nächsten Schuljahr sollen drei hinzukommen. Zwei weitere wollen ihr bisher freiwilliges Nachmittagsprogramm (offene Ganztagsschule) zur Pflicht machen (gebundene Ganztagsschule). „Ganztägiges Lernen betrachte ich als große Chance“, sagte Hesse. Ganztagsschulen und volle Halbtagsgrundschulen könnten Bildungs- und Freizeitangebote flexibler gestalten und neue Lernformen ermöglichen. „Insbesondere für Schülerinnen und Schüler auf dem Land halte ich das ganztägige Lernen für wichtig, weil Kinder und Jugendliche nachmittags nicht alleine zu Hause sitzen, sondern ihre Zeit mit Gleichaltrigen verbringen können.“

Der Landesjugendring sieht die gebundene Ganztagsschule hingegen kritisch: Das bedeute, dass die Kinder den ganzen Tag in der Schule verbringen müssen, sagte der Referent für Grundsatzfragen beim Landesjugendring, Christian Thönelt. Nach dem Unterricht müssten sie die von der Schule unterbreiteten Freizeitangebote nutzen, auch wenn diese vielleicht gar nicht ihren Neigungen entsprechen. Kinder und Jugendliche hätten ein Recht auf Freizeit und müssten auch Erfahrungen außerhalb des Schulbetriebs sammeln dürfen. „Wenn ich in einem Sportverein bin, sollte das von der Schule anerkannt werden“, sagte Thönelt. Das sei aber leider nicht der Fall.

Die Fraktionsvorsitzende der Linken im Landtag, Simone Oldenburg, findet derweil ganztägiges Lernen wichtig, hält einen Zwang zur gebundenen Ganztagsschule aber für falsch. „Gerade in größeren Städten ist die Pflicht zur Teilnahme jedes Schülers an Ganztagsangeboten fatal, da es so viele Organisationen, Vereine und Verbände gibt, die nicht alle Kooperationspartner der jeweiligen Schule sein können“, sagte sie.

Hesse hält dennoch an ihren Ausbauplänen fest. Bis zu 10 000 weitere Ganztagsplätze sollen bis 2021 entstehen, sagte sie. Bereits jetzt nähmen 189 000 Schüler der Klassen eins bis zehn an ganztägigen Angeboten teil, was 60,3 Prozent aller Schüler dieses Alters entspreche.

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